Puppen erzählen Lebensgeschichten

Beate Voß (l.) und Renate Kampschulte organisieren die Puppenausstellung.
Beate Voß (l.) und Renate Kampschulte organisieren die Puppenausstellung.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Bürgerschaft Rellinghausen eröffnet am 31. Januar eine Puppenausstellung im Blücherturm. 120 Exemplare sind zu sehen.

Essen-Rellinghausen..  Puppen nur als Kinderspielzeug zu sehen, wäre viel zu kurz gegriffen. Sie sind ein Stück Kulturgeschichte, spiegeln den Zeitgeist. Das können die Besucher der Puppen-Ausstellung im Blücherturm erfahren, die die Bürgerschaft Rellinghausen-Stadtwald am Samstag, 31. Januar, um 15 Uhr eröffnet. Die Rellinghauserin Renate Kampschulte (62) und die Rüttenscheiderin Beate Voß (63) haben sie gemeinsam mit Hildegard Hammacher organisiert.

120 Puppen – entstanden zwischen 1880 und 1950 – sind im Blücherturm ausgestellt, dazu umfangreiche Literatur und Bilder über die Herstellung und die Bedeutung von Puppen zu verschiedenen Zeiten. „Vor rund acht Jahren habe ich eher zufällig im Internet Puppen der Firma Käthe Kruse entdeckt, wie ich sie noch aus meiner Kindheit kannte“, erinnert sich Beate Voß an den Beginn ihrer Leidenschaft. Damit steckte sie ihre Freundin Renate Kampschulte an. „In einem Antiquitäten-Laden habe ich mich in eine Puppe aus den 1920er-Jahren verliebt“, erinnert sich die Rellinghauserin. Ihr Mann reagierte sofort und schenkte seiner Frau besagte Puppe zu Weihnachten. Schnell kam ein weiteres historisches Exemplar dazu, das ihre Freundin Beate Voß selbst restauriert hatte. „Wir wollen ja keine fabrikneuen Puppen, sondern solche mit Gebrauchsspuren, mit denen Kinder gespielt haben, die Geschichten erzählen können“, so Voß. Traurige Geschichten von Krieg und Flucht, aber auch von Trost. Den spendeten zum Beispiel Puppen, die die Amerikaner in Care-Paketen versteckten, um den Kindern eine Freude zu machen.

Renate Kampschultes Verhältnis zu Puppen ist gar nicht so ungetrübt. „Meine Schwester bekam damals immer Puppen mit Haaren geschenkt, ich ohne. Dabei wollte ich doch so gern kämmen und Zöpfe flechten“, erinnert sie sich.

Die beiden Freundinnen freuen sich, wenn sie alte Puppen in Originalkleidern entdecken. „Früher waren Puppen oft Vorbild für junge Mädchen in Sachen Kleidung und Schmuck“, denkt Kampschulte an eine Puppe, für die es sieben komplette Ausstattungen gab.

Die Ausstellung weist aber auch über unseren Kulturkreis hinaus. So sind neben Fruchtbarkeits- auch sogenannte Dienerpuppen zu sehen. Sie wurden im alten Ägypten mit den Herrschern begraben, um ihnen nach dem Tod zu Diensten zu sein. Die Suche nach besonderen Exemplaren gestaltet sich für die beiden Frauen immer schwieriger. „Der Markt ist gerade in der mittleren Kategorie ziemlich leer gefegt. Es gibt entweder sehr teure Puppen, oder solche, die einen nicht wirklich ansprechen“, erklärt Beate Voß.

Die Puppenausstellung im Blücherturm, Am Stift 9, ist vom 31. Januar bis 15. Februar, allerdings nur samstags und sonntags, von 15 bis 18 Uhr, zu sehen. Beate Voß und Renate Kampschulte werden zu den Öffnungszeiten anwesend sein und die Besucher informieren.