Fotoausstellung zeigt ein Stück Haarzopfer Identität

Eines der Bilder aus der Ausstellung: Familie Sandgathe bei der Ernte.
Eines der Bilder aus der Ausstellung: Familie Sandgathe bei der Ernte.
Foto: Essen
Was wir bereits wissen
Noch bis Mittwoch, 25. Februar, zeigt eine Ausstellung im Marie-Juchacz-Haus rund 100 Bilder aus Haarzopf aus der Zeit von 1915 bis 1975.

Essen-Haarzopf..  Einrichtungsleiter Andreas Möller hat Mühe, zur Eröffnung der Foto-Ausstellung „800 Jahre Haarzopf“ etwas Ruhe in den Gemeinschaftsraum des Marie-Juchacz-Hauses zu bringen. Rege tauschen sich Bewohner und Besucher über die Bilder aus, die ein Stück Identität des Stadtteils abbilden.

Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt Kurt Schwalenstöcker an der Hand seiner Mutter Käthe. „Das war 1941/1942, ich war damals etwa zweieinhalb Jahre alt. Da war hier noch ganz viel freies Feld“, erinnert sich der Ur-Haarzopfer. So darf man sich nennen, wenn man im Stadtteil geboren ist, mindestens 50 Jahre dort gelebt hat und Haarzopfs tierisches Wahrzeichen – eine Bergmannskuh – besessen hat.

Kindheit mit Entbehrungen

Eine Ziege konnte Gerd Schraven (77) zwar noch nie sein Eigen nennen. Alles andere trifft aber auf ihn zu. Bei dem Rentner wecken die Bilder Erinnerungen an eine glückliche Kindheit – wenngleich sie voller Entbehrungen war: „Mein glücklichster Moment war, als ein Transporter gegenüber der Raadter Schule drei Laibe Brot verlor. So schnell bin ich wohl noch nie gerannt.“ Viele Betrachter verlieren sich an diesem Vormittag in den 100 Bildern aus den Jahren 1915 bis 1975.

Sie zeigen prägende Gebäude wie den Eichholzhof ebenso wie unzählige Haarzopfer – Schüler, Soldaten, Arbeiter. Die Fotoausstellung erzählt auch vom rasanten Wandel, den Haarzopf vom einstigen Bauern- und Bergarbeiterdorf zur beliebten Wohnsiedlung erlebt hat. Zu verdanken ist das Herbert Fries, der einen Großteil der Bilder zur Verfügung stellte. Tim Holland vom zentralen sozialen Dienst des Awo-Altenheims würde dieses Archiv gerne noch erweitern: „Wir planen noch weitere Ausstellungen und würden gerne ein Bilder-Archiv für den Stadtteil etablieren“, sagt Holland. Schließlich sei mit den Bewohnern auch das Gedächtnis Haarzopfs dort zu Hause. Holland digitalisiert die Aufnahmen; die Originale gehen an die Besitzer zurück. Info auch unter: 8 71 60.