Klassikfan entdeckt sein Herz für Jazz

Andreas Linck (l.) und Stephan Wiehe lieben Platten.
Andreas Linck (l.) und Stephan Wiehe lieben Platten.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Vor einem Jahr eröffnete Stephan Wiehe den Plattenladen Vinyl Lounge. Auf Wunsch der Kunden bietet er jetzt auch Jazz-Platten an.

Essen-Holsterhausen..  „Jazz und Klassik passen hervorragend zusammen. Und die Kunden freuen sich über die Erweiterung des Angebots“, sagt Jazz-Experte Andreas Linck und zieht eine Platte aus dem Regal in der Vinyl Lounge von Stephan Wiehe (47). Ein Jahr ist es her, dass sich der Klassikfan und Betriebswirt an der Kahrstraße 54 mit seinem Plattenladen selbstständig machte. Damals verwirklichte er seinen Traum, Klassik-Platten zu kaufen, zu verkaufen und mit den Kunden über die Aufnahmen und ihre Besonderheiten zu diskutieren. Erst kamen vorwiegend Verkäufer, jetzt kehrt sich das Verhältnis langsam um, sagt Wiehe. Einige sind längst Stammkunden geworden, die regelmäßig zum Stöbern kommen. Immer wieder tauchte der Wunsch nach Jazz-Platten auf. Und dann stand irgendwann Andreas Linck im Laden. Der macht nicht nur selbst Musik, sondern kauft und verkauft seit 30 Jahren Jazz-Platten, wenn auch nur als Hobby. „Es gab die Nachfrage und Andreas Linck hatte das Angebot“, traute sich Stephan Wiehe, Neuland zu betreten.

Erst räumte Wiehe dem neuen Geschäftspartner und seinen Platten im November letzten Jahres ein kleines Regal frei. Inzwischen wächst der Bestand. Der Schwerpunkt der Vinyl Lounge wird aber ganz klar die Klassik bleiben, was schon in der Anzahl der Platten begründet liegt. Auf die rund 20 000 Klassik- kommen etwa 500 Jazz-Platten. „Viele haben Jazz-Sammlungen geerbt und wollen sie verkaufen. Aber ich nehme nicht alles“, erläutert Linck das Konzept. Kein Dixieland, kein Oldtime, kein Swing – der Fokus soll auf wertvollen, seltenen Aufnahmen liegen, die man eben nicht so einfach im Handel erwerben kann. Der 56-jährige Linck freut sich, seine musikalischen Schätzchen bei Stephan Wiehe anbieten zu können. „Klassischen Jazz hört man am besten als Schallplatte. Das klingt einfach gut“, ist Linck von dem Medium überzeugt, das schon fast tot schien und jetzt eine wahre Renaissance erlebt. Die Vorteile der Vinyl-Scheiben wissen offenbar immer mehr Kunden zu schätzen – wobei der typische Plattensammler männlich und technikinteressiert ist, beobachtet Wiehe, der vor Jahren aus beruflichen Gründen von Hessen ins Ruhrgebiet kam. Dass er sich in das Ladenlokal verliebte und seinen alten Job an den Nagel hängte, um Platten zu verkaufen, hat Wiehe nicht bereut. In zwei Jahren, hofft er, könne er vielleicht davon leben. Bis dahin müssen die finanziellen Reserven reichen. „Das hier ist ein Vollzeit-Job, auch wenn der Laden nur von donnerstags bis samstags und nach Vereinbarung geöffnet ist.“ 20 000 Platten wollen schließlich sortiert und katalogisiert werden. „Wenn ich hier bin, können die Kunden natürlich hereinkommen“, sieht er die Sache mit den Öffnungszeiten locker.