Komma Kunst kucken
14.08.2008 | 18:17 Uhr 2008-08-14T18:17:15+0200Die Künstler-Gemeinschaft vom Atelier "61a" bittet zum Tag der offenen Tür. Der Dachboden an der Girardetstraße inspiriert sieben Frauen und einen Mann, obwohl eine Heizung fehlt
Rüttenscheid. Melonenstücke, Frischkäse, Brot und kühle Getränke stehen auf einem Tisch. Nein, wir befinden uns nicht beim Brunch. Beim Tag der offenen Tür haben sich die Mitglieder des Ateliers "61a" herausgeputzt, um sich, ihren Kunstraum und ihre Arbeiten der Nachbarschaft und Kunstinteressierten zu präsentieren.
Seit 1986 existiert das gemeinsame Atelier, das der Essener Künstler Jürgen Paas damals ins Leben gerufen hat. Mittlerweile ist die Besetzung nicht mehr die ursprüngliche. Die Idee, regelmäßig für Besucher die Türen zu öffnen, ist auch kein junger Entschluss. "Ende der 90er, als die Kunstspur in Essen gestartet wurde, entstand daraus die Idee öfter als einmal im Jahr Gäste in unseren Räumen zu empfangen", erinnert sich Ilse Straeter.
Sieben Künstlerinnen und ein Künstler arbeiten an der Girardetstraße 61a, die der Ateliergemeinschaft ihren Namen gegeben hat. "Wir kommen uns nie in die Quere, jeder ist zu verschiedenen Zeiten hier", betont Ilse Straeter. Ein Gemeinschaftsraum ist dennoch vorhanden. Alljährliche Rituale finden sich ebenso im Kalender der Ateliergemeinschaft. "Jedes Jahr machen wir natürlich einen Frühjahrsputz", erklärt Maria Wuch.
Beim Tag der offenen Tür gibt es für die Gäste viel zu entdecken. Ilse Straeter zeigt etwa ihre malerisch auf die Leinwand gebannte Vorliebe für Körperbewegungen. "Ich setze mich in Tanzveranstaltungen und skizziere im Dunkeln die Bewegungen", sagt die Künstlerin. Bei Angela Erkens sind Landschaftsbilder, beispielsweise als Aquarell, zu entdecken.
Die kreativen Köpfe schätzen die Atmosphäre in ihrem Kunstraum als inspirierend, gerade wegen der gemeinsamen Gesellschaft. Die Räumlichkeiten, die sich in einem Hinterhofgebäude befinden, haben auch ihre malerische Vorgeschichte. "Das war der Dachboden einer Einkaufsgenossenschaft der Maler und Anstreicher", erzählt Ilse Straeter. "Das Atelier ist vom Zustand eher ,La Boheme' ", merkt Maria Wuch an.
Natürlicher Lichteinfall, Blues- und Jazzmusik, die im Hintergrund dudelt, keine Heizung - das scheinen die Zutaten für eine perfekte Atelieratmosphäre zu sein. "Wir sind ein kleiner ARKA-Ableger im Süden", scherzen Maria Wuch und Ilse Straeter. Einige sind Weggefährten der Kulturwerkstatt auf Zollverein.
Heiß wird es etwa bei den Arbeiten von Maria Wuch. Sie stellt Raku-Keramiken her. "Das ist eine chinesische Brenntechnik", erläutert die Künstlerin. In ihrem Arbeitsbereich findet sich ferner abstrakte Malerei mit Bezug zur Natur. "Ich arbeite dort überall Naturmaterialien wie Ton, Erde, Sand oder Gräser ein", beschreibt sie ihr Konzept. Es seien fast immer Querformate, die auf einer Folge von Schichten basieren.
"Zimtzicken" im wahrsten Sinne des Wortes kreiert Maria Wuch aus Drähten. Ein menschliches Antlitz bekommen die tierischen Geschöpfe jedoch im Gegensatz zur Nutzung des Wortes im öffentlichen Sprachgebrauch nicht.
Aquarellen und klassischer Ölmalerei widmet sich Regina Schmolke. "Ich arbeite heute auch gerne mit den Händen", sagt die Malerin. Sie dokumentiert in ihren Bilder vielfach den Zerfall natürlicher Organismen.
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