Integrationsprojekt Mundart: Reif für Bühne und Ausbildung

Gemeinsam mit ihren Coaches bereiten sich 20 junge Migranten zurzeit in der Villa Rü auf ihre berufliche Zukunft vor.
Gemeinsam mit ihren Coaches bereiten sich 20 junge Migranten zurzeit in der Villa Rü auf ihre berufliche Zukunft vor.
Foto: FUNKE Foto Services
In dem Projekt „Mundart“ werden 20 junge Migranten in der Villa Rü mit Sprach- und Berufstraining sowie Theater fit für den Arbeitsmarkt gemacht.

Essen-Rüttenscheid..  „Die Milch ist leer“ ruft Theaterpädagoge Danny Friedrich, klatscht in die Hände, dreht sich im Kreis: 20 junge Migranten eifern ihm nach, haben sichtlich Spaß bei den Übungen zum locker werden. Wenige Minuten später weicht die ausgelassene Stimmung traurigen Gesichtern, die beklemmende Fragen stellen: „Warum werde ich wie ein Asozialer behandelt?“, fragt einer der jungen Leute auf der Bühne.

Seit Februar läuft das Integrationsprojekt „Mundart“ im Bürgerzentrum Villa Rü, mit dem die Chancen junger Migranten auf eine Ausbildung verbessert werden sollen. Es ist die erste Maßnahme dieser Art in Essen, die die Bochumer Defakto GmbH in Kooperation mit dem Jobcenter anbietet. „Mundart richtet sich nicht ausschließlich an Flüchtlinge, sondern generell an junge Migranten zwischen 18 und 25 Jahren, die ihre Deutschkenntnisse verbessern und in den Beruf einsteigen wollen“, erklärt Projektleiterin Maja Niedernolte.

Tandem-Sprachtrainings in Planung

In Vorab-Interviews werden zunächst Motivation und Eignung der Teilnehmer geprüft, die anschließend neun Monate lang täglich mit Sprachcoaching, Theaterpädagogik und Berufsberatung fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden. Rund 42 Prozent der bisherigen Projektteilnehmer in Nachbarstädten wie Herne und Gelsenkirchen hätten unmittelbar nach dem Projekt in eine Ausbildung oder eine feste Arbeitsstelle vermittelt werden können, sagt Niedernolte.

Motiviert sind sie alle: Der 21-jährige Homam Adwan aus Syrien etwa kam vor einem Jahr nach Deutschland, möchte gerne eine Ausbildung zum IT-Kaufmann machen oder studieren. „Ich würde auch gern besser Deutsch sprechen. Aber dafür brauche ich mehr Kontakte zu Leuten, die Deutsch sprechen“, sagt Homam. Viele teilen seine Meinung. Es sei schwer, Kontakte zu Einheimischen aufzubauen, hat auch Tanifor Ndecollins beobachtet, der vor zwei Jahren nach Deutschland kam. Der junge Kameruner hat bereits eine Deutschprüfung absolviert, möchte gern noch besser werden: „Die Grammatik ist schwer, dafür brauche ich mehr Übung“, sagt er. Demnächst möchte das Mundart-Projektteam mit Hilfe der Villa Rü Sprachtandems organisieren.

Indes arbeiten die 20 jungen Männer und Frauen aber zunächst weiter an ihrem Etappenziel: einem gemeinsamen Theaterstück, das sie im August aufführen wollen. Die Premiere soll ihnen ausreichend Rückenwind geben für den Hauptakt, der idealerweise folgt: ein Betriebspraktikum und eine Ausbildung.

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