Probelauf für einen Schulstart ohne Angst

Kinder, Lehrerinnen und Erzieherinnen freuen sich über das gelungene Projekt und neue Bekanntschaften.
Kinder, Lehrerinnen und Erzieherinnen freuen sich über das gelungene Projekt und neue Bekanntschaften.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Künftige Erstklässler der Kita am Brandenbusch nahmen dreimal am Unterricht der Graf-Spee-Schule teil und entwickelten Selbstbewusstsein.

Essen-Bredeney..  So manche Eltern werden sie in den kommenden Wochen spüren, die Nervosität ihrer Kinder vor dem ersten Schultag. „Das muss nicht sein“, findet Kathrin Becker, Leiterin der ev. Kindertagesstätte am Brandenbusch.

In diesem Schuljahr hat sie gemeinsam mit Gudrun Bordihn, Leiterin der Graf-Spee-Grundschule in Bredeney, ein Projekt ins Leben gerufen, um Vorschulkinder frühzeitig in Kontakt mit der Schule zu bringen und ihnen so die Angst vor dem oft zitierten „Ernst des Lebens“ zu nehmen. „Das Projekt war erfolgreich und wird fortgesetzt, eventuell sogar ausgebaut“, sind sich die Frauen einig. In der Bildungsvereinbarung des Landes NRW sei festgeschrieben, dass sich Kindertagesstätten und Schulen zusammentun müssen, um den Übergang zur Schule möglichst reibungslos zu gestalten. Der Weg durch das so genannte Begegnungsjahr ist in der Literatur beschrieben. Die darin vorgeschlagene Methode erschien den beiden Leiterinnen aber nicht praktikabel. So organisierten sie erstmals selbst drei gut vorbereitete Schulbesuche für die Vorschulkinder, in die die künftigen Lehrerinnen der Erstklässler einbezogen wurden.

Im Januar, März und Mai besuchten die Kita-Kinder die Graf-Spee-Schule, lernten Kinder, Lehrerinnen und Räume kennen, absolvierten eine Unterrichtsstunde gemeinsam mit den Schülern. „Bei den Besuchen konnte man ganz deutlich eine Entwicklung beobachten“, sagt Kathrin Becker. Die Kita-Kinder seien anfangs teils sehr schüchtern gewesen, seien in dem Raum, in den sie geführt wurden, etwas hilflos stehen geblieben. Beim dritten Besuch dagegen seien sie forsch hereingekommen, hätten ihre Jacken aufgehängt und sich ganz selbstbewusst am Unterricht beteiligt.

Genau das wollten die Leiterinnen erreichen. „Es ist schrecklich, wenn Kinder mit Bauchschmerzen und total verunsichert in die Schule gehen, weil sie nicht wissen, was sie erwartet“, so Becker. Die gemeinsamen Stunden fanden im Mathe- und Sachunterricht statt. Da sich die Kita-Kinder zum Beispiel auch mit dem Thema „Formen“ beschäftigt hatten, konnten sie dem Unterricht gut folgen. „Der Wiedererkennungseffekt ist wichtig. Die Kinder können an bereits erlernte Dinge anknüpfen“, sagt Gudrun Bordihn. Sie ist überzeugt, dass Mitmachen mehr bringt, als einfach einmal bei einer Schulstunde zuzuhören.

Zu dem Inhaltlichen komme der pädagogische Aspekt. So lernten die Kita-Kinder, wie ein Klassenraum aussieht, dass man am Platz bleiben und sich melden muss. Die beiden Einrichtungen wollen die Zusammenarbeit auf jeden Fall fortsetzen und sie vielleicht inhaltlich noch auf Religionspädagogik ausdehnen.