Idealismus und Eigenbedarf
03.08.2010 | 17:38 Uhr 2010-08-03T17:38:00+0200
Rüttenscheid.Acht Stunden und zwölf Minuten darf Thomas Müller (42), im Hauptberuf Polizist, Hobbythek-Produkte verkaufen - in einem winzigen Raum unterhalb des Gehsteigs.
Pflaster und Verbandszeug hat er nicht im Sortiment, obwohl beides manchmal sicher hilfreich wäre. Denn wer zu Thomas Müller in den Laden will, muss zunächst ordentlich den Kopf einziehen, um ihn sich nicht zu stoßen. Und er sollte acht geben, wohin er tritt, sonst landet er direkt vor dem Verkaufstisch des Ladenbesitzers. Die Stufen sind recht steil. Hat man die Hindernisse erst überwunden, ist man in diesen Tagen dankbar für die angenehm kühle Temperatur, die einen zwei Meter unterhalb der Straßenkante empfängt. Mindestens genauso für das freundliche Lächeln, das einem entgegenstrahlt.
Thomas Müller ist ein ausgesprochen kommunikativer Mensch. Sonst würde er es hier unten vermutlich auch nicht aushalten. Denn von geräumig kann nicht die Rede sein. Regale mit den Produkten darauf nehmen schon einiges an Platz weg. Der Rest ist zugestellt mit schönen alten Ausstellungsstücken. Unverkäuflich, versteht sich. Ein Waschzuber gehört ebenso dazu wie eine Brotschneidemaschine, alte Kameras und Blitzlichtgeräte. „Sie frischen meine Erinnerung auf“, sagt Thomas Müller. Und untermauern seine Ideologie: nicht alles mit Elektrizität oder Chemie erledigen zu müssen.
Das allein ist schon Gesprächsstoff genug, Neuigkeiten aus der Nachbarschaft kommen noch hinzu. Müllers Produkt-Depot ist immer auch ein Stück weit Nachrichtenbörse. Und Anlaufstelle für allerlei Hilfeleistungen, die vor allem den älteren Bewohnern der umstehenden Häuser das Leben angenehmer gestalten. Thomas Müller liebt seinen Laden, auch wenn er kaum etwas damit verdient – 75 Prozent Idealismus, der Rest Eigenbedarf. „Aber er ist mein Ruhepol.“ Egal wie müde der 42-Jährige zum Beispiel nach einer Nachtschicht ist: „Wenn dann Leute reinkommen, die sich Gedanken über die Umwelt und ihren Körper machen oder einfach nur reden wollen, bin ich wieder hellwach.“
Es ist der Ausgleich für die Arbeit mit einer „schwierigen Bevölkerungsgruppe“. Zur Zeit arbeitet Müller im Wach- und Wechseldienst. Seine Spezialität: Fahren ohne Fahrerlaubnis, Trunkenheitsfahrten und frisierte Roller. „Was glauben Sie, wie viele Menschen Auto fahren, obwohl ihnen der Führerschein abgenommen wurde?“ Keine Ahnung, 20, vielleicht 30 Prozent. 95 Prozent, ist Müllers Antwort. Lehrreich, solch ein Einkauf im alternativen Drogerie-Geschäft. Der 42-Jährige hat schon einiges gesehen, war in Altenessen, Rüttenscheid und Bochum „stationiert“ – auch in Einsatztrupps zur Kriminalitätsbekämpfung. Leiter der „International Police Association“ Essen war er übrigens auch. Bei einem Besuch der Kollegen in New York City hat er sich ein T-Shirt mit der Aufschrift „NYPD“ gekauft. Was eigentlich den New Yorker Polizisten vorbehalten ist. Das trägt er manchmal in seinem Laden. „Ja, ich würde sagen, ich bin aus Überzeugung Polizist“, meint Müller. Auch wenn man ihn sich sehr gut woanders vorstellen kann. In einem Laden für Drogerie-Bedarf etwa.
12:04
#2 Danke, Herr Müller. Werde demnächst einmal vorbei kommen. Wünsche bis dahin alle Gute, nette Kunden und töfte Umsätze!!!
06:57
Hallo,
das Geschäft befindet sich in Essen Rüttenscheid, Hedwigstraße Ecke Dorotheenstraße.
Ich freue mich auf Ihren Besuch.
Thomas Müller
15:02
Lieber Herr Hodde,
es wäre schön, wenn Sie ein paar mehr Informationen zur Lage oder zum Namen des
Geschäftes nachliefern könnten.
Liebe Grüße,
Schwalbenalfred