Theater „Rü-Bühne“ öffnet sich in neuer Spielzeit noch mehr

Eine Szene aus „Helges Leben“, das ab Samstag, 28. Februar, wieder gezeigt wird.
Eine Szene aus „Helges Leben“, das ab Samstag, 28. Februar, wieder gezeigt wird.
Foto: Frank Vinken | dwb
Was wir bereits wissen
Mit Stummfilm-Konzerten und der neuen Veranstaltungsreihe „Das kleine Kunstwerk“ festigt der Verein im Girardethaus seinen Platz in der freien Szene.

Essen-Rüttenscheid..  Die Theaterpädagogin Antje Domeier erinnert sich noch gut an den ersten Eindruck jener Räume, in denen heute die Rü-Bühne beheimatet ist: „Es hat tierisch nach Bier gestunken und lud nicht zwingend zum Spielen ein.“ Das war 2006, als der kleine, aber sehr engagierte Verein Rü-Bühne e.V. den ehemaligen Getränkemarkt im Girardet­haus in ein weiteres Standbein der freien Szene in Essen verwandelte.

Neun Jahre später hat sich die Theatergruppe mit nunmehr sieben Ensembles und rund 50 Schauspielern enorm weiterentwickelt, steht das Haus mittlerweile nicht mehr allein nur für anspruchsvolle Bühnenstücke. „Dabei sind wir uns immer treu geblieben“, betont Antje Domeier, Vorstandsmitglied von Rü-Bühne e.V., während sie das Programm des nächsten Halbjahres vorstellt. Damit möchte der Verein an die erfolgreichen vergangenen sechs Monate anknüpfen, nachdem 2014 zunächst schleppend angelaufen war. „Da hatten wir unter anderem krankheitsbedingt viel Pech, mussten einige Vorstellungen absagen“, so Domeier.

Nosferatu mit Elektronik-Begleitung

Programm und Reservierung

Die Saison 2015 wird am nächsten Wochenende mit einer Premiere eingeläutet. Das hauseigene Ensemble „Rü-Schicht“, das Regie, Technik und Bühnenbild in Eigenleistung stemmt, zeigt mit „Hystericon“ ein Stück von Ingrid Lausund. „Kulisse ist ein Supermarkt, in dem es neben Waschpulver und Lebensmitteln auch Sex und Mitleid zu kaufen gibt – etwa gegen Träume oder Mut als Währung“, erklärt Schauspieler Jo Küpperfahrenberg. Neben einigen Wiederaufnahmen und Gast-Auftritten von Künstlern wie Mundart-Komiker Kalle Henrich oder Shakespeare-Solist Philipp Steimel stehen in den nächsten Monaten auch einige Neuerungen auf der Rü-Bühne an.

So gastiert das Duo „Interzone Perceptible“ ab Februar regelmäßig auf der Bühne im Girardethaus. Einigen dürften Sven Hermann und Matthias Hettmer noch aus dem Eulenspiegel bekannt sein, wo sie schon früher deutsche Stummfilme der 1920er-Jahre auf ihre ganz eigene Art und Weise vertonten. Vier Mal stehen Hermann und Hettmer mit E-Bass, Synthesizern und elektrifiziertem Akkordeon in diesem Jahr auf der Rü-Bühne, um Filmen wie etwa Nosferatu (8. Februar, 19 Uhr) oder Das Cabinett des Dr. Caligari (29. Mai, 20.30 Uhr) ein musikalisches Denkmal zu setzen. „Wir improvisieren nicht, sondern schaffen für jeden Film im Vorfeld eine eigene Komposition“, so Matthias Hettmer.

Neue Wege geht die Rü-Bühne auch mit der Reihe „Das kleine Kunstwerk“, die am Freitag, 13. März, startet. „Damit möchten wir allen eine Plattform bieten – ganz gleich ob für Stand-Up-Comedy, Tanz, Lesung, Clownerie oder Musik“, sagt Antje Domeier. Am Ende eines Abends zahlen die Zuschauer das, was ihnen der Auftritt wert war: Auf und vor der Bühne soll es so wenig Hemmschwellen wie möglich geben. Anmeldungen dafür werden schon jetzt entgegengenommen (E-Mail: kunstwerk@
ruebuehne.de). Schauspieler Oskar Plate koordiniert und moderiert den Abend. „Auf diesem Weg“, sagt Antje Domeier, „wollen wir auch zeigen, dass wir für jede Art der Kunstform offen sind.“