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Kunst

Renaissance des Kunsthandwerks im Essener Süden

18.10.2012 | 00:08 Uhr
Renaissance des Kunsthandwerks im Essener Süden
Anke Strietzel mit einem VW-Bulli aus alten Getränkedosen.Foto: Klaus Micke

Essen.   Lange Zeit war es in Deutschland fast ausgestorben: In den vergangenen Monaten etablierte sich das Kunsthandwerk immer mehr im Südviertel und Rüttenscheid. Zuletzt öffnete „Rue Art“, wo das Sortiment von Automodellen aus recycleten Getränkedosen bis hin zu Büttenpapier aus Elefantendung reicht.

Dem Kunsthandwerk in Deutschland hafteten lange Zeit Klischees an. Zu angestaubt, zu teuer, zu ethno - das waren oft die Ausreden für die Berührungsängste, die den kleinen Wirtschaftszweig beinahe ganz ausrotteten. In Rüttenscheid und dem Südviertel ist nun eine Renaissance der kleinen Läden zu beobachten: „Indigo“ am Isenbergplatz, „Peperblom“ an der Witteringstraße und nun auch „Rue Art“ an der Kreuzung Martinstraße sind nur einige Beispiele, die jüngst entstanden sind.

Michael Gottschalk will dort seit Anfang Oktober den Begriff Kunsthandwerk mit seiner Lebensgefährtin Anke Strietzel neu definieren. Designprämierte Pfeffermühlen aus dem Schwarzwald, in Sri Lanka handgeschöpftes Papier aus Elefantendung, kolumbianischer Halsschmuck aus Palmnüssen und getrockneten Orangenschalen, Automodelle, die in einer Blechmanufaktur auf Madagaskar aus alten Getränkedosen, Radschläuchen und anderem Material recycelt werden: „Wir möchten Produkte anbieten, die uns gefallen und bei denen wir kein schlechtes Gewissen haben müssen.

Der soziale Gedanke spielt natürlich eine Rolle, ist aber nicht vorrangig“, erklärt Michael Gottschalk das Konzept. Um den Traum vom eigenen Laden zu realisieren, krempelten der Sozialarbeiter, der beim Jugendamt in Moers tätig war, und die Radio-Journalistin ihr Leben komplett um. Gottschalk wurde für ein Jahr beurlaubt; Strietzel, die in Münster Kunst studierte, will sich künftig ganz dem Laden und ihrer eigenen Kunst, dem Filzen, widmen: „Wir sind viel gereist und haben dabei viele Künstler kennengelernt. Hier können wir auch ihnen eine Plattform bieten“, sagt Strietzel, deren Anliegen es auch ist, Kunst für alle erschwinglich und vor allem zugänglich zu machen. „Museen sind bei uns heilige Orte. Das Kunsthandwerk, das etwa in den USA und England zum Straßenbild gehört, war bei uns lange Zeit fast ganz von der Bildfläche verschwunden“, bedauert die 53-Jährige.

Von Jennifer Schumacher

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