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Streetart

Unermüdliche Woll-Lust an der Emmastraße in Essen

31.07.2012 | 06:00 Uhr
Rund drei Wochen strickten und häkelten Gudrun Wöhler und Iris Heß an ihrem neuem Werk, dem Maschengarten. Foto: Sebastian Konopka

Essen-Rüttenscheid.   Diese Blumen welken nicht: Die beiden Strick-Verrückten Gudrun Wöhler und Iris Heß vom Lädchen „Maschenfantasie“ haben ihre Streetart-Kunstwerke um einen gestrickten Garten erweitert.

Streetart nennen es die einen, „Graffiti-Stricken“ sagen andere. Für Gudrun Wöhler und ihre Kollegin Iris Heß vom Woll-Lädchen „Maschenfantasie“ ist ihr engmaschiges Hobby schlicht eine Sucht. Zur Weltmeisterschaft 2010 machten die beiden Frauen zum ersten Mal mit ihrer Woll-Lust von sich reden. Damals erhielten die Begrenzungspoller an der Ecke Emma-/Reginenstraße kurzerhand Strickkleider in Schwarz-Rot-Gold. „Irgendwie mussten wir ja auf uns aufmerksam machen“, blickt Gudrun Wöhler zurück. Die gelernte Arzthelferin hatte das Geschäft aus der Not der Arbeitslosigkeit heraus 2008 eröffnet. Auch bei der vergangenen Europameisterschaft war die Straßenecke in den Farben der teilnehmenden Länder geschmückt.

Der neueste Coup

In der vergangenen Woche „pflanzten“ die beiden Damen ihren neuesten Coup ein. Ein mit Kunstrasen ausgelegtes Strickbeet aus kunstvoll gehäkelten Tulpen, Sonnen- und Glockenblumen ziert seither den unansehnlichen Stromkasten. Abends werden die Pflanzen hereingeholt, schlechte Erfahrungen aus der Vergangenheit machen das nötig. „Zur EM wurden einige Strickwerke gestohlen und sogar angezündet“, sagt Gudrun Wöhler. Dabei steckt viel Arbeit in dem Maschengarten.

„Stricken erfährt in den vergangenen Jahren als Hobby ein Revival“

Rund drei Wochen dauerte es, bis alle Pflanzen komplett „erblüht“ waren. „Die Idee haben wir aus einem Buch zum Thema Graffiti-Stricken. Darin war ein Bild mit einem gestrickten Kaktus mitten in der amerikanischen Wüste zu sehen. Das können wir auch, haben wir uns da gedacht“, sagt Iris Heß. Mit ihrem Strick-Gen sind die beiden nicht allein, wie die wachsende Anzahl der Kundinnen belegt. „Nachdem Stricken in den Siebzigern total angesagt war, kam es langsam aus der Mode. Das Hobby erfährt aber in den vergangenen Jahren ein Revival“, ist Gudrun Wöhler überzeugt. Vom Kindergartenkind bis zur mittlerweile 95-jährigen Stammkundin bedienen die beiden Frauen alle Altersklassen. Ganz klassisch sind es dabei meist Wollsocken, die aus den bunten Knäueln entstehen.

Bäume und Bänke bestricken

Gestrickter Garten

Gudrun Wöhler und Iris Heß wollen dabei nicht nur das Umfeld vor der eigenen Haustür verschönern - auch dem Kindergarten an der Brassertstraße rückten die beiden schon mit Nadel und Faden zu Leibe, um Bäume und Bänke zu bestricken. Auch für die Zukunft werden die beiden Strickkünstlerinnen nicht untätig sein, wie sie versprechen, „das erwarten einige in der Nachbarschaft auch von uns“, sagt Gudrun Wöhler mit einem Lächeln. Vielleicht kommt die Emmastraße in der Herbstsaison in neuem Gewand daher. Verwelken kann der bunte Strickgarten bis dahin zum Glück nicht.

Jennifer Schumacher


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