Mexikanerin hospitiert in Holsterhausen

Was wir bereits wissen
Mariana Loria lernte drei Wochen lang die Arbeit in Essens einziger deutsch-spanischer Kindertagesstätte in Holsterhausen kennen.

Essen-Holsterhausen.. Dass in der einzigen deutsch-spanischen Kindertagesstätte der Stadt Spanisch gesprochen wird, gehört zum Konzept. Dass jedoch eine mexikanische Praktikantin die Kinder mitbetreut, war auch in der städtischen Einrichtung an der Barthel-Bruyn-Straße eine neue Situation. Die bereitete aber allen Beteiligten – den Kindern, den Erzieherinnen und der 26-jährigen Mariana Loria aus Mexiko-Stadt – großes Vergnügen.

Ein kleines Mädchen mit mexikanisch-schottischen Wurzeln habe die junge Frau aus Mittelamerika gleich ins Herz geschlossen und sie zur Lieblingserzieherin erkoren. Mariana Loria, seit einem Jahr Lehrerin am Colegio Humboldt, einer privaten deutschen Schule in Puebla, war für drei Wochen in Holsterhausen zu Gast. Um neue Erfahrungen zu sammeln und vor allem, um Einblick in die frühkindliche Bildungsarbeit vor Ort zu bekommen.

Der Austausch sei relativ kurzfristig über den Kontakt zu einer ehemaligen Schulamtsdirektorin und die Leiterin der deutschen Kita am Colegio Humboldt zustande gekommen. „Während wir hier in Deutschland eher auf selbstbestimmtes Lernen setzen, ist die frühe Bildung in Mexiko sehr verschult“, erklärt Ursula Altenfeld, Leiterin der Holsterhauser Kita. In Deutschland sei das Bildungssystem fortschrittlicher, findet sie.

Seit 2012 arbeitet die Kita bilingual, in drei der fünf Gruppen läuft der Kita-Alltag inzwischen auf Deutsch und Spanisch. „Die deutsche Erzieherin spricht Deutsch mit den Kindern, die spanische Muttersprachlerin Spanisch. So lernen die Kinder spielerisch und in ihrem eigenen Tempo. Im Mittelpunkt stehen Lebensbereiche wie Familie, Spielplatz, Essen, die die Kinder unmittelbar betreffen“, erläutert Altenfeld.

Die deutsch-spanische Kita ist mit den Schulen im Umfeld gut vernetzt, die auch zunehmend bilingualen Unterricht anbieten, auch auf Spanisch. Das Konzept für die Kita entstand in Zusammenarbeit mit dem spanischen Elternverein, der sich besonders um Kinder mit spanischem Migrationshintergrund kümmert. „Im Sinne des Zusammenwachsens von Europa ist es erklärtes Ziel, dass alle Kinder sogar drei Sprachen sprechen können“, erklärt Altenfeld. Sie betreue Kinder, die viersprachig aufwachsen, zum Beispiel bereits Arabisch und Türkisch sprechen und in der Kita dann Deutsch und Spanisch lernen. „Das ist ein großer Schatz für die weitere Entwicklung der Kinder, fördert die Toleranz“, ist die Kita-Leiterin überzeugt. In der zunehmend global ausgerichteten Arbeitswelt würden Fremdsprachen-Kenntnisse immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Die Kita besuchen Kinder mit ganz unterschiedlichem Sprachniveau. „Das ist aber nicht schlimm. Auch ein Mix aus Deutsch und Spanisch ist bei uns erlaubt“, sagt Altenfeld.

Für die junge Mexikanerin Mariana Loria, die so gut wie kein Deutsch spricht, war das Praktikum in Holsterhausen eine ganz besondere Erfahrung. Als die Schulleitung das Projekt vorschlug, war sie sofort von der Idee begeistert – zumal sie für die Zeit bei einer Tante in Duisburg wohnen konnte. „Die Zusammenarbeit mit den Kindern, aber auch mit den Kolleginnen, ist schon anders hier“, übersetzte eine Kollegin für Mariana Loria.

Bevor sie kurz vor Weihnachten nach Hause fliegt, will die 26-Jährige auf jeden Fall noch die Niederlande und Brüssel besuchen. Ein bisschen Touristenprogramm müsse einfach sein, findet sie. Den Stadtteil Holsterhausen lernte sie in den Wochen ganz gut kennen, wunderte sich aber, „dass alles so ordentlich ist und auch der Straßenverkehr so geregelt fließt“.

Die deutsch-spanische Kindertagesstätte in Trägerschaft des Jugendamtes befindet sich an der Barthel-Bruyn-Straße 37. Vor Ort kümmern sich 16 Pädagoginnen und zwei Therapeutinnen um 95 Kinder in fünf Gruppen. Infos: 74 95 364
oder kita.barthelbruynstrasse@jugendamt.essen.de Kita-Leiterin Ursula Altenfeld würde sich über einen weiteren Austausch mit der Einrichtung in Mexiko freuen – auch in umgekehrte Richtung.