Das aktuelle Wetter Essen 11°C
Altersstruktur

Ist Rüttenscheid ein Viertel vor allem für Jüngere?

16.08.2012 | 06:00 Uhr
Diskutierten auch über seniorengerechten Wohnraum: Rolf Krane, Konrad Puchalski und Horst Vonzumhoff im WAZ-Lesercafé. Foto: Annika Wacker

Essen-Rüttenscheid.   Laut Statistik leben in Rüttenscheid vergleichsweise wenig Senioren. Die Zahl der Bürger über 65 Jahren sank sogar um 200 auf 6 100. Unter ihnen ist die Sorge aber groß, dass altersgerechter, preiswerter Wohnraum knapp wird.

Als Konrad Puchalski vor 70 Jahren in Rüttenscheid zur Welt kam, da war der Stadtteil für ihn noch der „reinste Abenteuerspielplatz“, erinnert er sich. Heute ist der streitbare Rüttenscheider jemand, der nicht spielt, sondern Klartext redet. „Ärzte, Krankenhäuser und Einkaufsmöglichkeiten sind fußläufig erreichbar. Da ist es doch klar, dass vor allem Ältere hier wohnen bleiben wollen. Dafür müssen wir aber mehr bezahlbare, barrierefreie Wohnungen schaffen“, fordert der 70-Jährige im WAZ-Lesercafé. Er selbst lebt in der Hedwigstraße - zu seinem Glück als Hausbesitzer. Nach Ansicht Puchalskis bedarf es eines Masterplans, um die Entwicklung des Stadtteils - speziell zu Themen wie Wohnen und Parken - vorzubereiten.

Für Rolf Krane, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Rüttenscheid, sind die Möglichkeiten bei den bestehenden Immobilien aber begrenzt. So könnten etwa viele Nachkriegsbauten an der Rüttenscheider Straße nicht einfach erweitert und in barrierefreien Wohnraum umgewandelt werden. Dennoch sieht er in Neubauprojekten wie etwa dem Wohn- und Geschäftsgebäude auf der Fläche des ehemaligen Rüttenscheider Hofes Fortschritte: „Die Wohneinheiten sind allesamt seniorengerecht und deswegen auch so beliebt. Das lässt sich aber generell für alle neuen Immobilien sagen, die hier entstehen.“

„Das können sich Rentner wie ich leider nicht leisten“

Auch Horst Vonzumhoff ist ins Café Kötter gekommen. Er gehört zu den Anwohnern der vom Abriss bedrohten Häuser in der Gummertstraße. Dass er noch einmal losziehen würde, um Unterschriften für den Erhalt seiner vier Wände zu sammeln, hatte der Rentner eigentlich nicht vorgesehen. Ebenso wie seine Nachbarn möchte er seinen Lebensabend in den ehemaligen Krupp-Häusern verbringen. „Die Neubauprojekte in Rüttenscheid sind doch zum größten Teil Eigentumswohnungen. Das können sich Rentner wie ich leider nicht leisten“, kritisiert Vonzumhoff.

Rüttenscheid genießt

Dabei haben die Herausforderungen des demografischen Wandels Rüttenscheid bislang weitgehend verschont, wie aktuelle Zahlen aus dem Rathaus belegen. Denn die Zahl der Senioren ist - bislang zumindest - keineswegs explodiert. Im Gegenteil: Laut Stand vom 30. Juni diesen Jahres sind 6 100 der insgesamt 28 000 Einwohner über 65 Jahre alt. Das sind sogar knapp 200 weniger als noch vor fünf Jahren. „Rüttenscheid ist in der Altersstruktur vor allem bei den Leistungsträgern zwischen 30 und 64 Jahren stark“, weiß auch Rolf Krane. Und auch bei Jüngeren wird Rüttenscheid beliebter, wenn man nur die Zahlen des Amtes für Statistik und Wahlen sprechen lässt. Demnach stieg die Zahl der 15- bis 29-Jährigen in den vergangenen fünf Jahren um 300 auf 4 900 Bürger an.

Ob das auch in Zukunft so bleiben wird, ist fraglich. Derzeit arbeitet das Amt an einer Studie, die die Entwicklung der Altersstruktur prognostizieren soll. Die Zahlen sollen Ende des Jahres veröffentlicht werden und sicher auch Grundlage für künftige Bebauungsplanungen sein.

Rüttenscheid genießt

Jennifer Schumacher


Kommentare
Umfrage
Für den Superwahltag am 25. Mai plakatieren die Parteien in Essen um die Wette - neuerdings sogar in den Nebenstraßen. Wie finden Sie als Adressaten der Wahlwerbung das?

Für den Superwahltag am 25. Mai plakatieren die Parteien in Essen um die Wette - neuerdings sogar in den Nebenstraßen. Wie finden Sie als Adressaten der Wahlwerbung das?

Captcha

Bitte übertragen Sie den Code in das folgende Feld:

Wort unleserlich? (Neuladen)

 
Aus dem Ressort
Wasserrohrbruch auf der Rüttenscheider Girardetstraße
Rohrbruch
Rund 80 Familien, so die Schätzung, sitzen wegen eines Wasserrohrbruchs auf der Girardetstraße seit der Nacht auf Mittwoch auf dem Trockenen. Am frühen Abend soll der Schaden wieder behoben sein.
Polizei sucht mit Fotos nach Zigarettendieb aus Tankstelle
Fahndung
Die Essener Polizei sucht seit Mittwoch mit Bildern aus einer Überwachungskamera nach einem Dieb. Der unbekannte Mann hatte im November zwei Stangen Zigaretten in einer Tankstelle an der Moltkestraße in Essen gestohlen. Nun bitten die Beamten um Hinweise.
Parkplatzsuche in Rüttenscheid wird noch schwieriger
Halteverbot
Fast auf der gesamten Emmastraße gilt ab Donnerstagabend absolutes Halteverbot. Grund sind Probebohrungen der Stadtwerke, die ab Oktober die Kanäle sanieren. Aktuell fallen etwa 90 Parkplätze für voraussichtlich eine Woche weg. Informiert haben die Stadtwerke die Anwohner darüber nicht.
Schadstoffe vor dem eigentlichen JZE-Abriss entfernt
Stadtentwicklung
Das ehemalige Berufskolleg und das frühere Jugendzentrum gehören zu den großen Baustellen in Holsterhausen. Der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Benno Justfelder stellt Fragen zur Vorgehensweise und zu den Kosten der beiden Projekte.
Seniorin in Essen auf offener Straße angegriffen
Polizei
Eine Seniorin ist am Sonntagnachmittag in Essen-Bergerhausen angegriffen worden. Die Frau hatte gegen 18 Uhr ihr Auto geparkt, als sie Nahe der Autobahnbrücke über die A52 ein Unbekannter zunächst nach dem Weg fragte. Plötzlich ergriff der Mann ihre Oberbekleidung und forderte ihr Geld.