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Selbstverteidigung

Kampfsportler erlebt Ansturm auf Selbstverteidigungskurse

15.01.2016 | 11:00 Uhr
Kampfsportler erlebt Ansturm auf Selbstverteidigungskurse
Viele Frauen trainieren in der Kampfkunstschule von Alfons Pinders, der seit den Ereignissen von Köln einen Ansturm auf seine Kurse erlebt.Foto: Stefan Arend

Essen-Rüttenscheid.  Alfons Pinders erlebt seit den Silvestervorfällen in Köln einen wahren Ansturm auf seine Kurse. Rund 30 Frauen melden sich zurzeit pro Tag.

Alfons Pinders ist ein erfahrener Kampfsportler und Lehrer, hat schon viel gesehen. „Aber so etwas wie in den letzten Wochen habe ich in meiner Laufbahn noch nicht erlebt“, sagt der 54-Jährige. Seit der Silvesternacht von Köln registriert Pinders einen wahren Ansturm auf seine Kampfkunstschule „I Defense“ an der Zweigertstraße in Rüttenscheid. „Im Schnitt haben täglich rund 30 Frauen mit Interesse an Selbstverteidigungskursen angerufen.“

An das Telefonat mit einer jungen Frau erinnert er sich besonders gut, sie erlebte den Horror in der Domstadt hautnah selbst mit: „Sie war am Telefon noch immer völlig aufgelöst und begann zu weinen. Sie hatte im Trubel auf dem Bahnhofsvorplatz ihre Freundin verloren, dann wurden ihr das Handy und Portemonnaie gestohlen. Außerdem hätten die Männer versucht, ihren BH zu öffnen, schilderte sie. Die Frau sagte mir, dass sie sich völlig hilflos gefühlt habe – obwohl die Polizei in Sichtweite war – und sie dieses Gefühl nie wieder erleben wolle. Diese Hilflosigkeit haben alle Frauen gemein, die sich zurzeit bei mir melden“, sagt Pinders, der unter anderem Leistungstrainer im Olympischen Boxen und Träger des fünften Dan im Yoshukai-Karate ist, selbst in Japan trainierte.

Wertsachen sind Nebensache

Als erfahrener Sportler weiß Pinders aber auch, dass es mit ein paar Stunden nicht getan ist: „Um sich im Ernstfall wirklich verteidigen zu können, braucht es oft jahrelanges Training. Ein einmaliger Verteidigungskurs über weniger Stunden kann nur ein erstes Hereinschnuppern bieten, verteidigen können wird man sich danach nicht“, sagt Pinders.

Gleichwohl könne man einige Tipps beachten: „Zunächst ist es wichtig, nach Möglichkeit schnell aus der Gefahrenzone zu verschwinden.“ Gelinge das nicht direkt, könne man den Angreifer auch überraschen, wenn er auf Raub aus ist. „Handtasche und Portemonnaie sind verzichtbar, wenn es um die körperliche Unversehrtheit geht. Wir bringen unseren Teilnehmern bei, beide Gegenstände in verschiedene Richtungen zu werfen. Das ist nur ein Beispiel, wie man sich im Notfall etwas Luft verschaffen kann“, sagt Pinders.

Das "starke Geschlecht" nicht außer Acht lassen

Zudem empfiehlt er, Zivilcourage gezielt einzufordern. „Man muss die Menschen bewusst ansprechen; etwa wenn ich sage ,Du mit der grünen Jacke’“, sagt Pinders. Erst, wenn all diese Maßnahmen nicht gegriffen hätten, müsse man sich verteidigen. „Pfefferspray boomt ja zurzeit. Ich halte das allerdings für gefährlich – im Zweifelsfall kann es dem Opfer abgenommen werden oder – auch das ist schon passiert – wird versehentlich in die falsche Windrichtung gesprüht und verletzt einen selbst. Da ist es sinnvoller, sich mit Alltagsgegenständen wie einem Regenschirm verteidigen zu können“, sagt Pinders.

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In seiner Kampfkunst-Akademie, die in direkter Nachbarschaft zu Polizeipräsidium und Landgericht liegt, sei der Frauenanteil auch vor der Silvesternacht schon hoch gewesen. Nun will Pinders sein Angebot für Frauen ausweiten und intensivieren, gleichwohl aber das vermeintlich „starke Geschlecht“ nicht außer Acht lassen: „Auch bei Männern haben die Ereignisse etwas ausgelöst. Ich hatte in den vergangenen Tagen einige Anrufe von Männern, die mir ihre Ängste schilderten, im Zweifelsfall ihre Freundin oder Frau nicht beschützen zu können. Ganz allgemein scheint diese neue Qualität der Gewalt bei vielen Menschen etwas ausgelöst zu haben.“

Jennifer Schumacher

Kommentare
21.01.2016
18:09
Kampfsportler erlebt Ansturm auf Selbstverteidigungskurse
von Matwit | #1

Viele Zeitgenossen meinen, wenn sie einen Kurs für Selbstverteidigung besucht haben reicht das für die Zukunft aus. Dem ist aber nicht so. Da muss man...
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Kampfsportler erlebt Ansturm auf Selbstverteidigungskurse
Kampfsportler erlebt Ansturm auf Selbstverteidigungskurse
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http://www.derwesten.de/staedte/essen/sued/kampfsportler-erlebt-ansturm-auf-selbstverteidigungskurse-id11463884.html
2016-01-15 11:00
Essen, Selbstverteidigung, Silvester, Kampfsport, Kurs
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