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St. Raphael ist bald Geschichte

10.12.2012 | 16:01 Uhr
St. Raphael ist bald Geschichte
Der rote Altar von St. Raphael steht mitten in Schuttbergen.

Bergerhausen.   Die 2009 vom Bistum aufgegebene Kirche St. Raphael wird derzeit abgerissen. Ab 2013 wird die Firma Hochtief Solutions dort acht Doppelhaushälften und 13 Eigentumswohnungen errichten. Das Franz Sales Haus baut auf dem Gelände ein Wohnheim für behinderte Kinder und Jugendliche. Die Katholiken in Bergerhausen sehen den Abriss „ihrer“ Kirche mit Wehmut.

Derzeit wird der Kirchenkomplex St. Raphael abgerissen, Jugendheim, Turm und große Teile der Kirche sind schon gefallen. Die Entwicklung war absehbar: Das Bistum hatte das Gotteshaus als „weitere Kirche“ eingestuft. Im Februar 2009 feierten die Gläubigen dort ihre letzte Messe.

Das Bistum verkaufte das Gelände, auf dem Hochtief Solutions acht Doppelhaushälften und 13 Eigentumswohnungen bauen will, wie Gabriele Stegers von der Pressestelle des Unternehmens bestätigt. Zudem errichtet das Franz Sales Haus (FSH) dort ein Wohnheim für geistig behinderte Kinder und Jugendliche. „Der Abriss der Gebäude läuft, wir haben mit dem Vertrieb begonnen. Es gibt bereits etwa 100 Interessenten“, sagt Stegers. Ende Januar soll nach einer Weihnachtspause der Abriss beendet sein, im Mai 2013 sollen die Bauarbeiten beginnen.

Der Bauantrag für die Doppelhaushälften sei bereits genehmigt, der Antrag für die 13 Eigentumswohnungen in Mehrfamilienhäusern laufe, so Stegers. Laut Stefan Schulze vom Stadt-Presseamt dürfte die Genehmigung kein großes Problem sein: „Die Anträge entsprechen genau dem Bebauungsplan Ahrfeldstraße/Peenestraße.“ Die Gesamtbauzeit soll etwa zwei Jahre betragen, es entstehen rund 2500 Quadratmeter Wohnfläche.

Parallel zur Wohnbebauung plant das Franz Sales Haus sein Wohnheim für geistig behinderte Kinder und Jugendliche. In dem zweigeschossigen Gebäude sollen insgesamt 16 Menschen betreut leben, so Valeska Ehlert, Sprecherin des Franz Sales Hauses. Auf der Innenseite des Gebäudes werde es einen Garten geben, der auch als Spielplatz genutzt werden könne. Zusätzlich werde es zwei Räume geben. Ein Raum sei für das Büro des Familienunterstützenden Dienstes (FUD) gedacht. Dort würden Angebote wie Basteln oder Kochen organisiert und durchgeführt, um Eltern mit behinderten Kindern etwas Freiraum zu schaffen.

Der andere Raum könne als Ladenlokal genutzt werden, möglicherweise als Filiale der FSH-Bäckerei. „Wir hoffen, dass der Bauantrag bis Ende 2012 durch ist, damit wir im zweiten Quartal 2013 anfangen können“, so Ehlert. Die Bauarbeiten für das rund 1,5 Millionen teure Projekt sollen etwa ein Jahr dauern, so dass die Bewohner im Frühjahr 2014 einziehen könnten. Die Wohnfläche wird 680 Quadratmeter betragen und damit den Vorgaben des Landschaftsverbandes Rheinland entsprechen, der die Betreuung der Bewohner finanziert, erklärt Ehlert.

Ein irgendwie apokalyptischer Anblick bot sich Anwohner Martin Schmücker (51), als er dieser Tage spazieren ging und den roten Altar von St. Raphael inmitten von Schutt und Asche stehen sah. Der Werkstoffwissenschaftler, als Privatdozent an mehreren Hochschulen tätig, stammt aus Bergerhausen und hat seine „Sozialisation in den 1970er und 80er Jahren in der katholischen Gemeinde St. Raphael erfahren“. Seine Mutter leitete damals die Pfarrbücherei.

Später zog Schmücker mit seiner Familie nach Bad Honnef. Seit einigen Jahren lebt er wieder in Bergerhausen und musste den für viele Gemeindemitglieder schmerzlichen Abschied von „ihrer“ Kirche miterleben. Den aktuellen Abriss sieht er mit gemischten Gefühlen. „So ging es nicht weiter, die Kirche stand seit Jahren leer, es gab Vandalismus“, meint Schmücker.

Vor gut zwei Wochen hat der Abriss begonnen. „Als ich den roten Altar mitten im Schutt sah, war ich schon traurig. Da habe ich ja früher als Messdiener gestanden“, erinnert sich der Bergerhauser. St. Raphael sei ja erst Mitte der 1960er Jahre unter großem Einsatz der Gemeinde gebaut worden. Später wurde für Orgel und Glocken gesammelt. „Die Schließung war ein unschöner Prozess der Wegrationalisierung. Viele Menschen haben ihre kirchliche Heimat, ihre Anbindung an die Gemeinde verloren“, bedauert Schmücker.

Elli Schulz

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2012-12-10 16:01
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