Grimme Online Award für Krimi-Portal
07.07.2009 | 13:12 Uhr 2009-07-07T13:12:00+0200
Rüttenscheid. Im Büro von Lars Schafft (30) im Rüttenscheider Girardet-Haus gibt es beides: Computer und eine Bücherwand mit vielen, vielen Krimis. Mit seinem Krimiportal "Literatur-Couch.de" hat er den Grimme Online Award gewonnen. 11.000 User klicken im Schnitt täglich auf die Seite.
Lars Schafft betreibt die Firma Literatur-Couch.de, gestaltet Websites und hat für sein Portal Krimi-Couch.de soeben eine der wichtigsten Auszeichnungen der Branche erhalten - den Grimme-Online-Award, den „Bruder” des Grimme-Fernsehpreises.
Aus 1700 Einsendungen waren 26 Auftritte für die Endrunde nominiert worden. Acht davon bekamen den Preis im Rahmen einer Galaveranstaltung in der Kölner Vulkanhalle. Einer von ihnen: Lars Schafft. Eigentlich wollte er ja zur „schreibenden Zunft”, arbeitete schon während der Gymnasialzeit in seiner Heimatstadt Dinslaken für die Zeitung. „Irgendwie habe ich damals parallel auch den Spaß am Programmieren entdeckt und erste kleinere Websites gestaltet”, blickt Schafft zurück, der inzwischen mit seiner Frau in Rüttenscheid lebt.
In Essen begann er, Wirtschaftsinformatik zu studieren. „Ansonsten arbeitete ich immer nur für Kunden und Chefs”, sagt Schafft. Eigentlich aber wollte er alles gleichzeitig: Websites gestalten, neue Trends und Techniken ausprobieren, aber auch selbst schreiben, möglichst viele User erreichen - und vor allem Spaß haben. Und da er das alles eher mit einem populären Sujet wie Krimis als mit „irgendwelchen abgehobenen Themen” zu erreichen hoffte, stellte er 2002 die in seiner Studentenbude entstandene Krimi-Website einfach mal online - und freute sich über die ersten zehn regelmäßigen User, über die ersten 100 und feierte, als es 1000 wurden.
Heute erreicht er im Schnitt 11 000 User pro Tag. „Viele davon sind Stammuser, die zur Community gehören und auch Wert auf gegenseitigen Austausch legen”, erklärt Lars Schafft, der die Wirtschaftsinformatik irgendwann aufgab und jetzt den Zweifach-Bachelor in Germanistik und Angelistik anstrebt.
Virtuelle Lesekreise
Inzwischen seien regelrechte virtuelle Lesekreise entstanden, die sich gemeinsam Leseziele steckten und dann über die Kapitel diskutierten - online natürlich, ohne sich je gesehen zu haben. „Selbst Autoren mischen da inzwischen mit und diskutieren mit den Lesern Perspektiven”, weiß Schafft. Knapp 6000 Krimis hat Schafft, der mit Geschäftspartner André Schmechta und rund 50 „Freien” zusammenarbeit, schon eingepflegt. Zu über 2000 davon bietet sein Portal Beschreibungen plus Zusatzinfos, Interviews, oft auch als Video.
Wenn die Kataloge mit den Verlagsvorschauen eintreffen, blättert Schafft sie durch, sortiert grob, was sich für seine Datenbank eignen würde. „So können wir schon jetzt eine Vorschau geben auf Bücher, die bis April 2010 erscheinen.” Dann werde entschieden, welchen Titel man auf jeden Fall besprechen müsse. Die zehn Mitarbeiter der Krimi-Couch erhalten Leseexemplare. „Ich bin der Jüngste im Team”, schmunzelt Schafft, der seine Mitarbeiter zum Teil in den Diskussionforen gefunden hat. „Da gibt es Leute, die kommentieren regelmäßig, da erkennt man das Potenzial”, sagt Schafft. Die Bücher landen erst auf seinem Schreibtisch: „Schließlich leisten wir redaktionelle Arbeit.” Rund die Hälfte der Mitarbeiter, die Honorar bekommen, aber keine sogenannten „Profi-Leser” sind, sei schon seit 2002 dabei.
Harte Kritiken sind kein Tabu
„Wir haben Krimifreunde vom Banker bis zum Historiker im Team”, erklärt Schafft. „Vier bis fünf Bücher pro Monat sind schon zu schaffen. Jeden Monat stellen wir 20 bis 30 Rezensionen online.” Dabei seien harte Kritiken über schlechte Bücher kein Tabu, betont Schafft. „Die Auszeichnung mit dem Grimme-Online-Award kam wirklich überraschend. Allein die Nominierung war schon ein großer Erfolg”, freut sich der Jungunternehmer über die Anerkennung seiner Arbeit.
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