Rücksichtnahme kann Konflikt entschärfen

Zwischen Hundebesitzern und Radfahrern kommt es auf der Trasse oft zum Streit.
Zwischen Hundebesitzern und Radfahrern kommt es auf der Trasse oft zum Streit.
Foto: Essen
Was wir bereits wissen
Auf dem Fuß- und Radweg auf der alten Bahntrasse in Rellinghausen kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen Hundehaltern und sportlichen Radfahrern. Viele Radfahrer seien rabiat und viel zu schnell unterwegs, finden die Fußgänger.

Essen-Rellinghausen..  Eigentlich befinden sich Hans-Peter Koy (60) und seine Nachbarn am Stiftsmühlenbrink in einer beneidenswerten Situation: Sie wohnen nur wenige Schritte vom kombinierten Rad- und Fußweg auf der ehemaligen Bahntrasse entfernt. Der gut elf Kilometer lange Weg verläuft von Mülheim-Heißen bis Steele-Süd und wird von Radfahrern und Fußgängern gleichermaßen gern genutzt. Und genau hier liegt das Problem. Zwischen Spaziergängern, die ihre Hunde dort Gassi führen, und Radfahrern, vor allem denen, die sportlich unterwegs sind, kommt es immer wieder zu Konflikten.

„Morgens geht es ja noch. Aber ab 16 Uhr oder am Wochenende komme ich bei schönem Wetter schon gar nicht mehr her und gehe lieber im Walpurgistal Gassi“, sagt der Rentner, der täglich mit Dackelmischling Curry seine Runden dreht. Den Hund würde er auf der Trasse nie frei laufen lassen, doch auch angeleint kommt es immer wieder zu Problemen. „70 Prozent der Radfahrer verhalten sich okay, aber die anderen sind viel zu schnell unterwegs, teils echt rabiat und rücksichtslos“, hat Koy beobachtet. Als sein Hund einmal ein Stück vorlief, sei er beinahe überfahren worden. „Viele klingeln nicht einmal, wenn sie überholen wollen“, hat Iris Taplick schlechte Erfahrungen gemacht. Auch Beschimpfungen wie „Nimm deinen blöden Köter da weg“ und Schlimmeres hat sie schon oft gehört. Sie sorgt sich zudem um die Kinder: „Die kann man ja nicht anleinen.“

Mit vier weiteren Hundehalterinnen trifft sie sich morgens um 8 Uhr zur ersten Gassi-Runde. „Gerade jetzt im Frühjahr, wenn viele wieder mit dem Rad zur Arbeit fahren, wird es schon früh richtig unangenehm“, bedauert sie.

Nicht nur für Hundebesitzer: Margret Heck ist 85 Jahre alt und nicht mehr so gut zu Fuß. Auch sie traut sich am Wochenende nicht mehr auf die Trasse, aus Angst vor rasenden Radfahrern. „So geht es sicher vielen älteren Menschen“, vermutet sie.

„Zusätzliche Schilder würden auch nicht helfen, die werden ja doch ignoriert. Besser wäre es, wenn das Ordnungsamt mal öfter zu den Stoßzeiten präsent wäre. Aber das Wichtigste ist und bleibt die gegenseitige Rücksichtnahme“, findet Iris Taplick und erhält ein zustimmendes Nicken von ihren Nachbarinnen.

Dem kann auch Stefan Schulze vom Stadtpresseamt nur zustimmen. „Schilder würden in der Tat nichts bringen und für eine Ausweitung der Streife fehlt uns das Personal. Man müsste dann ja die rabiaten Radfahrer oder Hundehalter erwischen und persönlich ansprechen“, so Schulze. Hunde müssten dort sowieso angeleint sein. Seiner Einschätzung nach klappe das Miteinander aber in den meisten Fällen ganz gut. „Viele Radfahrer bremsen ab und bedanken sich, wenn die Fußgänger zur Seite gehen.“ Eigentlich sei der Weg breit genug, um sich dort zu arrangieren.