Drohender Abriss auf Reiterhof: Großfamilie fürchtet um die Existenz

Die Familie Adams/Finke hat Sorgen: (v.l.) Peter Adams, Adriana (8), Rabea Finke, Tayler (5), Shari (10), Silas (6).
Die Familie Adams/Finke hat Sorgen: (v.l.) Peter Adams, Adriana (8), Rabea Finke, Tayler (5), Shari (10), Silas (6).
Foto: Funke Foto Services
Die Betreiber des Reiterhofs Adams im Walpurgistal in Essen sollen Gebäude abreißen. Laut Stadt fehlt in acht Fällen die Baugenehmigung, die Gebäude seien marode. Die Familie fürchtet um ihre Existenz.

Essen-Bergerhausen.. Um ihre Existenz fürchten Peter Adams (49) und seine Lebensgefährtin Rabea Finke (43). Seit acht Jahren betreiben sie den Reiterhof Adams im Walpurgistal in Essen. Vorher war das Familienunternehmen 36 Jahre lang in Heisingen ansässig, musste dort aufgrund eines Bauprojekts weichen, wie Peter Adams berichtet. Jetzt verlangt das Bauordnungsamt, dass ein großer Teil der Anlage abgerissen wird, da dafür keine Baugenehmigung vorliege.

29 Pferde stehen in den Boxen, Kinder mit und ohne Behinderung, aber auch Erwachsene erhalten auf dem Hof Reitunterricht, es finden Ferienspatzaktionen statt. „Wenn die Stadt bei der Abrissforderung bleibt, ist das das Ende unseres Betriebs, denn neben Halle, Laube und Bauwagen sollen auch drei Viertel der Pferdeboxen weg“, erklärt Adams. Die Familie, das achte Kind ist unterwegs, lebt in einem Bungalow auf dem Gelände. Laut Adams umfasst das Areal fast drei Hektar, wegen der Stadtwerke-Baustelle sei ein Teil nicht nutzbar. Als sie nach Bergerhausen gezogen seien, hätten dort drei Viertel der Stallungen und Gebäude bereits gestanden, denn seit Jahrzehnten habe es dort Reiterhöfe gegeben.

Viele der Gebäude wohl in den 1950er- oder 1960er-Jahren entstanden

Das bestätigt auch Peter Langwald, Verwalter der Rentei Schellenberg, von der die Familie das Land gepachtet hat. Er schätzt, dass viele der Gebäude in den 1950er- oder 1960er-Jahren entstanden seien. „Dass sich dort ein Reiterhof befindet, kann für die Stadt keine überraschende Erkenntnis gewesen sein“, so Langwald. Er sei sich sicher, dass der Abriss die Existenz der Familie vernichten würde. „Das wäre sehr schade“, hofft Langwald auf Hilfe für den Pächter seitens der Politik.

„Als wir die Gartenlaube errichteten, haben wir tatsächlich nicht nachgefragt, ob wir das dürfen“, gibt Adams zu. Auch eine Halle sei dazugekommen. Viele Jahre habe das offenbar niemanden gestört. Dann seien sie wohl angezeigt worden, vermutet Adams.

Im November 2014 sei jemand vom Bauordnungsamt vorbeigekommen. „Der verlangte den Abriss, weil die Gebäude einsturzgefährdet seien. Ein anderer Mitarbeiter der Stadt habe später aber Gesprächsbereitschaft signalisiert. Statt eines Gesprächstermins sei dann im März ein schriftlicher Bescheid gekommen, dass der Abriss innerhalb von vier Wochen erfolgen müsse. „Die Bauten sind keineswegs baufällig“, findet Adams. Selbst bei dem schweren Pfingststurm 2014 seien die Schäden sehr überschaubar und schnell zu beheben gewesen.

Hinweise von mehreren Eltern

Laut Jeanette von Lanken vom Stadtpresseamt gibt es für acht nachträglich errichtete Gebäude auf dem Gelände keine Genehmigung. Nur das Wohnhaus und ein Reitstall würden Bestandsschutz genießen. „Die Gebäude sind teils statisch nicht sicher und marode. Da müssen wir an die Kinder denken, die sich dort aufhalten“, sagt die Stadtsprecherin. Zudem sei ein nicht genehmigter Eingriff in das Natur- und Landschaftsbild erfolgt. Die Stadt sei auf die Probleme aufmerksam geworden, weil mehrere Eltern Zweifel an der Sicherheit der Reithalle geäußert hätten. „Noch befindet sich die Angelegenheit in der Anhörungsphase, das heißt, der Betreiber kann seine Stellungnahme mit dem Bauordnungsamt besprechen“, so von Lanken.

Sollte der Reiterhof tatsächlich schließen müssen, wäre davon nicht nur für die Familie Adams/Finke betroffen, die den Reiterhof betreibt. Auch für die Reitschüler wäre das „ein großer Verlust an Freizeitqualität“, findet jedenfalls Bettina Meschkat. Sie kennt den Hof, seit er im Walpurgistal angesiedelt ist.

Reiten ohne ein eigenes Pferd

Damals sei sie auf der Suche nach einem Hof gewesen, wo ihre damals sechsjährige Tochter reiten lernen konnte, ohne ein eigenes Pferd zu besitzen. „Solche Höfe gibt es kaum noch. Meist ist ein eigenes Pferd Pflicht“, sagt Bettina Meschkat, die zwei- bis dreimal pro Woche von Bergeborbeck bis nach Bergerhausen fährt, weil sie die Angebote auf dem Hof schätzt. Vor acht Jahren sei die Ausstattung noch spärlich gewesen. Im Laufe der Jahre habe der Betreiber dort aber viel erneuert und angelegt.

Inzwischen reitet Bettina Meschkat selbst. Sie leide unter chronischen Schmerzen, habe es irgendwann nach einem Tipp des Hofbetreibers mit Reiten versucht und damit gute Erfolge erzielt. „Natürlich bange ich ganz egoistisch um die Reitmöglichkeit für meine Tochter und mich. Was mich aber außerdem stört, ist die Tatsache, dass die Stadt rücksichtlos ihre Regeln und Richtlinien durchsetzen will, auch wenn die Existenz einer vielköpfigen Familie daran hängt“, sagt Bettina Meschkat.

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