Umweltamt erteilt Klimaanalyse für Rüttenscheid eine Absage

Viel Verkehr, dichte Bebauung: Die klimatischen Bedingung in Rüttenscheid deutlich zu verbessern, ist nach Einschätzung des Umweltamtes schwierig.
Viel Verkehr, dichte Bebauung: Die klimatischen Bedingung in Rüttenscheid deutlich zu verbessern, ist nach Einschätzung des Umweltamtes schwierig.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Das Umweltamt sieht keine Notwendigkeit neuer Zahlen für Rüttenscheid. Dafür sei ein ähnliches Vorgehen wie bei der Planung des Krupp-Gürtels denkbar.

Essen-Rüttenscheid..  Anders als von SPD, Grünen und Linken jüngst gefordert, sieht das Umweltamt der Stadt keine Notwendigkeit zur Erneuerung der Klimaanalyse speziell für den Bereich Rüttenscheid. Das teilte das Umweltamt auf Nachfrage dieser Zeitung mit. Da der Stadtteil bereits relativ dicht als Wohn- und Gewerbefläche genutzt werde, seien die „realistischen Handlungsmöglichkeiten zur Verbesserung des Klimas stark eingeschränkt“, heißt es in der Stellungnahme.

Darüber hinaus habe sich die Siedlungsstruktur im Stadtteil seit Erhebung der letzten Klimaanalyse im Jahr 2002 kaum verändert. Bis auf die Erweiterungen der Messe und der Wohnbebauung an der Veronikastraße/Walpurgisstraße handele es sich bei Neubauprojekten in der Regel „um die Um- und Wiedernutzung bereits bebauter Flächen“, so das Umweltamt, und nennt als Beispiel das ehemalige Karstadtgebäude am Rüttenscheider Stern. Entsprechend habe sich auch die Klimasituation seither kaum verändert, urteilen die Fachleute aus dem Rathaus.

Computergestützte Simulationsmodelle

Dennoch halten sie computergestützte Simulationsmodelle, wie von SPD, Grünen und Linken vorgeschlagen, für die künftige Planung in Rüttenscheid für denkbar. Dieses Instrument hatte die Stadt beispielsweise im Kruppgürtel genutzt. Mit dem geförderten Modellvorhaben „Stadt begegnet Klimawandel“ waren mögliche klimatische Veränderungen dort in die Planung mit aufgenommen worden. Anhand konkreter Bauvorhaben – beispielsweise dem geplanten Umbau der Pädagogischen Hochschule – könne man so auch in Rüttenscheid vorgehen. Wenn denn Geld dafür bereit steht: „Eine Voraussetzung hierfür ist die Aufbringung erforderlicher finanzieller Mittel durch die Verwaltung oder der Einsatz von Mitteln der Bezirksvertretung“, so das Umweltamt.

Denn in einer Sache haben die Bezirkspolitiker recht: Zur Zeit der letzten Klimaanalyse 2002 waren der Klimawandel und mögliche Folgen noch kein großes Thema. Das hat sich mittlerweile geändert, wie auch das Essener Umweltamt weiß: „Nach derzeitigen Erkenntnissen werden Temperaturen und Hitzewellen sowie Tropennächte zunehmen. Betroffen sind insbesondere dicht bebaute (...) Bereiche mit hoher Bevölkerungs- und Arbeitsstättendichte, wie auch Rüttenscheid.“ Vor diesem Hintergrund gehe man das Problem mit dem Konzept „Stadt begegnet Klimawandel“ bereits an. Darin sind viele Maßnahmen genannt, mit denen das Stadtklima in kleinen Schritten verbessert werden kann: Das Umweltamt sieht in diesem Punkt auch Privatleute in der Pflicht. „Zum Beispiel mit Innenhof-, Dach- und Fassadenbegrünungen oder durch den Erhalt der Gärten in den Hinterhöfen“, lauten einige der Vorschläge.

Die Forderung nach einer Klimaanalyse hatte für Zwist gesorgt: Das Essener Bürgerbündnis und die FDP etwa sahen darin die Gefahr, eine mögliche bauliche Entwicklung zu verhindern. SPD-Fraktionschef Lankes hingegen hatte betont, dass es darum gehe, „mit der heutigen Technik eine vernünftige Planung für den Stadtteil auf den Weg zu bringen, die etwa Wegebeziehungen und Freiluftschneisen berücksichtigt.“