Lange Staus, kurzer Unterricht
06.12.2007 | 15:55 Uhr 2007-12-06T15:55:20+0100BMV-Gymnasiastinnen und Schüler der Bardelebenschule durften wegen der Bombenentschärfung frühzeitig nach Hause. Nonnen wurden sicherheitshalber im Saal von St. Mariä Empfängnis untergebracht
Holsterhausen. Nicht nur die Mitarbeiter des Justizviertels und die Anwohner der Krawehlstraße müssen vor der Bombe weichen. Auch vor der nahe gelegenen BMV-Schule herrscht Chaos. Um kurz vor elf, nach der dritten Stunde, haben die Gymnasiastinnen schulfrei. Hunderte Schülerinnen verlassen das Schulgelände. Die Jüngsten werden von ihren besorgten Eltern abgeholt.
Den BMV-Schülerinnen kommt der verfrühte Schulschluss entgegen. Anna-Lisa, Karla, Rebecca und Christina aus der siebten Klasse freuen sich darüber, dass sie nur drei statt sieben Stunden die Schulbank drücken müssen. Ganz pflichtbewusst wollen sie die Zeit allerdings dazu nutzen, "Englisch zu lernen und für die Schule zu üben", schmunzeln die Mädchen.
Von der Evakuierung haben sie größtenteils von ihren Lehrern erfahren, da sie nicht in der Gefahrenzone wohnen. "Und es stand an der Tafel, dass in der Nähe eine Bombe gefunden wurde", erzählen die Mädchen. Angst davor, dass die Bombe bei der Entschärfung hochgehen könnte, haben sie nicht. "Der Bombenentschärfer muss schon gut sein", meinen sie.
Auch die Grundschüler der benachbarten kath. Bardelebenschule sind am Mittwoch bereits früher als sonst auf dem Weg nach Hause. Schulleiter Thomas Hartmann hat den Schulschluss "ganz einfach geregelt". Ab 10.45 Uhr haben die Kinder dort unterrichtsfrei. So seien die Schüler, die in der Gefahrenzone wohnen, rechtzeitig zu Hause. "Dann bleibt den Eltern und Kindern noch genügend Zeit, einen anderen Ort aufzusuchen", sagt der Schulleiter.
Die Sanitäter vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) müssen vor der Bombenentschärfung noch einige Male ausrücken. "Wir haben im Pfarrsaal von St. Mariä Empfängnis eine Auffangstation für die Dauer der Evakuierung eingerichtet", erklärt Jan Seeger, Einsatzleiter vom DRK. "Wir erwarten größtenteils Kinder aus den Kindergärten oder ältere Leute."
Doch so richtig viele Holsterhauser suchen den Aufenthaltsraum nicht auf. "Die meisten gehen wohl einfach in der Zeit spazieren", meint Seeger. Für die Betroffenen haben die ehrenamtlichen DRK-Mitarbeiter Warm- und Kaltgetränke bereitgestellt. "Wir wissen nicht, wer kommt. Wir haben lediglich die unpräzise Angabe, dass zwischen 15 und 60 Leute kommen könnten."
Schwester Gertrud von der BMV-Schule wird von zwei Sanitätern samt Schlappen ins Pfarrheim der kath. Gemeinde getragen. Schwester Agnes-Bernharda Zepta wartet dort schon seit 10.30 Uhr auf sie, "damit sie in der fremden Umgebung nicht so alleine ist". Bis 14.45 Uhr habe sie nun Zeit zum Tee trinken. "Danach muss die Bombenentschärfung aber vorüber sein", sagt Schwester Agnes-Bernharda Zepta und lacht, "dann habe ich einen Termin". MS
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