Klangteppich mit sinnfreien Texten
10.02.2011 | 18:56 Uhr 2011-02-10T18:56:00+0100
Stadtmitte. „Die Zelten!“ spielen am Samstag im „Stadtkind“ und präsentieren ihre ganz eigene Mischung aus Rock, Punk und Elektro.
Zwei „Rockopas“ als Retter der Essener Musikszene? Mit einer spannenden Mischung aus Wave-Einflüssen, Punk und Elektro bringen Andreas Köhne, 52 Jahre, und Michael Göke, 44 Jahre, einen innovativen Schwung in die Essener Musikszene, der so mancher jungen Nachwuchsband fehlt. Das Duo tritt unter dem Projektnamen „Die Zelten!“ am Samstagabend im „Stadtkind“ auf.
Ausrufezeichen
„Die Zelten!“, schon komisch, welche Namen Bands sich heutzutage verpassen. „Wir haben einfach nach einen Namen gesucht, den garantiert keine Band hat“, erläutert Michael Göke. Umso verwunderter waren sie, als sie herausfanden, dass es in Mönchengladbach eben doch eine weitere Formation namens „Die Zelten“ gibt. Aber wenigstens gibt es bei den Essenern das Ausrufezeichen als namentliches Alleinstellungsmerkmal.
Als sich die beiden vor sechs Jahren zusammenfanden, hatten sie schon etliche Jahre musikalische Erfahrung gesammelt: Göke spielte in etlichen New-Wave- und Punkbands, Köhne forstete in Pop- und Jazzgefilden und trat mit Piet Klocke oder Stefan Stoppok auf. „Wir hatten beide nicht mehr Lust auf das, was wir vorher gemacht haben“, erläutert Köhne die Motivation zum neuen Projekt. Ein Projekt, das vor allem ein Hang zum Minimalismus auszeichnet: Mehr als Bass, Drums und Synthesizer braucht das Duo nicht, um seine Klangwelten zu erzeugen. Dabei wirkt die Band zuweilen ein bisschen anachronistisch. Nicht nur, dass die musikalische Mischung stark an pop-avantgardistische Strömungen der frühen 80er Jahre erinnert, auch die Instrumente und Verstärker stammen aus dieser Zeit. „Früher gab es nur zwei bis drei Hersteller für Bassgitarren“, so Köhne, „dennoch hatte jeder Gitarrist seinen eigenen Klang.“ Heute könnten Musiker aus einer Vielzahl von Instrumenten wählen. „Und dennoch klingt alles gleich.“ Dagegen wolle man ansteuern. Zudem sei die Instrumentenauswahl nicht zufällig. „Wir haben viel herumexperimentiert, bis wir die Instrumente gefunden haben, die den Sound erzeugen, den wir wollen.“
Dem Experimentieren ist das Duo sowieso ganz und gar nicht abgeneigt. Geräusche und Zitate aus Filmschnipseln oder Hörspielen baut es nur allzu gern ein. Auch die Texte sind alles andere als Mainstream: Die Worte von „Die Suppe des Herrn will ich nicht auslöffeln“ oder „Alles kann man braten“ folgen nur vordergründig einem gemeinsamen kulinarischen roten Faden. Wichtiger sei, dass die Texte zu der Rhythmik des Klangteppichs passen, den die Instrumente im Zusammenspiel erzeugen. Dazu passt, dass die Texte oftmals erst im Studio entstehen. „Michael ist umheimlich gut im Improvisieren von Texten“, lobt Andreas Köhne seinen Kollegen. Dementsprechend wirken die Texte oft auch eher sinnbefreit, eine Nähe zum Dadaismus ist jedenfalls nicht zu leugnen.
Um ihr Publikum zu finden, kennen Göke und Köhne keine Scheu. Neben Clubs, die sie als ihre primäre Live-Heimat betrachten, treten sie auf Stadtteilfesten auf, auch in der U-Bahn-Station des Essener Hauptbahnhofs spielten sie nach dessen Sanierung. „Eigentlich machen wir Musik für die Ü-30-Generation“, so Göke. „Aber wenn bei solchen Gelegenheiten Kinder und Omas stehenzubleiben, um uns einen Song lang zuzuhören, dann ist das schon klasse.
Denn als „Rockopas“ möchten sie so gar nicht wahrgenommen werden. „Es ist schon schwierig, ab einem bestimmten Alter ernst genommen zu werden, wenn man Rock macht“, meint Köhne. „Wir wollen zeigen, dass das auch jenseits der 20 noch in Würde geht.“
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Hallo! Die Zelten! spielen am kommenden Samstag im Stadtkind-Essen ab 21 Uhr. Am Mi 16.2 kann man uns im Radio im WDR 2 Musikclub hören und danach für uns voten! Alle Infos unter http://www.diezelten.de Viele Grüße, Die Zelten!