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Musik

Gitarrensound statt Harfenklang

19.03.2009 | 15:42 Uhr

Rüttenscheid/Altenessen. Den Himmel stellt sich wohl jeder anders vor. Rein akustisch hat Werner Settels, seines Zeichens Sozialarbeiter in der Villa Rü, dem städtischen Jugendzentrum an der Girardetstraße, da zumindest eine klare Vision: Hallelujah und Harfenklänge? Fehlanzeige.

Satter Gitarrensound von Rocklegenden wie Toto, Joe Cocker oder Bryan Adams sind für Settels der einzig denkbare Soundtrack für den Schritt durch das Himmelstor.

„Heaven's Gate” heißt somit konsequenter Weise die Band um den leidenschaftlichen Gitarristen Settels. Mit seinen Bandkollegen Thomas Reubold (Keyboard und Gesang), Horst Zimmer (Bassgitarre), André Kohl (Gesang) und Christian Loscher (Schlagzeug) macht er jeden Mittwoch die Zeche Fritz in Altenessen unsicher, wo die fünf Männer an ihren individuellen Cover-Versionen feilen.

Covern, das heißt für „Heaven's Gate”, Titel großer Künstler zu interpretieren, aber niemals zu kopieren. „Ich singe die Songs so, wie ich sie fühle und versuche gar nicht erst, ein zweiter Joe Cocker zu sein”, erzählt Frontmann André Kohl. So bekommt etwa Cockers „First we take Manhattan” durch seine markante Röhre eine ganz eigene, aber unwiderstehliche Klangfarbe. „Der Spaß an der Sache steht für uns im Vordergrund”, erzählt der Vollblut-Musiker Kohl. „Eine Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Chemie stimmt. Das ist bei uns zum Glück der Fall.”

Überhaupt geht es bandintern sehr demokratisch zu. In Songauswahl und Stil haben alle das gleiche Mitspracherecht. Doch auch bei einem Freizeitprojekt ist Verlässlichkeit das A und O. „Wir hatten mal einen Sänger, der zwar eine tolle Stimme hatte, aber jede zweite Probe versäumte”, erinnert sich Horst Zimmer. „Das ist heute anders. Wir wissen genau, dass wir auf einander zählen können.”

Und ihre Freude am Auftritt merkt man den fünf Himmelsstürmern in der Tat an. Wenn André Kohl am Mikrofon steht, vergisst er die Welt ringsum. Dann gibt er mit Leib und Seele 100 Prozent, um das Publikum von den Stühlen zu reißen. Und das geht in der Regel schnell.

Die spannende musikalische Wundertüte ergibt sich auch aus der altersmäßig bunt gemischten Zusammenstellung der Truppe. „Jeder bringt sich bei uns mit seinem persönlichen Musikgeschmack mit ein. Wir sind da für alles offen”, so das älteste Bandmitglied Horst Zimmer (58). Während er in seiner Jugend noch die Platten der „Kinks” sammelte, kennt sich Neffe Christian Loscher (37) bestens mit den heutigen Charts aus. So treffen bei „Heaven's Gate” Generationen aufeinander - und das ist gut so. Denn obwohl die Band vornehmlich Cover-Versionen spielt, besitzen die Musiker einen unverkennbaren Stil.

Die profunden Jazz-Kenntnisse von Keyboarder Thomas Reubold veredeln den Sound der Band. Erlaubt ist, was gefällt. „Natürlich spielen wir auch große Hits, die auf Partys ein wenig den Massengeschmack bedienen”, bekennen die Musiker, „aber am meisten reizen uns die Songs legendärer Bands, die kaum jemand kennt. Und da gibt es noch echte Geheimtipps zu entdecken, wie bei der musikalischen Kostprobe der Jungs schnell klar wird. Zu Unrecht in Vergessenheit geratene Pop-Perlen erwecken sie so zu neuem Leben.

Die aktuelle Besetzung spielt erst seit ein paar Monaten miteinander. Über den klassischen Weg der Annonce haben sie zusammengefunden und standen bisher erst zweimal live auf der Bühne. Doch der Auftritt vor Publikum ist für die fünf Mitglieder wie eine Droge; einmal angefangen, kommt man nicht mehr davon los. Settels: „Wir freuen uns auf die nächsten Konzerte.”

Kristin Dowe

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