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Interview

„Steeler Straße muss wieder Aushängeschild sein“

18.10.2012 | 00:08 Uhr
„Steeler Straße muss wieder Aushängeschild sein“
Der Apotheker Jan Olgemöller vom Verein "Wir am Wasserturm".Foto: Klaus Micke

Südostviertel.   Der Apotheker Jan Olgemöller vom Werbering „Wir am Wasserturm“ plädiert für ein zukunftsfähiges Konzept Steeler Straße, die schöner und sicherer werden soll. Im Interview spricht der 41-Jährige über Versäumnisse und Perspektiven an einer Straße, die einst eine der prächtigsten in Essen war.

1978, die Steeler Straße gilt als Visitenkarte des Südostviertels. Eine durchaus betuchte Gegend, in der sich Apotheker Josef Olgemöller (72) damals ansiedelt. 2004 tritt Sohn Jan Olgemöller (41) in seine Fußstapfen. Die Apotheke ist die gleiche, das Umfeld aber hat sich gewandelt - leider nicht zum Positiven. Mit einem Antrag im Bau- und Verkehrsausschuss möchte die SPD das Vorhaben zur Umgestaltung der Steeler Straße nun vorantreiben (wir berichteten). Wir sprachen mit Jan Olgemöller vom Werbering „Wir Am Wasserturm“ über mögliche Perspektiven für den Standort.

Was ist schief gelaufen an der Steeler Straße?

Olgemöller: Jahrzehntelang wurde schlichtweg nichts gemacht, um die einstige Attraktivität des Standorts beizubehalten. Die Teilung durch die Autobahn, das gestiegene Verkehrsaufkommen und die Aufgabe vieler inhabergeführter Geschäfte haben den guten Mix und die ausgewogene Bevölkerungsstruktur empfindlich gestört.

Früher war alles besser?

SPD-Antrag
„Alle ziehen an einem Strang“

„Wenn die Stadt keine Fremdfirma beauftragen kann, muss sie aus eigenen Kräften Umbaumaßnahmen prüfen und vornehmen“, sagt Andreas Wiemers von der SPD, der die Entwicklung der Steeler Straße seit langer Zeit politisch begleitet. Er wohnt selbst an der Wörthstraße. „Die ganze Diskussion hat schon jetzt einen Erfolg - denn alle im Stadtteil ziehen an einem Strang und setzen für die Aufwertung ein“, sagt Wiemers.

In dem von ihm mit ausgearbeiteten Antrag werden diverse Maßnahmen gefordert. Dazu gehören unter anderem die Integration von Radfahrstreifen in den fließenden Verkehr, die Installation von Mittelinseln, die Schaffung eines barrierefreien Zugangs an der Haltestelle Wörthstraße und nicht zuletzt die Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 Stundenkilometer. Wiemers ist optimistisch: „Bereits in der Bezirksvertretung I haben sich fraktionsübergreifend alle Politiker für Konzepte zur Aufwertung der Steeler Straße ausgesprochen.“ Die Politiker des Bau- und Verkehrsausschusses werden am Donnerstag, 25. Oktober, über den Antrag beraten.

Unserer Werbering ist mit dem Ziel gegründet worden, die Steeler Straße wieder zum Aushängeschild des Südostviertels zu machen. In den Nebenstraßen sind viele wunderschöne Häuser erhalten, dort gibt es viel Grün. Die Außenwahrnehmung dominiert aber die Steeler Straße, die genau aus diesem Grund aufgewertet werden muss.

Wie wollen Sie das erreichen?

Der ganze Prozess zieht sich ja jetzt schon über Monate hin. Es gab Begehungen mit der Evag, Grün&Gruga, Stadtplanung. Es wurden viele Vorschläge gemacht, etwa, das zweistündige Halteverbot täglich abzuschaffen. Selbst der Vorstoß, es nur auszuprobieren, wurde damals abgelehnt. Dabei wird die Straße selbst im Feierabendverkehr nach meiner Wahrnehmung kaum auf vier Spuren befahren.

