Eine Ruheinsel in der Großstadt-Hektik direkt an der Rü

Hängen wie viele mit ihren Herzen an der Kapelle: Diakon Ludwig Steinberg, Gemeindereferentin Verena Wendt-Corneli und Domkaplan Hans-Werner Thönnes.
Hängen wie viele mit ihren Herzen an der Kapelle: Diakon Ludwig Steinberg, Gemeindereferentin Verena Wendt-Corneli und Domkaplan Hans-Werner Thönnes.
Foto: Socrates Tassos/FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Draußen rauscht der Feierabendverkehr vorbei. Eingepfercht zwischen Hotel, Verkehr und Einkaufsmeile steht die Siechenhauskapelle direkt an der Rü.

Rüttenscheid.. Draußen rauscht der Feierabendverkehr vorbei, hektisch eilen Passanten mit voll bepackten Einkaufstüten an ihr vorbei. Eingepfercht zwischen Hotel, Verkehr und Einkaufsmeile, wirkt die Siechenhauskapelle mitten auf der Rüttenscheider Straße wie ein Fels in der Brandung. Und das schon ziemlich lange: 1445 als Anlaufstelle für Kranke errichtet, zählt sie zu den ältesten Gotteshäusern der Stadt.

Kapelle sollte Neubau weichen

Dass eine solche Ruheinsel auch in Zeiten zunehmender Kirchenaustritte noch immer benötigt wird, weiß Domkapitular Dr. Hans-Werner Thönnes: „Der Bedarf ist da, die Kapelle ist speziell zu den Gottesdiensten mittwochabends voll. Aber auch sonst kommen viele Menschen hierher, um einen Moment der Stille zu genießen.“ Thönnes selbst besuchte die Kapelle 1979 zum ersten Mal, als er Kaplan in der Rüttenscheider Ludgerusgemeinde war. „Ein wunderbarer Ort, das war mein erster Gedanke“, erinnert sich Thönnes.

Diesen zu erhalten, hat sich die Gemeinschaft Siechenhauskapelle bereits 1970 zum Ziel gesetzt. „Damals wurde die Kapelle vor ihrem Abriss bewahrt: Zuvor gab es Bestrebungen, die Fläche ebenfalls für Neubebauung zu nutzen“, weiß Ursula Disse, die sich gemeinsam mit Ehemann Franz-Josef von Beginn an für den Erhalt der Kapelle einsetzte. „Wir kommen häufig hierher, um abzuschalten. Vor allem das Samstagsgebet wird wahnsinnig gut angenommen. Für viele Menschen, die vom Rüttenscheider Markt kommen, gehört es mittlerweile fest dazu“, weiß Ursula Disse.

Kapellenfest als Dankeschön für Unterstützer

Ohne Ehrenamt und finanzielle Unterstützung würde die Kapelle heute vermutlich nicht mehr stehen, weiß auch Hans-Werner Thönnes: „Stellvertretend für viele stand hier Willi Kierdorf, der sich bis zu seinem Tod 2012 hier stark engagierte.“ Kierdorf läutete sogar die Glocken von Hand, vier Jahrzehnte lang. Das Ehepaar Hebenstreit hat das Amt als Ansprechpartner und Kümmerer von Kierdorf übernommen. Sie schließen die Kapelle täglich um 9 Uhr auf und um 18 Uhr wieder ab, kümmern sich um frische Blumen und neue Kerzen für den Opferstock.

Einmal im Jahr wird für alle Förderer als Dankeschön ein Kapellenfest im intimen Rahmen auf die Beine gestellt. Rund 50 Gäste kamen auch jetzt wieder zusammen, um die kleine Kapelle, die eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat, zu feiern. Dabei war auch die jüngste Vergangenheit von einigen Tiefschlägen geprägt: So rissen jugendliche Randalierer im Jahr 2012 die Christusfigur vom Kreuz und sorgten damit für einen Sturm der Entrüstung. Aber auch das kann dem Kleinod nichts anhaben, das in der Vergangenheit immer wieder aufgebaut und restauriert wurde. Weil das Herz so vieler Menschen an ihr hängt.

Öffnungszeiten der Kapelle: täglich von 9 bis 18 Uhr; mittwochs um 18.30 Uhr hl. Messe, samstags um 12 Uhr Mittagsgebet (außer in den Ferien).