Essener Südviertel trauert um seinen Kaiser’s-Supermarkt

Der Kaiser’s an der Rellinghauser Straße  gehört zu den umsatzstärksten in ganz NRW.
Der Kaiser’s an der Rellinghauser Straße gehört zu den umsatzstärksten in ganz NRW.
Foto: Socrates Tassos
Was wir bereits wissen
Der Supermarkt an der Rellinghauser Straße ist das Zentrum im Quartier. Viele Stammkunden sorgen sich um die Mitarbeiter. Deren Zukunft ist ungewiss

Essen-Südviertel.. Ein ganz normaler Dienstagmorgen bei Kaiser’s im Südviertel: Die Kunden kommen und gehen, viele sind zu Fuß unterwegs. Zwei, drei stehen vor der gläsernen Eingangstür und reden ein wenig aufgeregt miteinander. Ihr Thema: Der bevorstehende Verkauf des Supermarktes.

„Mir ist egal, wer das kauft, Hauptsache die Mitarbeiter behalten ihren Job“, sagt Ursula Paulekat. Seit 40 Jahren geht sie hier einkaufen, wohnt direkt um die Ecke. „Ich kenne alle an der Kasse, an der Wurst- und der Gemüsetheke.“ Für die Stammkundin ist der tägliche Einkauf auch ein Stück sozialer Kontakt. „Das ist eben kein anonymer Laden, sondern mein Kaiser’s.“

Die Filiale wurde erst 2008 umfassend modernisiert

Vorzeitiger Verkauf der ersten 97 Supermärkte

Wie sie fühlen die meisten Stammkunden. Denn der große Lebensmittelladen ist sowas wie das Zentrum im Südviertel. Man kennt sich, trifft beim Einkauf Nachbarn und Freunde, wird an der Kasse mit Namen begrüßt, trinkt nach dem Einkauf beim Bäcker nebenan noch einen Kaffee. Jahrelang gehörte die Filiale, die 2008 modernisiert und erweitert wurde, zu den umsatzstärksten im ganzen Ruhrgebiet. Regelmäßig sind samstagmittags die Parkplätze voll, die Einkaufswagen vergriffen und die Schlangen vor den Kassen meterlang.

Ob das alles bald der Vergangenheit angehört, weiß keiner. Nur, dass der Kaiser’s auf der Rellinghauser Straße bald nicht mehr so heißen wird. Seit zwei Jahren schon will Tengelmann seine Lebensmittelkette loswerden, erst an Edeka, jetzt, nachdem die Übernahme gescheitert ist, an denjenigen, der den Kaufpreis zahlt.

Viele Mitarbeiter schon länger als 20 Jahre am Standort

Lokale Wirtschaft Genauso lange schweben die Mitarbeiter im luftleeren Raum; sie alle haben inzwischen berechtigte Angst um ihre Zukunft. Vielleicht will sich deswegen keiner der knapp 50 Verkäufer und Verkäuferinnen, darunter viele, die über 20 Jahre an der Rellinghauser Straße arbeiten, öffentlich äußern. Nur eine, die anonym bleiben möchte, gibt einen Kommentar ab: „Für mich ist das eine Achterbahnfahrt. Ich mag nicht daran denken, was kommt.“ Seit 20 Jahren arbeitet sie für Kaiser’s, ist mittlerweile 59. „Zu jung für die Rente, zu alt, um einen neuen Job zu bekommen“, sagt sie resigniert. Aber sie berichtet auch von unzähligen Kunden, die sich erkundigen, ihr Mitgefühl äußern, helfen wollen, aber ratlos sind.

So wie Heinz Kohlhoff, Kunde seit 35 Jahren: „Dieser Supermarkt ist ganz wichtig fürs Viertel. Sonst gibt es ja nichts hier.“ Er glaubt nicht, dass der Standort aufgegeben wird, dafür sei die Frequenz zu hoch. „Aber wie mit den Mitarbeitern umgegangen wird, ist skandalös. Für die da oben sind Menschen nur noch Nummern“, empört er sich. Und Ute Märker, ebenfalls Kundin seit zig Jahren, fügt hinzu: „Das ist mein Lieblingskaiser’s. Gut sortiert, hell und freundlich.“ Sie hofft, das wieder ein Laden mit Vollsortiment kommt. Und dass alle Mitarbeiter übernommen werden. „Das ist auch ein wenig meine Familie.“

Wie es um die Kaiser's-Filiale in Kettwig steht, lesen Sie hier.