Straßen-Wahlkampf vor Bürgerentscheid in Essen

Die Initiative Irmgard un Ortrud setzt sich dafür ein, dass die Straßen umbenannt werden. Motto der Kampagne: „Mädchen gegen Generäle“.
Die Initiative Irmgard un Ortrud setzt sich dafür ein, dass die Straßen umbenannt werden. Motto der Kampagne: „Mädchen gegen Generäle“.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Für die Initiativen „Irmgard und Ortrud“ und „Pro Von“ startet die heiße Phase vor dem Bürgerentscheid am 3. Februar. Es geht darum, wie die Von-Seeckt-Straße und die Von-Einem-Straße künftig heißen sollen. Die Stadt verschickt zu Beginn der Woche Wahlbenachrichtigungen an 45 741 stimmberechtigte Bürger.

Essen-Rüttenscheid.. Nach der Weihnachtspause ist vor der Wahl: Heute verschickt die Stadt die Benachrichtigungen an die 45 741 Bürger im Bezirk II, die am 3. Februar zum Bürgerentscheid aufgerufen sind. Die Frage: „Sind Sie dafür, dass die Von-Seeckt-Straße und die Von-Einem-Straße ihre Namen weiterhin behalten sollen?“ Folglich starten die Bürgerinitiativen „Irmgard und Ortrud“ und „Pro Von“ in den - in diesem Fall doppeldeutigen - Straßen-Wahlkampf.

Günter Hinken und seine Mitstreiter beginnen heute damit, die Straßenzüge zu plakatieren. Ziel ist die Rückbenennung in Ortrud- und Irmgard-Straße. „Mädchen gegen Generäle“ hat das Team seine Kampagne getauft, die, so Hinken, „endlich Ruhe in die Jahrzehnte schwelende Diskussion bringen soll“. Für Erdmuthe Dittmar hat die Debatte eines in jedem Fall jetzt schon bewirkt: „Wir haben uns besser kennengelernt und viel über die Geschichte dieser Straßen gelernt.“

So gründete sich innerhalb der Initiative ein Geschichtskreis. Unabhängig vom Wahlergebnis hat die Initiative nun auch den Plan gefasst, sich für Stolpersteine auf dem Parkplatz an der Straßenkreuzung einzusetzen. Damit erinnert der Bildhauer Gunter Demnig an die NS-Opfer. Auf dem Platz stand bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ein Haus, in dem viele Juden bis zu ihrer Deportation untergebracht wurden.

„Pro Von“ geht seit einigen Wochen auf die Straße

Wie auch die Gegenseite der „Pro Von“-Initiative setzt auch „Irmgard und Ortrud“ auf direkten Kontakt. Bei einer Auftaktveranstaltung am Rüttenscheider Stern sind am Samstag, 12. Januar, ab 10 Uhr auch die Grünen-Politiker Kai Gehring und Rolf Fliß zu Gast, um die Initiative zu unterstützen. Danach will das Netzwerk bis zum 3. Februar jeden Samstag am Stern mobil machen. Angedacht ist zudem ein Informationsabend mit Historikern am 22. Januar.

Die Initiative „Pro Von“, die den Bürgerentscheid durch ihre Unterschriftensammlung überhaupt möglich machte, ist bereits seit einigen Wochenenden verstärkt auf der Straße unterwegs - und bekommt neben EBB und FDP auch tatkräftige Unterstützung von der CDU, die auch am vergangenen Samstag Flyer vor dem Neubau am Stern verteilte und zudem eine Plakataktion finanziert.

Für Initiativen-Sprecherin Dagmar Rode ist neben der „Verhinderung der Straßenumbenennung“ entscheidend, möglichst viele Bürger zur Wahl zu motivieren: „Uns ist nicht Bange, allein die Unterschriftenaktion hat gezeigt, dass wir auf viele Unterstützer setzen können. Dennoch müssen immerhin 15 Prozent aller Stimmberechtigten für uns stimmen. Dafür werden wir uns in den nächsten Wochen einsetzen.“

Stimmenfang im Internet

Stimmen sammelt man längst nicht mehr nur auf der Straße, sondern auch in der virtuellen Welt. Das hat vor allem das Netzwerk „Irmgard und Ortrud“ erkannt, das auf seiner Homepage nicht nur über seine Ziele sondern auch umfassend über die Historie der Generäle und Straßen, Umbenennungen in anderen Städten und vor allem die Folgen für die Anwohner informiert, was Kosten und Behördengänge angeht. Über einen sogenannten „QR-Code" auf den Wahlplakaten gelangen Smartphone-Besitzer sofort auf die Homepage, die ebenso auf den Facebook-Auftritt verlinkt.

Im sozialen Netzwerk sammelt auch „Pro Von“ Unterstützer, wohingegen die Homepage eher stiefmütterlich daher kommt und bislang einige Baustellen aufweist. Noch steht der Wahlkampf aber in den Startlöchern. Über den Ausgang der Wahl entscheidet das Kreuz auf dem Wahlzettel und kein „Gefällt mir“-Klick auf Facebook.