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Interview

Für Barnscheidt ist „Bewohnerparken nicht vom Tisch“

08.01.2013 | 06:00 Uhr
Für Barnscheidt ist „Bewohnerparken nicht vom Tisch“
Gerhard Barnscheidt löste vor einem Jahr Michael Th. Roy als Bezirksbürgermeister ab.Foto: Oliver Müller

Essen-Süd.  Nach einem Jahr im Amt blickt Bezirksbürgermeister Gerhard Barnscheidt auf die Arbeit der Bezirksvertretung II zurück, in der es mitunter recht kontrovers zugeht. „Mit Friede, Freude, Eierkuchen kommt man nicht weit“, hält Barnscheidt entgegen und gibt einen Ausblick auf das politische Jahr 2013.

Er gilt gemeinhin als ruhiger Typ, der lieber aus dem Hintergrund die Fäden spinnt. Vor knapp einem Jahr trat Gerhard Barnscheidt (67) die Nachfolge des umstrittenen SPD-Parteikollegen Michael Th. Roy an, nachdem dieser von seinem Amt als Bezirksbürgermeister zurück getreten war. Im Interview blickt Barnscheidt auf sein erstes Jahr zurück - und gibt einen Ausblick, was noch auf seiner politischen Agenda steht.

Wie fällt Ihre Bilanz nach einem Jahr als Bezirksbürgermeister aus?

Gerhard Barnscheidt: Durchweg positiv. Für mich ist vor allem der Mehrgenerationenspielplatz an der Paulinenstraße eine schöne Erfolgsgeschichte. Trotz politischer Widerstände haben wir uns für die Investition von 50.000 Euro an dieser Stelle eingesetzt. In vielen Gesprächen mit der Verkehrsgesellschaft Via haben wir außerdem erreicht, dass die Evag-Masten an der Friederikenstraße entfernt werden. Ähnlich Druck gemacht haben wir beim alten Rathaus Rellinghausen, dessen Verkauf so verhindert werden konnte.

Auf welche Widerstände sind Sie in Ihrer Arbeit gestoßen?

Barnscheidt: Ein Thema, das uns weiter beschäftigt, ist etwa der Schrottplatz in Rellinghausen, bei dessen Verlegung wir uns auch mehr Hilfe von der Verwaltung erhofft hätten. Wir haben dem Verwerter 17 alternative Standorte angeboten, bislang ohne Erfolg; er beruft sich auf seinen Vertrag. Ähnlich zäh sind die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn in Sachen Bahnhof Stadtwald. Der Aufzug dort muss kommen. Auch beim Thema Straßenumbenennung stießen wir auf Widerstände.

Bereuen Sie es, die Bürger bei diesem Thema nicht früher mit ins Boot geholt zu haben?

Barnscheidt: Das Argument, wir hätten den Bürger nicht gefragt, ist nicht richtig. Wir hatten das Thema auf der Tagesordnung und auch bei dieser Sitzung gab es im Vorfeld eine Einwohnerfragestunde. Zu einer neutralen Diskussion dort kam es aber gar nicht erst, weil schon kurz nach Bekanntwerden der Tagesordnung über die geplante Umbenennung berichtet wurde.

Beschlossen haben Sie die Umbenennung dann aber trotz Protestes. Eine richtige Entscheidung?

Barnscheidt: Unbedingt. Eigentlich hätte das schon nach 1945 erledigt werden müssen, die Alliierten hatten die Stadt Essen schließlich auch dazu aufgefordert. Es gab in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder den Ansatz zur Rückbenennung, wir hatten schließlich die nötige politische Mehrheit, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Dass es nun zum Bürgerentscheid kommt, finde ich gut. Am Ende erwarte ich aber, dass es bei der von uns beschlossenen Umbenennung bleibt.

Das Thema spaltet die Bezirksvertretung - wie so oft. Geht Ihnen die Streitkultur manchmal zu weit?

Barnscheidt: Herrschte bei jeder Sitzung nur Friede, Freude, Eierkuchen, liefe etwas falsch. Es braucht die politische Debatte, um vorwärts zu kommen. Etwas mehr Sachlichkeit wäre manchmal wünschenswert, es darf nicht persönlich werden, wenn viele Politiker-Temperamente aufeinander treffen. Da gilt es als Bezirksbürgermeister, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Was erhoffen Sie sich politisch vom Jahr 2013?

Barnscheidt: Für mich ist die Bewohnerparkregelung noch nicht vom Tisch. Die Pläne liegen zu 95 Prozent fertig in der Schublade. Sie, wie geschehen, auf Eis zu legen, ist nicht der richtige Weg und Geld-Verschwendung. Wir dürfen nicht nur an Geschäftsleute und Besucher denken, sondern müssen uns um Bürgerbelange kümmern. Bei diesem Thema möchte ich noch einmal nachfassen.

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Kommentare
13.01.2013
10:22
NEIN zu falschen Bezirksvertretern!
von netzschrecken | #3

Mit einem überflüssigen und zynischen Gewaltakt Straßen umbenennen wollen - gegen einen bereits im Vorfeld gigantischen Widerstand (6000...
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1 Antwort
Für Barnscheidt ist „Bewohnerparken nicht vom Tisch“
von 1980yann | #3-1

Was nennen Sie überflüssig? Alle Beschlüsse, ohne die sich die Welt trotzdem weiter drehen würde?
Warum zynisch, warum Gewaltakt? Sie wollen doch nur die Diskussion eskalieren lassen.

Mir ist nicht bekannt, dass die Umbenennungsbefürworter 100.000 Euro für den Wahlkampf zum Bürgerentscheid aufwenden ... können Sie diese Zahl belegen?
Das sind wohl vielmehr die Kosten für die Abstimmung - und die wurde von den Umbenennungsgegnern beantragt. Und wenn diese Kosten so dringend vermieden werden sollten, warum hat Pro Von dann nicht einfach keinen Antrag gestellt!?
Die Position der BV ist ja nicht minderwertig - warum hier eine einseitige Unterwerfung fordern?

Die CDU hat auch nicht aufgearbeitet, dass in der Adenauer-Ära Menschen mit dem §175 verfolgt wurden - der Homophobie-Vorwurf gegen die Linke ist also spiegelbildlich auch auf die andere Seite anzuwenden.


Was ist denn der angebliche Hauptschauplatz?

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Für Barnscheidt ist „Bewohnerparken nicht vom Tisch“
Für Barnscheidt ist „Bewohnerparken nicht vom Tisch“
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2013-01-08 06:00
Essen, Bürgermeister, Gerhard Barnscheidt, Michael Th. Roy, SPD, Interview, Mehrgenerationenspielsplatz
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