EU-Politiker für einen Tag

Die Shulministerin  Sylvia Löhrmann im Gespräch mit Schülern 11. Klasse, die die „S&D“ Fraktion bilden.
Die Shulministerin Sylvia Löhrmann im Gespräch mit Schülern 11. Klasse, die die „S&D“ Fraktion bilden.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Im Grashof-Gymnasium schlüpfen Schüler während eines Planspiels in die Rollen von Europa-Parlamentariern und diskutieren das Thema Asyl.

Essen-Bredeney..  Wie soll man mit dem steigenden Flüchtlingsaufkommen auf EU-Ebene umgehen? Die zentrale Frage, die dieser Tage nicht nur viele Politiker auf Bundes- und Europaebene umtreibt, mussten sich am Dienstag auch rund 50 Schüler des Grashof-Gymnasiums stellen. Dabei wurde ihnen klar: Über Politiker zu meckern ist leicht, es besser zu machen, nicht unbedingt.

Sollen Flüchtlinge schon in den Botschaften in ihrer Heimat einen Asylantrag stellen können? Wie werden Familien zusammengeführt? Müssen Asylbewerber Fingerabdrücke abgeben und per Handy immer erreichbar sein? Mit solcherlei Fragen, die sich aus einem fiktiven Parlamentsantrag ergeben, müssen sich die Schüler befassen. Denn beim „Planspiel Europa“ sind sie einen Tag lang in die Rollen der EU-Parlamentarier geschlüpft.

Bevor die Schüler in großer Runde diskutieren, beraten sie sich in Fraktionen. „Wir haben die Anzahl der beteiligten Fraktionen der Anzahl der Schüler angepasst“, begründet Noa Rijneven von den Jungen Europäischen Föderalisten (JEF), warum die drei kleinsten EU-Zusammenschlüsse wegfallen. Der Kommunalverband Ruhrgebiet der JEF hat das Planspiel zusammen mit der Info-Initiative „Europe Direct“ in die Bredeneyer Europaschule gebracht. Vertreter der JEF sind es auch, die die jeweiligen Fraktionen auf Zeit begleiten – und zu gegebener Zeit Hilfestellung geben. „Spannend ist, dass die Schüler nicht ihre eigene Meinung vertreten, sondern den Standpunkt ihrer Fraktion“, so JEF-Mitglied Jan-Philipp Zimmermann, der die sechs Schüler der „Allianz der Liberalen und Demokraten Europas“ (ALDE) betreut.

Bereits im Vorfeld konnten sich die Schüler zwischen der ALDE, der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP), der progressiven Allianz der Sozialdemokraten (S&D), den rechtspopulistischen Europäischen Konservativen und Reformern (EKR) und den Vereinten Europäischen Linken/Nordischen Grünen Linken (GUE/NGL) entscheiden. Beiblätter haben sie über die Standpunkte der Fraktionen zum Thema Asyl informiert. „Die meisten kennen die deutschen Parteien, die europäischen Fraktionen unterscheiden sich jedoch oftmals stark“, so Zimmermann. Das beweist auch die Diskussion der ALDE-Gruppe: „Wir müssen die Flüchtlingsverteilung auch auf regionaler Ebene regeln“, sagt der Elftklässler Linus und hat dabei die FDP-typische „obere Mittelschicht“ als Wähler im Kopf, „die keine Asylbewerber vor ihrer Haustür möchten“. Mitschülerin Celina widerspricht: „Die ALDE ist im Ganzen wesentlich linksliberaler eingestellt.“ Zudem würde es gegen die liberale Grundeinstellung für mehr Selbstbestimmung sprechen, wenn die EU den Staaten weitere Vorschriften mache.

Ein Antrag – und etliche „Teufel im Detail“, die die Schüler diskutieren müssen. Die Tagesveranstaltung zeigt den Schülern vor allem eins: Wer denkt, Politiker hätten es leicht, hat keine Ahnung.