Franziskaner-Patres packen im Südostviertel mit an

Pater Georg vor dem Franziskaner-Kloster im Südostviertel.
Pater Georg vor dem Franziskaner-Kloster im Südostviertel.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Vor 50 Jahren bezogen die Brüder ihr Kloster an der Franziskanerstraße. Pater Georg ist Pastor von Heilig Kreuz und Hausoberer.

Essen-Südostviertel.. Seit 50 Jahren leben und arbeiten Franziskaner-Patres in ihrem Kloster an der Franziskanerstraße. Sie leisten Gemeindearbeit in Heilig Kreuz und kümmern sich um die Menschen im Stadtteil. „Es ist im Sinne unseres Ordensgründers Franziskus, dass wir uns nicht hinter Klostermauern verschanzen, sondern herausgehen zu den Menschen und uns für mehr Wohn- und Lebensqualität einsetzen“, sagt Pater Georg Scholles (53), Hausoberer und Pastor von Heilig Kreuz.

Von außen wirkt das Kloster eher wie ein normales Wohnhaus. Seit dem Tod eines Bruders vor einigen Monaten sind die Franziskaner nur noch zu dritt. Sie teilen sich Kapelle und Garten, Küche, Ess- und Wohnzimmer. Jeder hat ein eigenes Zimmer mit Nasszelle. „Das hier ist eine Kombination aus Ordensleben und familiärer Struktur“, erklärt Pater Georg, der aus Mönchengladbach stammt. Wie seine Mitbrüder ist er Priester, was bei den Franziskanern keine Pflicht ist. Nicht immer tragen die Brüder ihre charakteristische Tracht, das braune, lange Gewand mit der hellen Kordel.

Handy und Computer im Franziskanerkloster

Die drei Brüder versuchen, trotz ihrer Aufgaben als Pastor, Obdachlosenseelsorger und Betreuer der italienischen Christen, möglichst viel Zeit am Tag gemeinsam zu verbringen. Dazu gehören das Morgengebet in der Hauskapelle um 7.30 Uhr, Frühstück, das Abendgebet um 18 Uhr und manchmal auch das Mittagsessen, falls es der Dienst zulässt. „Dienstags und donnerstags gehen wir in den Gemeindesaal zum Mittagstisch, auch um uns dort sehen zu lassen und mit den Bürgern zu essen“, erklärt Pater Georg. Ansonsten wäscht, kocht und putzt eine Hauswirtschafterin für die Patres. „Wir selbst bekommen kein Gehalt, haben kein eigenes Einkommen. Aber wir haben vom Orden ja die Versorgungszusage, also Kost und Logis frei. Unsere Arbeit bekommt der Orden vom Bistum vergütet“, erläutert Pater Georg.

Mit dem Eintritt in den Orden haben sich die Franziskaner zu Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam verpflichtet. „Das heißt nicht, dass wir keine Handys oder Computer haben, denn die brauchen wir ja für die Arbeit. Aber es muss ja nicht immer das neueste Modell sein. Man kann auch etwas besitzen, ohne davon besessen zu sein“, so der Pater. Die Maßgabe, auf Besitz zu verzichten, gehe über materielle Dinge hinaus. So sei es bei den Franziskanern nicht üblich, Ämter und Funktionen für lange Zeit innezuhaben. Versetzungen seien durchaus an der Tagesordnung. „Auch an Posten soll man nicht kleben“, sagt Pater Georg, der seit 2010 Hausoberer ist. „Das wird man auf drei Jahre. Man kann aber wiedergewählt werden. Auch eine dritte Amtszeit ist theoretisch möglich.“ Er sei nicht Chef der Mitbrüder, sondern sehe es als seine Aufgabe an sich um ihr Wohlergehen zu kümmern.

Franziskaner seit 1904 in Essen

Seit 1904 wirkten vier Franziskaner in Essen, kümmerten sich damals auch um die polnischen Bergleute. Zunächst entstand ein kleines Kloster mit Kapelle, die Kirche Heilig Kreuz existierte noch nicht. „Hier war ja damals noch fast alles unbebaut. Der Stadtteil wuchs erst später“, blickt Pater Georg – Georg ist übrigens sein Tauf- und kein Ordensname – auf die Anfänge zurück. Im Laufe der Zeit wurden immer mehr Häuser gebaut, die soziale Struktur veränderte sich. „Daran ist auch der Bau der A 40 nicht unschuldig“, so der Pater. Die Autobahn machte das Südostviertel als Wohnstadtteil unattraktiver. Heute leben viele Menschen mit Migrationshintergrund dort. Die Infrastruktur könnte besser sein, findet der Pater. Es gebe kaum Ärzte und im Umfeld der Franziskanerstraße nicht einmal ein richtiges Lebensmittelgeschäft. Vor diesem Hintergrund sei das Südostviertel eigentlich ein guter Ort für Franziskaner, die sich in der Nachfolge des heiligen Franz von Assisi sich „um die Armen, die an den Rand gedrängten“ kümmerten.

„Wir sollen nicht nur das Evangelium verkünden und vorleben, sondern auch unseren Lebensunterhalt durch Arbeit verdienen und in unserem Umfeld dort anpacken, wo wir gebraucht werden“, erläutert Pater Georg die Philosophie des Ordens. So gründete der frühere Pfarrer und Hausobere, der inzwischen verstorbene Pater Christoph, die Bürgerinitiative Südostviertel mit, die sich seit 20 Jahren für ein gutes Miteinander im Stadtteil einsetzt. Nach ihm wurde sogar bereits ein Platz im Stadtteil benannt.

Das benachbarte bischöfliche Abendgymnasium steht übrigens auch auf ehemaligen Klostergrundstück. Der Orden hatte das Gelände verkauft, als es für die wenigen Patres zu groß geworden war.