Die Steeler Straße gehört zu den meist befahrenen Straßen in Essen. Wäre das überhaupt machbar?

Tatsächlich rechnen wir geschätzt mit 21 000 Fahrzeugen am Tag und nehmen hinter der Altenessener Straße einen traurigen Spitzenplatz in der Unfallstatistik ein. Deswegen muss die Verkehrssituation verbessert werden, auch für Fußgänger, die die breite Straße nur mit Hürden überqueren können. Vor allem für Gehbehinderte, die hier ins Ärztehaus kommen, ist der Weg an die Steeler Straße oft eine Tortur. Ich habe mindestens 20 Mal im Jahr hier Menschen in der Apotheke sitzen, die auf dem Weg gestürzt sind und leichte Blessuren davon getragen haben. Das taucht aber in keiner Statistik auf.

Der Auftrag zur Erstellung eines Gutachtens wurde von der Stadt mit Fingerzeig auf knappe Kassen abgelehnt. Was nun?

Wir als Verein können das Gutachten unter keinen Umständen finanzieren, die veranschlagten 27 000 Euro sind etwa das Fünffache unseres Jahresetats. Wir haben nun die Hoffnung, über den Antrag der SPD noch bei den Haushaltsberatungen im November berücksichtigt werden. Die Stadt müsste aus eigenen Mitteln versuchen, ein zukunftsfähiges Konzept auf den Weg zu bringen. Denn an der derzeitigen Situation kann auch der Verwaltung nicht gelegen sein.

Jennifer Schumacher



Kommentare
19.10.2012
15:01
„Steeler Straße muss wieder Aushängeschild sein“
von Stromer74 | #7

Die Steeler Straße wirkt im Bereich zwischen der DB-Brücke bis zum Schwanenbusch einfach nur trist und nicht besonders einladend! Ein paar Bäume und Parkbuchten auf beiden Seiten der Straße würden das Aussehen schon erheblich verbessern, wie ich finde. Zudem könnte die Haltestelle Wörthstraße mal eine Aufwertung erhalten - ein barrierefreier Einstieg und Unterstände wären an dieser Stelle eine feine Sache!

19.10.2012
13:51
„Steeler Straße muss wieder Aushängeschild sein“
von amo17 | #6

Viele Rahmenbedingungen an der Steeler Straße kann die Stadt nicht verändern.
Als erstes ist es das Einkaufsverhalten. Wenn die Leute lieber im Internet oder Einkaufszentren einkaufen, bleibt für den Einzelhandel weniger übrig. Zudem verschiebt sich der Konsumanteil für den Einzelhandel. Geben die Leute mehr Geld für Reisen, PKW oder Mobilfunk aus, merkt der Rest das sehrwohl.
Das Wohnumfeld kann die Stadt gestalten, der pflegsame Umgang - es reicht zuerst die Nutzung der Abfalleimer - obliegt den Anliegern.
Eine Verkehrsgestaltung ist da sehrwohl durch die Stadt zu beeinflussen. Wenn sich die Aufenthaltsqualität an der Straße verbessert, kommt das den Geschäften zugute.
Dazu müsste man aber mal den Schritt wagen, nicht alles für den PKW-Verkehr zu tun. Dass stößt aber hier vor allem auch bei den Geschäftsleuten auf taube Ohren.

