Gefühlte und echte Gefahr auf der Rüttenscheider Straße

Im Gegenlicht für Autofahrer kaum zu erkennen: der Zebrastreifen am Girardethaus.
Im Gegenlicht für Autofahrer kaum zu erkennen: der Zebrastreifen am Girardethaus.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Verkehrstechnisch gehört die  Rüttenscheider Straße wohl zu den stressigsten in der Stadt: Aktuelle Zahlen zu Unfällen und Tempo aber überraschen.

Essen-Rüttenscheid.. Dienstagmorgen, die Sonne bricht sich hinter dem Steag-Heizkraftwerk gerade durch die Dämmerung. Ein Jogger kehrt von seiner Runde im Grugapark zurück, will den Zebrastreifen am Girardethaus queren. Dabei übersieht ihn eine Frau im Mercedes. Zum Glück ist sie langsam genug unterwegs, um in letzter Sekunde noch rechtzeitig zu bremsen. Ein „Beinahe-Unfall“, wie er vor allem an dieser Stelle fast täglich zu beobachten sei, berichtet auch Manfred Arnold. Seit 28 Jahren betreibt er den Imbiss „Dannys Diner“ direkt an der Ecke, hat die Verkehrssituation durch die großen Schaufensterscheiben immer im Blick. „Als Autofahrer sieht man den Zebrastreifen kaum, der müsste besser beschildert werden. Mitunter werden die Fußgänger sogar weggehupt“, sagt der 55-Jährige.

Der Zebrastreifen gehört zu einem der Brennpunkte, der von Verkehrsteilnehmern – ob Passant, Rad- oder Autofahrer – oft als Gefahrenstelle entlang der Rüttenscheider Straße wahrgenommen wird. Lieferverkehr in zweiter Reihe, ein Fahrradweg, der benutzt werden kann, aber nicht benutzt werden muss, permanenter Parkdruck und nicht zuletzt eine Fülle an Passanten, die zwischen Flora und Glückaufhaus auf und ab flanieren: Gefühlt gibt es wohl nur wenige Straßen in Essen, die die Nerven der Verkehrsteilnehmer auf eine so harte Probe stellen.

Jüngste Kontrolle: nur 13 von 215 Fahrzeugen in einer Stunde zu schnell

Dass zwischen gefühlter und echter Verkehrssicherheit auf der Rüttenscheider Straße allerdings eklatante Unterschiede klaffen, belegen aktuelle Zahlen von Polizei und Ordnungsamt. „Die Rüttenscheider Straße ist definitiv kein Unfallschwerpunkt“, sagt Polizeisprecherin Tanja Hagelüken. Nach ihren Angaben kam es dort im vergangenen Jahr zu rund 20 Unfällen. „Die Zahl ist seit etwa drei Jahren konstant. Jährlich werden dort im Schnitt vier Menschen schwer und elf Unfallbeteiligte leicht verletzt“, so Hagelüken weiter.

Auch beim Tempo ist die Rü, auf der durchgehend Tempo 30 gilt, offenbar kein Pflaster für Raser. Bei der jüngsten Geschwindigkeitskontrolle am 2. Januar erfassten Mitarbeiter des Ordnungsamts in der Zeit von 10.50 bis 11.50 Uhr insgesamt 215 Fahrzeuge. „13 davon waren zu schnell unterwegs, was einem Anteil von gut sechs Prozent entspricht. Das ist erfreulich wenig“, sagt Ordnungsamtsleiter Günther Kraemer. Dabei gesteht er ein, dass es sich natürlich nur um eine Stichprobe an einem Tag und von nur einem Standort handele. Kraemer: „Grundsätzlich aber ist es schwer, auf der Rü zu schnell zu sein – entweder man steht hinter einem, der ausparkt oder an der Ampel.“

Umfrage: Zu kurze Ampelphasen, gefährliche Falschparker

Trotz der aktuellen Zahlen, die das Gegenteil beweisen: Eine stichprobenartige Umfrage auf der Rü zeigt, dass zum Thema Verkehrssicherheit fast jeder etwas sagen kann. Beispiele für Stellen, an denen es brenzliger werden kann, können viele benennen. Für Grundschullehrerin Nicole Frohnhoff etwa ist die Grünphase an der Kreuzung Martin-/Franziskastraße viel zu kurz bemessen, „das schafft man mit Kindern kaum, beklagen auch viele Eltern“, sagt die 43-Jährige.

„Als junge Mutter bin ich an den Zebrastreifen auf der Rü besonders vorsichtig – schließlich schiebt man den Kinderwagen zuerst und wird oft erst spät gesehen. Problematisch ist es mitunter auch an den Übergängen der Kreuzung Martinstraße, vor allem mit den Linksabbiegern. Ich finde, der Verkehr müsste noch mehr beruhigt werden.“

„Wir leben seit 40 Jahren im Stadtteil. Auf der Rüttenscheider Straße herrschte schon immer unruhiger Verkehr. Das zeigt ja auch, wie belebt es hier ist, deswegen kommen ja auch alle gern hierher oder leben hier. Wir selbst fahren so gut wie nie über die Rü und weichen lieber auf die Alfredstraße aus. Ein echtes Ärgernis sind und bleiben aber die Falschparker – in erster Linie in den Seitenstraßen, die unmittelbar an die Rü grenzen. Mitunter stellen die Leute ihren Wagen direkt an die Straßeneinmündung, das ist für andere Fahrer wirklich gefährlich, da ihnen die Sicht genommen wird. Erst vor kurzem ist es dadurch in der Ursulastraße wieder zu einem Zusammenstoß mit einem parkenden Wagen gekommen.“

„Manchmal glaube ich, ist es kaum bekannt, dass die Rüttenscheider Straße eine Tempo-30-Zone ist. Außerdem ist eine Vermutung, dass die Autofahrer oft vom Geschehen abseits der Straße abgelenkt sind. Mitunter ist es hier am Zebrastreifen am Girardethaus auch schon zu Vollbremsungen gekommen, passiert ist Gott sei Dank nichts.“