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Essener Schwestern verkaufen selbst entworfene Tierurnen

06.11.2012 | 18:44 Uhr
Essener Schwestern verkaufen selbst entworfene Tierurnen
Mit selbst entworfenen Tierurnen haben sich die Schwestern Valeska (l.) und Meike Bäumer selbstständig gemacht.Foto: Olaf Fuhrmann

Stadtwald.   Die Schwestern Meike und Valeska Bäumer haben sich mit einer ungewöhnlichen Geschäftsidee selbstständig gemacht: Sie entwerfen und vertreiben Tierurnen und andere Produkte für die Tierbestattung. Damit haben sie offenbar nicht nur eine Marktlücke entdeckt, sondern auch ihre Berufung gefunden.

Den Mut, sich mit einer ebenso ungewöhnlichen wie gewöhnungsbedürftigen Geschäftsidee selbstständig zu machen, haben die Essener Schwestern Meike (32) und Valeska Bäumer (30) vor rund einem Jahr bewiesen. Sie gründeten die Firma „Barboleta - Design für Tiere“ - und haben sich auf selbst entworfene Urnen und besondere Schmuckstücke wie Ketten- oder Schlüsselanhänger spezialisiert. Darin lassen sich beispielsweise Asche oder - auch zu Lebzeiten des Tieres - Zähne oder Haare verschließen.

Schwestern geben Tipps zum Thema Tierbestattung

Was seltsam klingt, scheint eine echte Marktlücke zu sein. Zwar können die beiden jungen Frauen noch nicht komplett von ihrer Geschäftsidee leben und arbeiten nebenher bei einer Spedition beziehungsweise einem Pflegedienst, aber sie sind nach eigener Einschätzung auf einem guten Weg. „Im letzten Jahr haben wir knapp 300 Urnen verkauft, in diesem sind es bisher an die 500“, hoffen die Schwestern, ihren Lebensunterhalt irgendwann aus der eigenen Firma bestreiten zu können.

Im Büro eines Pflegedienstes am Stadtwaldplatz ist die kleine Firma derzeit angesiedelt. Dort führen Meike und Valeska Bäumer Kundengespräche, geben Tipps zum Thema Tierbestattung, vermitteln Kontakte - und zeigen ihre Produkte, vom einfachen Stoffsäckchen zu drei Euro über Holzkisten bis zur herzförmigen Urne auf einem Metallständer für 150 Euro.

Während Valeska Bäumer früher als Maskenbildnerin arbeitete, wollte Meike Bäumer nach der Ausbildung zur Goldschmiedin ursprünglich noch Schmuck- und Edelsteindesign in Idar-Oberstein studieren. „Das war aber irgendwie nicht meine Welt dort. Ich fühle mich schon eher in der Großstadt wohl“, brach Meike Bäumer das Projekt vorzeitig ab und schrieb sich in Düsseldorf für Produkt- und Schmuckdesign ein. Für ihre Abschlussarbeit wollte sie das Thema „Spielzeug für alte Menschen“ bearbeiten - bis ihr Professor sie auf „Tod und Tiere“ brachte. „Dafür sei ich vorherbestimmt, meinte er. Und hatte irgendwie Recht“, blickt Meike Bäumer zurück, die selbst immer Tiere hatte.

Tiere sind oft Lebenspartner

Die positive Resonanz bei der öffentlichen Examenspräsentation und der Wunsch ihres Professors, sie solle sich doch intensiver mit dem Thema beschäftigen, bestärken sie, weiterzumachen. „Das Thema Tiere und der Umgang mit deren Tod gewinnt in der Gesellschaft immer mehr an Bedeutung. Viele Menschen, besonders ältere, sind vereinsamt. Für sie sind Tiere oft Lebenspartner oder Kindersatz“, ist Meike Bäumer überzeugt.

Wenn das Haustier stirbt, wird ein Kind oft erstmals mit dem Tod konfrontiert - und der Umgang damit kann für das weitere Leben prägend sein, findet Valeska Bäumer. Gemeinsam mit ihrer Schwester Meike Bäumer hat sie deshalb ein Konzept für ein Kinderbuch zum Thema „Tod und Tiere“ in der Schublade liegen - ein Partner zur Veröffentlichung wird noch gesucht. „Schon heute besuchen wir Schulen und Kindergärten, halten Vorträge, informieren“, sagt Valeska Bäumer, die bei „Barboleta“ für den Formenbau zuständig ist. Die Schwestern begleiten die Produktion vom ersten Bleistiftstrich bis zur fertigen Urne, gehen auf die Kundenwünsche ein.

Keine festen Geschäftszeiten

Feste Geschäftszeiten können die beiden Existenzgründerinnen nicht anbieten - was nicht nur an ihren anderen Jobs liegt. „Wir präsentieren uns ja oft auf Messen in ganz Deutschland“, erklärt Meike Bäumer. „Wir haben im ersten Jahr viele Kontakte geknüpft, und die zarten Pflänzchen, die wir gesät haben, gehen jetzt langsam auf“, freut sie sich. Und da sich niemand gern mit den Thema Tod beschäftigt, tackern sie verpackte Hundeleckerchen an ihre Prospekte. „Die nehmen die Leute dann gern mit für ihre Lieblinge - und werfen dann vielleicht doch mal einen Blick in den Flyer“, sagt die 32-Jährige.

Infos unter 0201 / 68 52 52 9 oder www.barboleta.de.

Elli Schulz



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