19.10.2012
09:38
„Steeler Straße muss wieder Aushängeschild sein“
von ruhry | #5

Ein weiteres Beispiel ist die Krayer Straße. Eine ehemals von Einzelhandelsgeschäften, Kleingewerbe und Wohnhäusern geprägte Haupttraße hat sich zur "Haupteinflugschneise" für Schwerlast-LKW in und aus Richtung A40 mit allen negativen Begleiterscheinungen entwickelt. Der Einzelhandel hat längst aufgegeben was man an zugeklebten und blinden Schaufenstern sehen kann. Die Wohnungen sind nur noch an entsprechendes Klientel zu vermarkten. Die meisten Häuser sind in optisch und technisch schlechtem Zustand und wirken mit ihren leeren Fenstern nicht gerade einladend. Wie die Steeler Straße ebenfalls ein klassisches Beispiel für eine verfehlte Stadt- und Verkehrsplanung die seit Jahrzehnten auf dem "nordöstlichen Auge" blind zu sein scheint. Während man in den 70ern keine Skrupel hatte historisch gewachsene Stadtteile zu Gunsten des Straßenverkehrs im Kahlschlag zu sanieren passiert gerade heute, wo eine entsprechender Rückbau wegen sinkender Einwohnerzahlen notwendig wäre nichts mehr.

19.10.2012
09:32
„Steeler Straße muss wieder Aushängeschild sein“
von Brecht | #4

dschidschi5 hat leider recht. Wenn man mit der Straßenbahn (109 oder 103) fährt, braucht man eine Nasenklammer, Ohren- und Augenklappen - wenn man nicht gerade Material für eine Comedy-Show sammeln will.
Und der seit ewigen Zeiten eingehüllte Wasserturm (mit der "Tafel") sieht auch nicht attraktiv aus. Einziges Highlight ist das "Eulenspiegel".

19.10.2012
09:08
„Steeler Straße muss wieder Aushängeschild sein“
von dachspeicher | #3

Anfang wäre es der Steeler wieder ihren alten Namen zurückzugeben: Steeler Chaussee! Klingt erst einmal besser und wie so oft, ändert sich mit dem Namen auch etwas in den Köpfen und der Wahrnehmung; hier speziell aus Seiten der Politik, die zweifelslos gefragt ist.
Eine Chaussee hat in der assoziativen Wahrnehmung einfach einen anderen Stellenwert als Strasse. Und hier geht es erst einmal darum, das jahrzehntelange Wegschauen aufzubrechen, auch mit und dank solchen vermeintlichen Kleinigkeiten.

18.10.2012
17:17
„Steeler Straße muss wieder Aushängeschild sein“
von BorbeckerBefreiungsFront | #2

Das ist doch ein schöner Prüfpunkt für das Essen2030-Team. Ist das alles nur leere Rhetorik von blühenden Stadtvierteln oder soll wirklich etwas geändert werden.
Wenn da jetzt eine Aktion käme, mit dem deutlichen Zeichen: wir wollen was verbessern und wir haben auch die Mittel dazu, käme die Essen 2030 Debatte endlich aus der Geschwätzphase heraus.
Zu1: Es gibt wirklich Beispiele, dass man "Ghettos" wieder aufwerten kann, und ein zentrumnahes Viertel würde ich nicht automatisch abschreiben.

18.10.2012
12:47
„Steeler Straße muss wieder Aushängeschild sein“
von dschidschi5 | #1

Ist ja alles gut und schön, aber solange dort um den Wasserturm herum das Publikum rum läuft, das dort rumläuft, ist das vergebene Liebesmühe. Keiner, der es sich aussuchen kann, wird sich dort freiwillig länger aufhalten, als unbedingt nötig. Und denen, die dort rumlaufen, wird es herzlich egal sein, wie das Umfeld aussieht, denn sonst sähe es ja nicht aus, wie es aussieht.... Schade um einen ehemals netten Stadtteil, heute ist es nur noch ein Ghetto.

1 Antwort
„Steeler Straße muss wieder Aushängeschild sein“
von EinFreund | #1-1

Damit werfen sie alle in einem Topf. Meine Frau und ich wohnen schon sehr lange in diesem MULTIKULTI Stadtteil. Es gibt sehr schöne Ecken hier und wir fühlen uns hier sehr sicher.
Es wohnen hier viele Leute die wahrscheinlich nicht nach Bredeney oder Kettwig passen.
Aber es sind Menschen und gerade das macht sie sympathisch.
Wir müssen auf alle Menschen zugehen , nicht nur auf die mit einer dicken Geldbörse...

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