Rollstuhlhockey ist mehr als nur ein Sport
16.02.2010 | 18:33 Uhr 2010-02-16T18:33:00+0100
Margarethenhöhe.Tusem und die „Ruhr Rollers Essen“ haben zum Rollstuhlhockey-Turnier in die Sporthalle Margarethenhöhe eingeladen. Dabei ging es um weit mehr als sportliche Höchstleistungen.
Beim „SunriseMedical Newcomer-Cup 2010“ der „Ruhr Rollers“ in der Sporthalle am Lührmannwald ging es um weit mehr als Höchstleistungen. Für die Ausrichter, das Elektrorollstuhl-Hockey-Team des Tusem Essen, ist das Anfängerturnier so etwas wie Schnupperkurs, Werbung für ihren Sport und Wettkampftest in einem. Und für die sechs Gastmannschaften aus ganz Deutschland auch so etwas wie eine kleine Erlebnisreise.
Im Grunde, so berichten Ian Wagner (13) und Dennis Brinkmann (15), sei so ein Elektrorollstuhl-Hockey-match wie jeder anderer Mannschaftswettkampf mit Ball auch. „Man muss darauf achten, dass der Gegner keine Tore schießt“, sagt Ian. „Und selbst welche machen“, ergänzt Dennis und muss ein bisschen schmunzeln. Beide „Ruhr Rollers“ spielen im Sturm, beide haben heute in ihrem ersten Turnier schon „ein Ding gemacht“.
Drei Spiele lang, jeweils zwei Mal fünf Minuten, sind sie mit ihren Elektro-Rollstühlen schon das Feld mit maximal zehn km/h hoch und runtergeflitzt. „Macht Spaß“, stellt Ian fest. „Hockey im Elektrorollstuhl ist eine Mischung aus Eis- und Feldhockey“, berichtet Mitorganisator Peter Kalthoff von den „Ruhr-Rollers“. Vier Feldspieler und ein Torwart treten gegeneinander an und müssen einen kleinen Federball in ein 2,5 Meter breites und 20 Zentimeter hohes Tor einnetzen. Die Schläger halten sie in ihren Händen, oder, wenn die Spieler das aufgrund der Behinderung nicht können, sind sie an die Rollstühle montiert. Die Gefährte sind mit Rammschutzen versehen, wenn es auf dem Feld einmal ein bisschen hektischer wird.
Drei Mal müssen Ian und Dennis noch ran, bis die Starter von Berlin bis Bochum, von Köln bis Neuwied, alle einmal gegeneinander angetreten sind. Bei ihrem Sport „dran bleiben“ wollen die beiden Debütanten auf jeden Fall. Das freut die Organisatoren. „Wir haben heute bei unseren sieben Startern drei Anfänger dabei. Die sollen mal Wettkampfluft schnuppern“, sagt Mitorganisator Henry Acquah von den „Ruhr-Rollers“.
„WIr wollen für den Sport begeistern“
Als Mitglied des Bundesliga-Teams des Tusem, Teilnehmer der Weltmeisterschaft in Finnland 2004 und der Europameisterschaft in Italien 2006, ist er ein erheblich höheres Spieltempo gewöhnt, als heute auf der Margarethenhöhe vorgelegt wird. Der taktische Feinschliff fehlt noch ein bisschen. Und auch die Rollstühle sind bei den „Profis“ noch um einiges leistungsfähiger. „Wir wollen heute auch für den Sport begeistern“, legt Acquah die Latte bewusst niedrig.
Aus mittlerweile 15 aktiven Jahren weiß er, dass sein Sport mehr ist als nur Sport. „Viele Aktive ziehen ihre ganze Lebensenergie aus dem Engagement. Wenn man Elektrorollstuhl-Hockey spielt, kann man aufgrund seiner Behinderung an keinem anderen Mannschaftssport teilnehmen“, erklärt Henry Acquah. Punktspiele in ganz Deutschland, ein ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl: Für die Freizeitsportler spielt der Erlebniswert alles andere als eine untergeordnete Rolle.
Viel habe sich getan, seitdem sich 1993 die Bochumer „Bears“ und die Mülheimer „Muscles“ zusammentaten und fortan unter dem Dach der Essener Tusem gemeinsame Sache machten. „Solche Newcomer-Cups waren früher undenkbar, da hat man sogar die Deutsche Meisterschaft nur in einem einzigen Turnier ausgetragen“, erinnert sich Peter Kalthoff. Das ist vorbei, ein Ligabetrieb ist längst eta-bliert, die Szene wächst. Auch die „Ruhr-Rollers“ haben noch große Pläne: Sie wollen in dieser Saison zum ersten Mal Deutscher Meister werden. Zweiter sind sie schon.
0mitdiskutieren