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Städtisches Grün

"Grün und Gruga" lässt Blumenbeet versehentlich platt machen

26.07.2012 | 06:00 Uhr
"Grün und Gruga" lässt Blumenbeet versehentlich platt machen
Von Buchsbäumen, Zierdisteln und Mohn sind nur noch Reste übrig, wie Ilse Straeter zeigt.Foto: WAZ

Essen-Rüttenscheid.   Die Anwohner der Joseph-Lenné-Straße sind sauer - „Grün&Gruga“ ließ die von den Anwohnern vorgenommene Bepflanzung rund um einen jungen Ahorn einfach abmähen. Nun werden in Bezug auf das ausführende Subunternehmen Regressansprüche geprüft.

Nachdem in der vergangenen Woche Blumenkübel auf dem Bürgersteig an der Isenbergstraße für Wirbel gesorgt hatten , könnte man an der Joseph-Lenné-Straße nun erneut den Eindruck gewinnen, die Stadt Essen habe etwas gegen bunte Farbtupfer im Stadtbild .

Gemeinsam mit seinen Nachbarn begann das Künstler-Ehepaar Ilse und Ulrich Straeter im vergangenen Sommer, ein Beet rund um das junge städtische Ahorn-Bäumchen an der Ecke Hektorstraße anzulegen. Wo bis vor einer Woche noch Geranien, Silberdisteln und Mohn blühten, herrscht nun braune Tristesse: Im Auftrag von „Grün&Gruga“ hat ein Subunternehmen die Grünfläche um den Baum einfach abgemäht. Kleine Buchsbaumüberreste liegen im Dreck, ein Pflanzschildchen zeugt noch davon, was hier bis vor einer Woche seine Sprossen aus der Erde reckte.

„Das war wie ein Schlag in den Magen“

Ilse und Ulrich Straeter sind fassungslos, war das kleine Blumenbeet für sie schließlich nicht nur Hingucker, sondern auch Gemeinschaftsaufgabe der Nachbarschaft. „Das war wie ein Schlag in den Magen, als wir das gesehen haben“, sagt Ulrich Straeter. Sogar die Rinde des Bäumchens selbst wurde leicht beschädigt. Dabei hat der Ahorn ohnehin schon eine Problemgeschichte. „Bis heute wissen wir nicht, warum die schön alte Platane, die stattdessen hier bis vor drei Jahren stand, gefällt wurde. Selbst mit Unterstützung des Grünen-Fraktionssprechers Matthias Klahold ist es nicht gelungen, dem Grund für den Kahlschlag auf die Spur zu kommen. Danach wurde nur auf unseren Druck hin hier neu bepflanzt“, sagt Straeter.

„Grün&Gruga “ bedauert den Vorfall: „Leider kommt es immer wieder vor, dass solche Grünflächen kahl geschoren werden. Die Subunternehmen erhalten den Auftrag, Unkraut herauszureißen - gehen dabei aber mitunter etwas zu gründlich zu Werke. Das passiert zwar selten, ist in diesem Fall aber umso bedauerlicher“, sagt Johannes Oppenberg, der bei „Grün&Gruga“ für die öffentliche Grünpflege zuständig ist. Ein Großteil der städtischen Grünpflege würden durch qualifizierte Garten- und Landschaftsbaubetriebe übernommen, erklärt Oppenberg.

Mehr als 1000 Baumpatenschaften im gesamten Stadtgebiet

Baumpatenschaften bei Grün&Gruga

Eine Baumpatenschaft zu übernehmen ist kostenlos.

wird den Paten bescheinigt, sich um den jeweiligen Baum in der Nachbarschaft zu kümmern.

Ansprechpartner bei „Grün&Gruga“ ist Johannes Oppenberg, der via Mail an johannes.oppenberg.gge@essen.de erreichbar ist. Weitere Informationen zum Thema gibt es auch im Internet auf:
www.gruen-und-gruga.de.

Problem im speziellen Fall an der Joseph-Lenné-Straße sei, dass für den betroffenen Baum keine Patenschaft bestand. Seit mehr als 15 Jahren können Bürger bei „Grün&Gruga“ eine solche Baum-Patenschaft beantragen. Die Bäume werden dann in den öffentlichen Pflegeplänen speziell markiert. Subunternehmer wissen so, wo sie besondere Vorsicht walten lassen müssen. Mehr als 1000 Baumpatenschaften bestehen aktuell im gesamten Stadtgebiet. Ein schöner Erfolg, findet Johannes Oppenberg. „Die interessierten Bürger erhalten eine Urkunden. Darüber hinaus gehen sie aber keine besonderen Verpflichtungen ein. Wer keine Zeit mehr hat, sich zu kümmern, kann die Patenschaft einfach wieder aufkündigen“, erklärt Oppenberg.

Die Straeters haben die Patenschaft mittlerweile beantragt und wollen die kleine Grünfläche mit Unterstützung ihrer Nachbarn wieder zum Blühen bringen. Vermutlich bekommen sie dabei sogar Unterstützung von „Grün&Gruga“. „Wir werden uns das vor Ort noch anschauen und dann prüfen, ob wir den Subunternehmer in Regresspflicht nehmen. Dann sorgen wir für Ersatz“, verspricht Johannes Oppenberg. Schließlich begrüße er ein solches bürgerschaftliches Engagement.

