Politikschelte, spannend verpackt
27.10.2010 | 18:31 Uhr 2010-10-27T18:31:00+0200
Rüttenscheid.Der Rüttenscheider Autor Ulrich Straeter hat seinen ersten Roman geschrieben - einen Krimi mit politischem Hintergrund.
Zwei Leichen, ein aufrechter Zollbeamter und zwielichtige Strippenzieher in den oberen Etagen: Der Stoff, aus dem die Krimis sind. Und auch wenn Ulrich Straeters Roman-Erstling „Grüne Minna - Weiße Westen an der Ruhr“ vom Bottroper Verlag Henselowsky-Boschmann in der Reihe „Ruhrgebiet kriminell“ erscheint, will er das Buch mehr als Gesellschaftskritik verstanden wissen.
Die Geschichte führt den Leser ins Ruhrgebiet etwa Ende der 1980er Jahre. Dort macht der von Idealen geprägte Zollbeamte Schäfer Jagd auf Steuersünder. Dabei sind es die großen Fische, die ihn wirklich interessieren. Doch bald muss er die Erfahrung machen, dass gerade diese beste Beziehungen zu Ministerien und Abgeordneten haben, was es nur allzu schwer macht, an sie heranzukommen. Schäfer bekommt zunehmend Schwierigkeiten mit dem typischen Motto „Die Kleinen fängt man, die Großen lässt man laufen“.
Straeter hat im Wesentlichen zwei Inspirationsquellen für seinen Debütroman: Da wäre einmal seine eigene Berufserfahrung. 20 Jahre war der Rüttenscheider Autor als Zollbeamter tätig, bevor er kündigte. „Ich wollte einfach mal etwas anderes machen“, sagt er. „Aber man hat es mir auch leicht gemacht“, ergänzt er. Die Erfahrungen seines Protagonisten scheinen also nicht gänzlich erfunden.
Der zweite Aspekt, der in das Buch hineinfließt, ist die Steuerpolitik. So spielt Straeter, der zeitweise für die Grünen in der Bezirksvertretung saß, gleich im Vorwort auf die Enttäuschung gegenüber der SPD an, die vor fünf Jahren Wahlkampf gegen die Pläne der CDU machte, die Mehrwertsteuer von 16 auf 18 Prozent zu erhöhen, und dann, in Regierungsverantwortung als Juniorpartner der Großen Koalition, eine Erhöhung auf 19 Prozent mittrug. „Gerade im Ruhrgebiet war man darüber mehr als entsetzt“, sagt Straeter, Dies stelle einen Aspekt dar, warum er diesen Handlungsort gewählt hat – und natürlich die Tatsache, dass er sich hier besonders gut auskennt. Viele Orte, wie die titelgebende Kneipe „Grüne Minna“ habe es damals tatsächlich gegeben.
Zusätzlich hat auch die jüngste Finanzkrise eine Rolle in der Entstehung des Romans gespielt. „Eigentlich trage ich den Stoff des Buches schon Jahrzehnte mit mir herum“, so Straeter. „Doch durch die Entwicklungen ist die Idee wieder so aktuell geworden, dass ich entschloss, sie endlich niederzuschreiben.“
Auch wenn die „Grüne Minna“ seinen Debütroman darstellt, ist Ulrich Straeter als Autor längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. So hat er bereits einige Erzählungen in Anthologien und etliche Reiseberichte veröffentlicht. Darüber hinaus ist er auch als Verleger tätig: So gründete er 1992 aus der Arka-Kulturwerkstatt heraus den Arka Verlag, in dem er fremde Publikationen veröffentlicht, aber auch zuweilen eigene, wenn er mal keinen Verlag finden sollte. Denn dies werde immer schwieriger. „Man kommt sich manchmal vor wie beim Bewerbungen schreiben“, schmunzelt er. „Tausend Anfragen und nur Absagen.“ Dennoch will er nicht dazu übergehen, seine Werke nur noch im eigenen Verlag herauszubringen. „Wenn ich woanders meine Bücher verlegen lasse, dann habe ich keine Arbeit mit dem Vertrieb und der Werbung“, stellt Straeter fest.
So versucht der Rüttenscheider auch für sein nächstes Buch bereits, einen Verlag zu finden. Diesmal ein Reisebuch – es ging nach Sizilien. Ein spannender Spielort, um vielleicht demnächst einen Krimi nachzuschieben . . .
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