Seniorenlotsen auf der Rüttenscheider Straße droht das Aus

Seit 2006 helfen Seniorenlotsen an der Kreuzung Rüttenscheider/Cäcilienstraße Passanten über die Straße. Doch das Team der Ehrenamtlichen schrumpft immer mehr und sucht nun händeringend Verstärkung.
Seit 2006 helfen Seniorenlotsen an der Kreuzung Rüttenscheider/Cäcilienstraße Passanten über die Straße. Doch das Team der Ehrenamtlichen schrumpft immer mehr und sucht nun händeringend Verstärkung.
Foto: WAZ Fotopool
Finden sich keine neuen Ehrenamtlichen, muss das Vorzeigeprojekt nach neun Jahren eingestampft werden. Die Schichten wurden bereits reduziert.

Essen-Rüttenscheid..  Als Karl-Heinz Webels, Vorsitzender der Essener Verkehrswacht, im Jahr 2006 die Seniorenlotsen an der Rüttenscheider Straße auf den Weg brachte, war das Projekt bundesweit einzigartig. Erst kürzlich wies sogar das Verkehrsministerium Österreich in seiner Studie „Mobilität im Alter“ auf das Essener Modell hin. Weil sich dafür aber immer weniger Ehrenamtliche finden, droht nun das Aus.

Dem Projekt vorausgegangen waren damals mehrere Unfälle, auch an der Kreuzung Rüttenscheider/Dorotheenstraße. Dort wurde in Folge dessen ein Zebrastreifen eingerichtet. Speziell an den stark frequentierten Samstagen sollten die Seniorenlotsen für zusätzliche Sicherheit beim Überqueren der Straße sorgen, so die Idee. „Schülerlotsen gibt es ja schon seit 50 Jahren. Die Seniorenlotsen aber sind auch eine Antwort auf den demografischen Wandel. Rentner können so Gleichaltrigen, die vielleicht nicht mehr so gut zu Fuß sind, helfen“, sagt Webels.

Einer dieser Helfer ist Wolfgang Klee (65). Seit drei Jahren macht der Rüttenscheider mit. „Ich hatte einfach das Bedürfnis, anderen Bürgern etwas Gutes zu tun“, sagt der pensionierte Polizei-Techniker. Er koordiniert den „Dienstplan“. Maximal zwei Mal im Monat, jeweils anderthalb Stunden lang, stehen die Lotsen am Zebrastreifen. Vier Helfer teilen sich die Schicht von 10 bis 13 Uhr. Dass das Ehrenamt keineswegs „zur Belustigung der Autofahrer dient“, wie Klee leider häufig erfahren muss, wenn er beleidigt wird, weiß der Seniorenlotse nur zu gut: „Vor allem Menschen mit Rollator sind häufig unsicher und bedanken sich bei uns. Denn der Stress ist gerade samstags enorm: Zum einen bummeln viele Menschen über die Straße, zum anderen sind noch mehr Autos als sonst unterwegs. Wer da nicht seine Ellbogen einsetzen kann, hat oft das Nachsehen“, weiß Klee. Autofahrer fühlten sich oft gegängelt, wenn sie die Kelle sehen, hat er beobachtet, „dabei geht es doch nur um die Sicherheit der Fußgänger“.

Schulung für jeden Lotsen

Von ursprünglich 15 Lotsen sind alters- und krankheitsbedingt nur noch neun übrig. „Aber auch dort kommt es mal zu Ausfällen. Wir haben die Zeiten jetzt schon so gekürzt, dass wir meist nur von 11.30 bis 13 Uhr an der Rü stehen“, sagt Klee, der auch mit der Gemeinschaft für das Ehrenamt wirbt: „Wir verstehen uns als Gruppe gut, unternehmen auch außerhalb des Lotsendienstes etwas gemeinsam: Alle paar Monate treffen wir uns zum Stammtisch oder auch zu Grill-Abend, Weihnachtsfeier oder Tagesauflug.“

Wer mitmachen möchte, muss neben gutem Sehvermögen und der Fähigkeit, anderthalb Stunden stehen zu können, gar nicht viel mitbringen:„Jeder Lotse erhält vorab eine Schulung der Polizei“, sagt Webels. Er würde es sehr bedauern, wenn das Projekt, auslaufen würde. Webels: „Da steckt viel Herzblut drin.“