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Jugend

Teil der längsten Vorlesestaffel

21.09.2009 | 18:21 Uhr

Südostviertel/Altenessen. Die Schüler der fünften und sechsten Klasse des Viktoria-Gymnasiums kamen mit rot gefärbten Haaren, blauen Punkten im Gesicht und selbst gebastelten Rüsseln auf der Nase in die Zeche Carl, um ihre älteren Mitschüler bei ihrem Beitrag zum Weltrekord-Versuch zu unterstützen.

So haben Viktoriaschüler der Klassen acht bis elf an der längsten Vorlesestaffel der Welt teilgenommen: Seit dem 18. Juni wird täglich an wechselnden Orten jeweils eine Seite aus Paul Maars neuestem Kinderbuch „Onkel Alwin und das Sams" gelesen. 100 Seiten sollen so an 100 verschiedenen Orten innerhalb von 100 Tagen gelesen werden.

Die Zeche Carl nun ist der 92. Staffelort - dort sollte die 92. Seite aus dem sechsten Teil der Sams-Serie vorgetragen werden. „Uns war es wichtig, ganz Deutschland zu erfassen und aus jedem Bundesland Initiativen auszuwählen, die sich ums Vorlesen verdient gemacht haben", so Daniel Pellegrino vom „Deutschen Vorlesepreis", der den Staffellauf zusammen mit der Stiftung Lesen initiiert hat.

Somit war es klar, dass auch das Viktoria-Gymnasium eine Station darstellen sollte, zumal die Schule im vergangenen Jahr mit dem „Deutschen Vorlesepreis" ausgezeichnet wurde. „An unserer Schule besitzt die Lesekompetenz einen hohen Stellenwert", unterstreicht Lehrerin Angelika Kusenberg. Auf ihre Initiative hin engagieren sich literarisch besonders interessierte Schüler auf besondere Art und Weise: Regelmäßig besuchen sie Kindergärten, Behindertenwohnheime und andere soziale Einrichtungen, um dort vorzulesen.

„Es macht Spaß, zu sehen, wie man mit dem Lesen andere begeistern kann", sagt der Achtklässler Alexander Zeiss. „Es ist auch ein großer Antrieb, andere für das Lesen zu begeistern", ergänzt Leander Schlegel, den seine Mitschüler als „Lesestar" bezeichnen. Ihm wird die Ehre zuteil, die 92. Seite von „Onkel Alwin und das Sams" zu lesen - und diese Seite somit erstmals der Öffentlichkeit vorzustellen.

Doch bevor es so weit ist, und da es doch vielleicht etwas langweilig wäre, einfach so nur eine Seite vorzulesen, haben sich die Schüler und Lehrer ein einstündiges Rahmenprogramm für die Veranstaltung einfallen lassen. So lesen einige Schüler die ersten Seiten des Romans zur Einstimmung vor, die Moderatorinnen Carla Scheytt und Pia Massing, Schülerinnen der elften Klasse, fassen daraufhin die restlichen Geschehnisse bis zur Seite 92 zusammen. Doch bevor diese endlich gelüftet wird, küren Carla und Pia noch mit Hilfe des Publikums die drei besten Kostüme unter den als Sams verkleideten Fünft- und Sechstklässlern.

Diese werden schließlich selbst aktiv und bemalen insgesamt 130 Kacheln mit Samsmotiven. „Diese kommen ins Treppenhaus der Schule, um die Löcher im Putz zu verdecken", lächelt Kusenberg. Dann gibt es noch ein kleines Reimspielchen, bei dem drei freiwillige Schüler in bester Sams-Manier spontan Reime improvisieren sollen, auf das ein gemeinsam gesungenes Sams-Lied mit der Melodie von „Ein Mann, der sich Kolumbus nannt" folgt, bevor es endlich soweit ist: Leander öffnet einen großen, blauen Umschlag, aus dem er die wie die Oscar-Gewinner gehütete Seite herausnimmt und vorliest. Muxmäuschenstill wird es da wieder im Saal.

Nun ist es an den übrigen Staffellesern, die Geschichte zu beenden: Die letzte Seite übernimmt am 25. September Sams-Autor Paul Maar persönlich. Dann wird der Autor, der neben der Sams-Reihe auch andere Kinderbuch-Klassiker wie „Lippels Traum" oder „Herr Bello und das blaue Wunder" geschaffen hat mit einem „Deutschen Vorlesepreis" für sein Gesamtwerk ausgezeichnet.

Für Leander und seine Lesefreunde soll das heute allerdings nicht der letzte Leseeinsatz sein: „Wir lesen gleich noch in einem Kindergarten", verrät er. Ganz getreu dem Motto: Es gibt viel zu tun - lesen wir es vor.

Gordon K. Strahl

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