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„La Paloma“ in Rüttenscheid

08.11.2012 | 16:53 Uhr
„La Paloma“ in Rüttenscheid
Peter-Maria Anselstetter gibt seit 20 Jahren den Hans Albers im Theater Courage.Foto: Christine Holthoff

Seit 20 Jahren spielt Peter-Maria Anselstetter den Hans Albers im Theater Courage. In dieser Rolle überzeugte der Oberpfälzer auch auf der Reeperbahn in Hamburg.

„Wäre das herausgekommen, hätte man mich gevierteilt!“ Als Hans Albers feierte Peter-Maria Anselstetter einst auch auf der Reeperbahn große Erfolge. Doch darüber, dass der Darsteller des Hamburger Jung aus der bayerischen Oberpfalz stammt, hat er in der Hansestadt lieber kein Wort verloren. Die Geburtsstunde seines Hans-Albers-Programms fand allerdings in Essen statt: Im Theater Courage feierte seine Revue vor 20 Jahren Premiere. Und anlässlich dieses runden Geburtstags zieht sich Anselstetter jetzt erneut die Kapitänsmütze an.

Die Idee für das Programm kam damals von seinem Schwiegervater: „Ich wollte unbedingt ein Soloprogramm spielen und er schlug vor, ich soll mir mal ein paar Hans-Albers-Lieder anhören.“ Peter-Maria Anselstetter war sofort Feuer und Flamme für Dauerbrenner wie „La Paloma”, „Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise” oder „Der Wind und das Meer”. „Seemannslieder wie diese erzählen von all dem, was den Menschen ausmacht: Sehnsucht, Liebe, Heimat“, ist er überzeugt. „Deswegen werden sie auch immer bleiben.“

Der Schauspieler wälzte Geschichten und Biografien über den „blonden Hans“ und bastelte daraus ein eigenes Stück. „Hans Albers war ein Mann aus dem Volk, den die Hafenarbeiter immer mehr interessiert haben als die Werftsbesitzer“, unterstreicht Anselstetter. „Ein echtes Original, wie es heute leider nicht mehr existiert.“ Für Anselstetter ist das wohl ein wichtiger Grund, warum das Programm sofort einschlug. Nicht nur in Essen war es ein Riesenerfolg: „Es hat mir im ganzen Land Erlebnisse und Eindrücke verschafft, die ich sonst nie bekommen hätte“, berichtet der 51-Jährige.

Allen voran die Zeit in Hamburg: 1994 bekam er in dem berühmten Reeperbahnlokal „Große Freiheit Nummer 7“ einen Ein-Jahres-Vertrag. „Das war das Jahr, das mich am meisten geprägt hatte.“ Von einem Tag auf den anderen habe er sich nach Hamburg aufgemacht, die ersten Wochen in seinem Auto übernachtet – wenn er nicht als Hans Albers auftrat oder als Türsteher Kundschaft in Striplokale lockte. „Meine Piratenzeit“ nennt er diesen Lebensabschnitt heute. „Damals bin ich erwachsen geworden.“ Dennoch: Nach einem Jahr setzte er die Segel wieder gen Heimathafen. „Wenn du länger an der Reeperbahn bleibst, kommst du da nicht mehr los – das wollte ich nicht“, lächelt Anselstetter. So kehrte er zurück nach Essen, ging als Hans Albers jedoch weiter auf Tour, bespielte Hafenfeste, sang auf Geburtstagen, auf Kreuzfahrten und zeigte sein Programm auf besonderen Wunsch eines großen Hans-Albers-Fans sogar auf dessen Beerdigung. Ein Stückchen Hamburg hat sich Anselstetter übrigens in Essen wieder aufgebaut: Die La-Paloma-Bar im Theater Courage soll ihn stets an seine Zeit an der Reeperbahn erinnern. „Manchmal, wenn alles leer ist, mache ich in der Bar das Licht an, setze mich hin und schwelge wie ein alter Seemann in Erinnerungen.“

Von Gordon K. Strahl



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