Flagge zeigen
13.11.2008 | 16:15 Uhr 2008-11-13T16:15:24+0100"Rock gegen Rechts" im Falkenzentrum Süd. Ein Abend im Zeichen der Erinnerung und der Warnung. "Stark machen für die Demokratie"
Holsterhausen. Während im Hintergrund noch die Akkustik optimiert wurde, versammelten sich im Eingangsbereich des Falkenzentrums Süd schon zahlreiche Jugendliche. Langweilig war es auch hier nicht. Es gab Informationsstände, unter anderem von den Jusos, der DGB-Jugend und der Partei Die Linke. An den Wänden hingen Bilder von der letzten Gedenkstättenfahrt des Falkenzentrums. Ein Abend im Zeichen der Erinnerung und der Warnung. Erinnerung an die Opfer der Nationalsozialisten, Warnung vor neuen rechten Bewegungen.
"Es ist sehr viel rechte Musik im Umlauf. Die CDs werden einfach an den Schulhöfen verteilt", berichtete Angelika Actun vom Falkenzentrum Süd. Mit dem Konzertabend wolle man dieser Entwicklung etwas entgegensetzen. Seit fünf Jahren gibt es die Aktion "Rock gegen Rechts" nun schon. "Wir haben früher aber auch schon ähnliche Veranstaltungen organisiert", erklärte die Diplom-Sozialpädagogin Actun. Es sei wichtig, die Jugendlichen immer wieder für das Thema Rechtsextremismus zu sensibilisieren.
Jugendliche wie Jana Schumacher (14) und Marie Pätzold (15). Die beiden Mädchen stehen im Pulk der Konzertbesucher. "Wir sind wegen HSE hier", schreien sie gegen den Lärm im Hintergrund an. Die Gruppe HSE-Hubschraubereinsatz sei einfach ziemlich cool. Der Gedanke an das Motto der Veranstaltung kommt erst etwas später auf: "Ach ja, natürlich ist es auch wichtig, sich gegen Rechts zu engagieren", geben die Mädels zu Protokoll, bevor es in den Konzertraum geht.
"Wir müssen die Jugendlichen dort abholen, wo sie sind", bekräftigte Organisatorin Angelika Actun. Die Kombination von Jugendkultur und politischer Aufklärung sei sehr effektiv. Leider wissen das auch die Rechten. "Es gibt kein besseres Mittel als Musik, um die Jugend für unsere Ideen zu begeistern", sagte einst der Sänger einer neonazistischen Musikgruppe aus Großbritannien.
Um hier gegenzusteuern, setzen sich junge Nachwuchsbands wie HSE, A.I.O., Addictive oder Maestra gerne ein. "Wir finden es sehr wichtig, uns gegen Rechts und für die Demokratie stark zu machen", sagte Maestra-Bassist Christopher Schmidt (18) vor seinem Auftritt.
"Die Musik ist zwar nichts für mich, aber das Engagement finde ich toll", erklärte Cornelia Swillus Knöchel von der Partei Die Linke. "Es gibt immer weniger Zeitzeugen. Wir müssen dafür sorgen, dass das Thema nicht in Vergessenheit gerät", mahnte die Bezirksvertreterin. Da die Thematik oft verharmlost würde, sei es unabdingbar, Flagge zu zeigen und die Jugend aufzuklären. Am Tisch von Swillus-Knöchel gab es, wie an den anderen Ständen, jede Menge Informationsmaterial.
Auch die Ausstellung "Unvergesslich" sollte die Aufmerksamkeit der Jugendlichen erregen. Die Teilnehmer der letzten Gedenkstättenfahrt des Falkenzentrums Süd hatten ihre Eindrücke in Fotocollagen verarbeitet. "Die Fahrt zu den Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora hat uns alle sehr bewegt", erzählten Rebecca Leichert und Vanessa Sydow (beide 16). Sie gestalteten die Fotoausstellung maßgeblich mit und halfen am Konzertabend als Bandbetreuerinnen aus.
Die vielen Gäste im Falkenzentrum Süd wurden aufgeklärt und sensibilisiert, aber auch gut unterhalten. Die verschiedenen Rockgruppen trafen den Geschmack der jugendlichen Besucher und sorgten für gute Stimmung. Politisches Engagement und rockige Musik - das ist eben eine gute Kombination.
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