Rettungsmission für Rüttenscheider Oktoberfest beginnt

In diesen Tagen versuchen Stadt und Veranstalter, vor dem Hintergrund des Urteils des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen, das Oktoberfest und die Gourmetmeile auf sichere Füße zu stellen.
In diesen Tagen versuchen Stadt und Veranstalter, vor dem Hintergrund des Urteils des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen, das Oktoberfest und die Gourmetmeile auf sichere Füße zu stellen.
Foto: Essen
Was wir bereits wissen
In dieser Woche führen Veranstalter und Stadt Gespräche, um Oktoberfest und Gourmetmeile zu sichern. Um die Verträge einzuhalten, ist Eile geboten.

Essen.. Noch in dieser Woche sollen die ersten Abstimmungsgespräche zwischen der Stadt und den Veranstaltern des Rüttenscheider Oktoberfestes und der Gourmetmeile „Rü Genuss Pur“ laufen. Klares Ziel beider Seiten ist es, die Veranstaltungen auch in Zukunft zu sichern. Klar ist auch, dass es dafür künftig deutlich leiser werden muss.

Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hatte die Genehmigung des Oktoberfestes für das Jahr 2013 als nicht rechtens erklärt und der Stadt vorgeworfen, nur im kommerziellen Interesse gehandelt und den Anwohnerschutz vernachlässigt zu haben. „Diese Sichtweise des Gerichts ist bedauerlich. Im vergangenen Jahr haben wir bereits an vielen Stellschrauben gedreht, um den Lärmschutz zu verbessern“, sagt Ordnungsdezernent Christian Kromberg. In einem ersten Schritt solle nun versucht werden, mit den Veranstalter eine gemeinsame Sichtweise auf das Urteil zu erlangen.

„Urbanität kann auch mal laut sein“

„Danach werden wir prüfen, mit welchen Einschränkungen eine Genehmigung einhergehen würde“ so Kromberg. Klar sei, dass das Urteil enorme Hürden mit sich bringe, die auch über Essen hinaus Bedeutung hätten. „Über den Städtetag werden wir das Thema auch auf Landesebene einbringen. Es kann ja keiner wollen, dass in unseren Städten künftig Grabesstille herrscht“, so Kromberg weiter. Das gelte speziell für Stadtteile wie Rüttenscheid. „Die Interessen der Anwohner sind absolut schützenswert. Gleichzeitig kann Urbanität aber auch mal laut sein“, führt Kromberg an, „gerade sie macht den Stadtteil ja so lebenswert.“

Für die Rettungsmission ist Eile geboten. „Wir brauchen in den nächsten zwei Wochen grünes Licht, viel länger können wir unsere Lieferanten, Musiker und Gastronomen nicht warten lassen“, drängt Ted Terdisch, der die Veranstaltungen gemeinsam mit Gastwirt Werner Rzepucha vom Gebrandenhof auf die Beine stellt. Letzterem liegt die gesamte Angelegenheit schwer im Magen. „Vom Blumenlieferant über die Bands bis hin zum Zeltbauer sind alle in Wartestellung. Und allein wegen meiner Gastrokollegen von Rü-Genuss hoffe ich auf eine baldige Entscheidung“, sagt Rzepucha. Die Gourmetmeile an einen anderen Standort – etwa an die Orangerie im Grugapark – zu verlegen, stellt er sich schwierig vor. „Auch komplett ohne Musik würde der Veranstaltung die Mitte fehlen, das wäre sehr schade“, sagt er.

Der Platz wäre nicht ausreichend

Anders verhielte es sich mit dem Oktoberfest: „Das Fest hat mittlerweile einen so guten Ruf, dass wir es vermutlich problemlos verlegen könnten“, sagt Rzepucha – wenngleich er das natürlich gern verhindern würde. Ein Oktoberfest in der Grugahalle, wie mitunter vorgeschlagen wurde, organisierte er selbst bereits Anfang der 1980er-Jahre, „das bayerische Flair bekommt man da so nicht hin – außerdem wäre dort nicht ausreichend Platz für 3500 Sitzplätze an Biertischen.“