Das aktuelle Wetter Essen 12°C
Kultur

Kreatives Team mit Frauenüberschuss

14.04.2010 | 19:51 Uhr
Kreatives Team mit Frauenüberschuss

Essen-Rüttenscheid.Wenn fünf Künstler gemeinsam ein Ladenlokal bespielen, hat das etwas von WG-Atmosphäre. Im Atelier „Malvier + 1“ an der Walpurgisstraße 37 kommt es noch dicker: vier Malerinnen und ein junger Maler teilen sich ihren Kreativraum.

Über einen Monat ist Marcus Wenning schon künstlerisch mit Katja Haver, Zita Huck, Sibylle Ewald und Stephanie Jereb verbunden – herzlich aufgenommen wurde er natürlich. Im Gegensatz zu anderen Vorgängern hat er kein Problem mit dem „Testosteron-Mangel“.

„Ich bin neben dem Küken auch der Hahn im Korb“, lacht Marcus Wenning.. Der 27-Jährige scheint kein Kind von Traurigkeit und kommt mit seiner Einzelrolle unter vier Kolleginnen gut klar. Eigentlich ist er Grafiker, denn leben von ihrer Kunst können alle fünf nicht. Trotzdem hindert sie es nicht daran, in ihrer Freizeit der Malerei zu frönen.

Ladenlokal war früher eine Kindermalschule

Seit 2003 existiert die Ateliergemeinschaft in dem Ladenlokal. Das große Schaufenster hat einen sehr einladenden Charakter: Nachbarn und Schulkinder schauen gerne mal vorbei, sei es um sich das künstlerische Treiben anzusehen, oder die Kunstwerke, die gerade fertig geworden sind. „Vorher war hier eine Kindermalschule drin“, weiß Katja Haver. Die 41-Jährige ist von Anfang an dabei. „Jeder kann bei uns zuschauen und im Sommer setzen wir uns auch gerne draußen vor das Schaufenster“, sagt die Mutter von drei Kindern.

Größere und kleinere Anekdoten haben die vier Frauen auch zu erzählen, etwa wie man bei einer langen Malnacht zwischendurch in der Kneipe war und dort einen Gast „abgeschleppt“ hat. „Der musste mit uns dann das Leiden Christi malen“, lacht Zita Huck. „Ich habe schon als kleines Mädchen mit Oma gemalt“, erinnert sich die 38-Jährige, die hauptberuflich als Grafikerin tätig ist.

Keimzelle der „Gemeinschaft mit Frauenüberschuss“ war das Projekt Zeche Königin Elisabeth, das der Rüttenscheider Eugen Bednarek leitet. „Wir waren bei ihm zu dritt“, sagt Zita Huck. Stephanie Jereb und Katja Haver nicken. „Ich bin durch einen Zufall hier hereingekommen“, erzählt Sibylle Ewald. Die 40-Jährige hatte gerade mit einem Malerei-Studium an einer freien Einrichtung in Bochum begonnen, als sie auf das Trio stieß. „Aus dem Arbeitsverhältnis wurde dicke Freundschaft“, resümiert Ewald.

„Wenn wir da sind, ist jeder willkommen

Das WG-Feeling schätzen die fünf sehr. Für die Besetzung der männlichen Nebenrolle hatten die vier Malerinnen extra ein Casting ins Leben gerufen. Letzteres hat Marcus Wenning bestanden. Dass man sich die Miete durch fünf teilen kann, ist ein angenehmer Nebeneffekt. „Das ist so lukrativer“, sind sie sich einig. Ansonsten hält es die Truppe eher lässig. „Wenn wir da sind, ist jeder willkommen“, lautet ihr Credo.

Jeden Dienstagabend treffen sich die kreativen Köpfe gemeinsam. „Man inspiriert sich auch gegenseitig“, betont Zita Huck. „Malerisch hat jeder seinen eigenen Stil“, ergänzt Katja Haver. Kritikfähigkeit und das Zurateziehen der anderen ist bei ihnen eine Selbstverständlichkeit.

Stephanie Jereb arbeitet an Fisch-Motiven. „Das ist eine Anlehnung an den letzten Urlaub, wo ich Sardinen gegessen habe“, lacht die 41-Jährige. Tierisch geht es auch bei Zita Huck zu. Schimpansen „toben“ auf ihrer Leinwand. Andere Motive sind doch eher morbide. „Eigentlich bin ich kein Freund von grellen Farben“, sagt die Grafikerin. Eher Comicartiges kreiert Marcus Wenning. „Vom Papier zur Leinwand, vom Bleistift zum Pinsel“, beschreibt er seine Entwicklungsschritte.

Einen künstlerischen Blick auf die Familie Bettermann wagt Katja Haver. „Das sind die Erfinder der Lüsterklemme“, weiß die Malerin. Seit fünf Jahren arbeitet sie daran. Sie verfolgt einen ganz besonderen Anspruch. „Ich will irgendwann ein Bild malen, das vollständig vor mir besteht“, unterstreicht Haver und ergänzt: „Das Schöne an der Malerei ist, man hat lange Zeit, ein Bild fertig zu machen – selbst wenn man 80 ist.“

Tim Walther

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3474462/create

Aktuelle Fotos und Videos
Fußballturnier
Bildgalerie
Grundschulen
Flashmob auf der "Rü"
Bildgalerie
Fotostrecke
Fotostrecke
Prosit Neujahr
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Seniorenheim im Wandel der Zeit
Jubiläum
Das Otto-Hue-Haus, Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt, feiert sein 60-jähriges Bestehen. Im Laufe der Jahre sind die Ansprüche der Bewohner gestiegen, die Arbeit der Pfleger hat sich verändert. Das Jubiläum wird im Juli mit einem Sommerfest gefeiert.
Kunstwerk nach
Kunst
Nach 22 (!) Jahren vollendete der Künstler Hannes Forster jetzt seine Skulptur „Eine echte falsche Geschichte“ auf dem Moltkeplatz. Der Verein „Kunst am Moltkeplatz“ hatte Kontakt zum Künstler aufgenommen, nachdem das 1990 entstandene Kunstwerk zwischenzeitlich voller Müll und mit Graffiti übersät...