Für Barnscheidt ist „Bewohnerparken nicht vom Tisch“

Gerhard Barnscheidt löste vor einem Jahr Michael Th. Roy als Bezirksbürgermeister ab.
Gerhard Barnscheidt löste vor einem Jahr Michael Th. Roy als Bezirksbürgermeister ab.
Foto: WAZ FotoPool
Nach einem Jahr im Amt blickt Bezirksbürgermeister Gerhard Barnscheidt auf die Arbeit der Bezirksvertretung II zurück, in der es mitunter recht kontrovers zugeht. „Mit Friede, Freude, Eierkuchen kommt man nicht weit“, hält Barnscheidt entgegen und gibt einen Ausblick auf das politische Jahr 2013.

Essen-Süd.. Er gilt gemeinhin als ruhiger Typ, der lieber aus dem Hintergrund die Fäden spinnt. Vor knapp einem Jahr trat Gerhard Barnscheidt (67) die Nachfolge des umstrittenen SPD-Parteikollegen Michael Th. Roy an, nachdem dieser von seinem Amt als Bezirksbürgermeister zurück getreten war. Im Interview blickt Barnscheidt auf sein erstes Jahr zurück - und gibt einen Ausblick, was noch auf seiner politischen Agenda steht.

Wie fällt Ihre Bilanz nach einem Jahr als Bezirksbürgermeister aus?

Gerhard Barnscheidt: Durchweg positiv. Für mich ist vor allem der Mehrgenerationenspielplatz an der Paulinenstraße eine schöne Erfolgsgeschichte. Trotz politischer Widerstände haben wir uns für die Investition von 50.000 Euro an dieser Stelle eingesetzt. In vielen Gesprächen mit der Verkehrsgesellschaft Via haben wir außerdem erreicht, dass die Evag-Masten an der Friederikenstraße entfernt werden. Ähnlich Druck gemacht haben wir beim alten Rathaus Rellinghausen, dessen Verkauf so verhindert werden konnte.

Auf welche Widerstände sind Sie in Ihrer Arbeit gestoßen?

Barnscheidt: Ein Thema, das uns weiter beschäftigt, ist etwa der Schrottplatz in Rellinghausen, bei dessen Verlegung wir uns auch mehr Hilfe von der Verwaltung erhofft hätten. Wir haben dem Verwerter 17 alternative Standorte angeboten, bislang ohne Erfolg; er beruft sich auf seinen Vertrag. Ähnlich zäh sind die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn in Sachen Bahnhof Stadtwald. Der Aufzug dort muss kommen. Auch beim Thema Straßenumbenennung stießen wir auf Widerstände.

Bereuen Sie es, die Bürger bei diesem Thema nicht früher mit ins Boot geholt zu haben?

Barnscheidt: Das Argument, wir hätten den Bürger nicht gefragt, ist nicht richtig. Wir hatten das Thema auf der Tagesordnung und auch bei dieser Sitzung gab es im Vorfeld eine Einwohnerfragestunde. Zu einer neutralen Diskussion dort kam es aber gar nicht erst, weil schon kurz nach Bekanntwerden der Tagesordnung über die geplante Umbenennung berichtet wurde.

Beschlossen haben Sie die Umbenennung dann aber trotz Protestes. Eine richtige Entscheidung?

Barnscheidt: Unbedingt. Eigentlich hätte das schon nach 1945 erledigt werden müssen, die Alliierten hatten die Stadt Essen schließlich auch dazu aufgefordert. Es gab in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder den Ansatz zur Rückbenennung, wir hatten schließlich die nötige politische Mehrheit, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Dass es nun zum Bürgerentscheid kommt, finde ich gut. Am Ende erwarte ich aber, dass es bei der von uns beschlossenen Umbenennung bleibt.

Das Thema spaltet die Bezirksvertretung - wie so oft. Geht Ihnen die Streitkultur manchmal zu weit?

Barnscheidt: Herrschte bei jeder Sitzung nur Friede, Freude, Eierkuchen, liefe etwas falsch. Es braucht die politische Debatte, um vorwärts zu kommen. Etwas mehr Sachlichkeit wäre manchmal wünschenswert, es darf nicht persönlich werden, wenn viele Politiker-Temperamente aufeinander treffen. Da gilt es als Bezirksbürgermeister, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Was erhoffen Sie sich politisch vom Jahr 2013?

Barnscheidt: Für mich ist die Bewohnerparkregelung noch nicht vom Tisch. Die Pläne liegen zu 95 Prozent fertig in der Schublade. Sie, wie geschehen, auf Eis zu legen, ist nicht der richtige Weg und Geld-Verschwendung. Wir dürfen nicht nur an Geschäftsleute und Besucher denken, sondern müssen uns um Bürgerbelange kümmern. Bei diesem Thema möchte ich noch einmal nachfassen.

Kleine Schritte im demografischen Wandel

Wie muss sich der Bezirk II für den demografischen Wandel aufstellen?

Barnscheidt: Als Bezirksvertretung setzen wir uns vor allem für barrierefreie Maßnahmen ein, etwa das Absenken der Bürgersteige. Auch das Aufstellen von Ruhe-Bänken ist ein kleiner Schritt. Ich werde mich vor allem - sowohl mit der BV als auch innerhalb des Seniorenbeirats - weiterhin für Toiletten am Eingang des Grugaparks einsetzen.

Warum bewegt sich bei diesem Thema nichts?

Barnscheidt: Das Thema bewegt uns schon lange. Bei diversen Ortsbesichtigungen haben wir uns ein Bild von dem unhaltbaren Zustand der mittlerweile stillgelegten Toiletten an der einen Seite der Messe und im Grugapark-Turm gemacht. Laut Grün&Gruga ist schlichtweg kein Geld da. In dem Turm wird jetzt eine Toilette mit Mitteln des Landschaftsverbands Rheinland behindertengerecht umgebaut. Das stille Örtchen daneben bleibt in seinem verwahrlosten Zustand.

Wie beurteilen Sie die Lebenssituation für Senioren im Süden insgesamt?

Barnscheidt: Generell versuchen wir, die Stadtteilzentren zu stärken, um so eine Versorgung der kurzen Wege zu schaffen. Bei meinen Glückwunsch-Touren zu Bürgern, die über 90 Jahre alt sind, bin ich zudem immer erstaunt, wie viele und gute Pflege- und Seniorenheime es im Essener Süden gibt.

Nun wollen aber ja nicht alle alten Menschen in einem Seniorenheim ihren Lebensabend verbringen.

Barnscheidt: Das ist richtig. Ein Problem sehe ich tatsächlich darin, dass barrierefreie Neubauprojekte etwa in Stadtteilen wie Rüttenscheid häufig hochpreisig sind. Menschen mit kleiner Rente haben so kaum eine Chance. Sorgen bereitet mit auch das Projekt „Rüttenscheider Gärten“, zumindest im Bereich der Gummertstraße. Politisch haben wir kaum Handlungsspielraum, da die Entscheidung letztlich beim Eigentümer, in diesem Fall also Immeo, liegt.

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