„Montag-Tontag“ im Kunsthaus hat sich etabliert

Christoph Kammer (l.) und Rainer Vollmer organisieren den „Montag-Tontag“ im Kunsthaus.
Christoph Kammer (l.) und Rainer Vollmer organisieren den „Montag-Tontag“ im Kunsthaus.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Veranstaltungsreihe entstand zum Kulturhauptstadtjahr aus einer Wette. Inzwischen gab es über 200 Konzerte von Klassik bis Pop.

Essen-Rellinghausen..  Gut fünf Jahre ist es her, da schloss der Bassist Christoph Kammer eine Wette ab: Im Kulturhauptstadtjahr 2010 sollten an jedem Montag Konzerte oder Lesungen im Kunsthaus an der Rübezahlstraße stattfinden, als kleiner, privater Beitrag zum großen Ganzen. 52 Konzerte später hatte Kammer die Wette gewonnen, die Reihe „Montag-Tontag“ war geboren. Das Kulturhauptstadtjahr ist längst Geschichte, den „Montag-Tontag“ im Café des Kunsthauses gibt es immer noch.

„Damals war das Café ziemlich heruntergekommen“, erinnert sich Kammer, der als Bewohner des Kunsthauses seit 1994 quasi zum Inventar gehört und die Entwicklung des Hauses hautnah miterlebt hat. Ein Künstler griff zu Tapete und Farbe, eine Brauerei stiftete Kühlschränke, jemand sponserte Scheinwerfer und Lautsprecher, die Bezirksvertretung II gab jüngst einen Zuschuss für neue Tische und Stühle – und so wurde aus dem Café ein gemütlicher, kleiner Veranstaltungsraum.

Mit dem Gitarristen Rainer Vollmer (46), der unter anderem mit der Essener Band Familie Staub auf der Bühne steht, bekam Christoph Kammer (48) Unterstützung bei der Organisation des „Montag-Tontag“. Vollmer lebt seit vier Jahren ganz in der Nähe in der Gottfried-Wilhelm-Siedlung. Was montags ab 21 Uhr musikalisch geboten wird, lässt sich getrost mit „quer Beet“ bezeichnen: Klassik, Jazz, Pop, Rock. „Anfang 2010 sind wir mit zwei Musikern, vier Zuschauern und einer Kiste Bier gestartet. Inzwischen hat sich die Reihe etabliert, und das nicht nur in der Siedlung.“ Je nachdem, was geboten werde, schwanke die Zahl der Zuhörer zwischen einem (eher selten) und 120. „Viele kommen auch wegen der Nachbesprechung an der Theke“, ist Kammer überzeugt. Die Konzerte oder Lesungen dauern ziemlich genau eine Stunde, der Künstler bekommt die unmittelbare Reaktion des Publikums zu spüren. Vollmer: „Wir haben hier direkte Demokratie. Wenn es den Leuten nicht gefällt, rennen sie zum Rauchen vor die Tür. Und kommen wieder rein, wenn es vorbei ist.“

Inzwischen gibt es keine 52 Konzerte mehr pro Jahr, eher 45. „Wir machen jetzt im Sommer und zwischen Weihnachten und Neujahr Pause“, sagt Kammer, der mit dem Kollegen Vollmer auch mal selbst einspringt, wenn ein Künstler kurzfristig absagt. Mehr als 200 Konzerte hat es bereits gegeben. Am 12. Januar steht Jazz mit Yaa feat. Thomas Klein auf dem Programm, eine CD-Präsentation.

Ganz bewusst habe man den Montag ausgewählt, also den Tag, an dem die meisten Künstler keine bezahlten Auftritte haben. „Wir haben viele Kontakte und bekommen und auch Anfragen von Künstlern, die montags bei uns auftreten wollen, um die Zeit bis zum nächsten Auftritt zu überbrücken, oder auch im kleinen Rahmen zu testen, ob und wie eine neue Nummer vor Publikum funktioniert.

„Viele Künstler, gerade noch unbekannte, suchen Auftrittsmöglichkeiten. Da fehlt so etwas wie das Jugendzentrum Papestraße, wo auch unerfahrene Musiker willkommen waren“, erläutert Kammer. Gage gibt’s beim „Montag-Tontag“ nicht, denn der Eintritt ist ja frei. Aber am Ende geht der Klingelbeutel herum.