Auch vor ihrem Atelier selbst geht Ilse Straeter dem „Guerilla Gardening“, dem wilden Gärtnern, nach. Erst gestern rückten die Essener Entsorgungsbetriebe aus, um Unkraut in der Straße zu jäten. „Passen sie bloß auf, dass sie meine Pflanzen nicht herausrupfen“, warnte die Hobby-Gärtnerin. Die Kapuzinerkresse ist schließlich gerade gut angegangen. „Das sieht doch aus wie Unkraut“, raunt ein EBE-Mitarbeiter noch. In diesem Fall lässt er aber die Finger von den Pflanzen.

Von Jennifer Schumacher



Kommentare
27.07.2012
23:19
Grün und Gruga
von HalloAusDemPott | #13

Dillentanten Truppe

27.07.2012
18:15
Preisfrage
von BauerKleppe | #12

Die Subunternehmen werden nicht wie Fachbetriebe und Gärtner bezahlt, ergo arbeiten dort auch keine Fachkräfte, sondern i. d. R. Leute am untersten Einkommensniveau. Oft kommentier henier Leute, die als Kostgänger mehr haben als die, die dort die Arbeit machen.

26.07.2012
23:49
Einfach nur platt..
von Vorstecher | #11

Da werden stumpfsinnige Befehle von stumpfsinnigen Vorgesetzten an stumpfsinnige Eineuro-Jobber vergeben, die stumpfsinnig ausführen was die stumpfsinnigen Vorgesetzen..............

26.07.2012
23:05
Öffentliche Grünpflege ad absurdum
von trauschauwem | #10

Eine Nachbarschaft verschönert gemeinsam das Strassenbild und dann das.

Öffentliche Grünpflege mal anders - aus Steuernmittel finanzierte Subunternehmer ohne jegliche Kenntnis von Pflanzen - zerstören Blumenbeet.
Wer hat das Subunternehmen nach welchen Kriterien ausgesucht?
Alles was im Pflegplan markiert ist wird blind "rasiert". Denken und schauen - unerwünscht oder unmöglich? Lesen auch - oder wie war das mit dem Pflanzschildchen?

Und ja - die Empörung der Betroffenen erfolgt zurecht - und lieber Gartenbeetbesitzer, bei Betrachtung des Bildes erkennt jeder der Ahnung von Gartenpflege hat, dass hier nichts mehr nachwachsen wird.

26.07.2012
22:01
Taj, diese Subunternehmen
von red-fly | #9

sind einfach nur schlimm. Wie die arbeiten, da braucht man sich nicht zu wundern. Mit Gärtnern hat das jedenfalls nichts zu tun.

26.07.2012
19:15
"platt machen"
von LuckyLexi | #8

Frau Schumacher,

etwas weniger Umgangssprache würde Ihren Artikeln gut tun.

MfG Ihr treuer Leser L.

26.07.2012
15:42
Den Tränen nahe...
von tabledancer | #7

war ich ob der humorvoll treffenden und doch mitfühlenden Kommentare. Ja, genau so ist es wie #1 bis #5 es beschreiben. Als langjähriger Gartenbeetbesitzer kann ich da nur zustimmen. Ist wie bei den meisten Haaren..wächst in der Regel nach. War ja Kunst, da scheiden sich ja oft die Geister. Das dass die groben und unwissenden Mitarbeiter des von Grün & Gruga beauftragten Subunternehmers nicht sofort erkannt haben...eine Schande so was! Lieber Herr Oppenberg, Ihr Stuhl wackelt...

1 Antwort
War ja Kunst?
von eulenspiegel777 | #7-1

Wo steht in dem Artikel, dass es sich um Kunst handelte. Es handelte sich um eine Bepflanzung durch die Nachbarschaft zu denen ein Künstlerehepaar zählt!

Sie sollten auch den Artikel und nicht nur die Kommentare lesen.

26.07.2012
13:56
Blinde Subunternehmer
von eulenspiegel777 | #6

Also wer Grünpflege übernimmt und Geranien, Buchsbaum & Co nicht von Unkraut unterscheiden kann, sollte das gesamte Entgelt zurück in die Stadtkasse zahlen.

Zu #1 bis #5:
Langeweile? Auch wer arbeitet kann in der Freizeit durchaus Engagement zeigen und die Umwelt für alle verschönern - schade, dass das nicht gewürdigt wird. Aber Sie haben keinen Garten, Vorgarten, ... und finden wahrscheinlich jegliches Grün ist eh überflüssig.

26.07.2012
13:32
Tiefes Mitgefühl
von WaddeHaddeDuddeDa | #5

Das alles macht auch micht tief betroffen!

26.07.2012
13:22
Unfassbar
von weltmeistr | #4

also, was in Essen abgeht ist wirklich unfassbar! Mein tiefstes Mitgefühl gilt dem Ehepaar Straeter, den Nachbarn, den Buchsbaumüberresten, dem Pflanzschildchen und natürlich auch der Rinde des Bäumchens.
Ich wünsche Ihnen viel Glück und auch wenn es etwas platt klingen mag, denken Sie daran "das Leben geht weiter".
Ich spreche da auch Erfahrung! Mir hat ein Nachbarsjunge damals im Kindesalter mal mein Schüppchen weg genommen, ich dachte auch erst, dass ich das nie verkraften werde. Doch es geht, selbst wo ich jetzt gerade wieder daran denken muss...

Nottfalls nehmen Sie sich professionelle Hilfe! Dann klappt es bestimmt!

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