Diese Liebe hält seit über 70 Jahren

Seit 70 Jahren glücklich  verheiratet sind  Irma und Helmut Gelhorn.
Seit 70 Jahren glücklich verheiratet sind Irma und Helmut Gelhorn.
Foto: Essen
Was wir bereits wissen
Seit 70 Jahren sind Irma (92) und Helmut Gelhorn (95) verheiratet. Das Ehepaar, das in Essen lebt, konnte jetzt das seltene Fest der Gnadenhochzeit feiern.

Essen.. „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals richtig gestritten haben“, sagt Irma Gelhorn (92) und streichelt die Hand ihres Mannes Helmut (95). Die Eheleute, die seit 17 Jahren im Wohnstift Augustinum leben, haben anstrengende Tage hinter sich: Sie feierten das sehr seltene Fest der Gnadenhochzeit. 70 Jahre ist es her, dass sie in St. Michaelisdonn, dem Heimatort von Irma Gelhorn in Schleswig-Holstein, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs heirateten.

„Wir wollten das unbedingt. Damals waren wir ja noch beide im Kriegseinsatz, hatten extra Heiratsurlaub beantragt“, sagt Helmut Gelhorn und zeigt auf das Hochzeitsbild – er in Uniform, sie im weißen langen Kleid, genäht von einer Cousine. „Ich bin zwar selbst Schneiderin. Aber das Hochzeitskleid näht man nicht selbst. Das bringt Unglück“, sagt Irma Gelhorn und lacht.

Alkohol habe es zum Fest nicht gegeben, dafür Apfelsaft, Brause und dank guter Kontakte zu einem Bauern auch Geflügel. Die Gästeliste hätte sich das junge Paar allerdings anders gewünscht: Die Väter waren beide schon tot, die Mutter des Bräutigams konnte kriegsbedingt nicht aus dem heimischen Magdeburg anreisen und erfuhr erst später von der Hochzeit. „Es waren nur alte Leute da, die jungen waren ja im Krieg“, erinnert sich Irma Gelhorn.

Tag der Gnadenhochzeit feierten sie mit Kindern, Enkeln und Urenkel

Der Magdeburger war 1939 kurzzeitig mit seiner Einheit in Schleswig-Holstein stationiert und bei den Großeltern seiner Zukünftigen untergebracht. Obwohl sie erst 15 war, als sie ihren Traumprinzen Helmut kennenlernte, hatte ihre Mutter nichts gegen die Eheschließung, auch wenn sie ihre Tochter nur ungern gehen ließ. „Du nimmst mir meinen Sonnenschein, hat sie zu Helmut gesagt“, so die Seniorin.

Als Helmut Gelhorn, der kaufmännischer Angestellter im Bereich Eisenwaren war, nach dem Krieg in Norddeutschland keine Arbeit fand, zog das Paar ins Ruhrgebiet. Dort war Gelhorn vier Jahre lang unter Tage im Bergbau tätig, dann über seine Gewerkschaftsaktivitäten im Büro. Seine Frau arbeitete als Schneiderin, kümmerte sich dann um Sohn und Tochter, die jetzt 70 und 66 Jahre alt sind. Gemeinsam mit ihnen, zwei Enkeln und einem Urenkel beging das Paar den Tag der Gnadenhochzeit.

Gnadenhochzeit begehen nur sehr wenige Paare

Die Freizeit verbrachten die Eheleute immer gemeinsam, verreisten, fuhren Rad oder segelten. Nach Helmut Gelhorns Pensionierung lebte das Paar noch mal 20 Jahre in Schleswig-Holstein, bevor es nach Essen näher zur Familie zog. „Das war ein großer Schritt, von einem Haus, wo wir auf vier Etagen wohnten, hier in die Zwei-Zimmer-Wohnung zu ziehen“, erinnert sich die Seniorin. Sie leitete viele Jahre die Handarbeitsgruppe im Augustinum, während ihr Mann das Leben im Seniorenstift mit der Video-Kamera dokumentierte. Die 92-Jährige steht bis heute um 6 Uhr auf, kümmert sich um die Wäsche, sorgt für Frühstück und Abendessen. Nur das Mittagessen nimmt das Paar im Restaurant des Seniorenheims ein.

Das Fest der Gnadenhochzeit begehen nur sehr wenige Paare. Unter den bei der Stadt angemeldeten Ehe-Jubiläen gab es in vielen Jahren, so auch 2014, keine Paar, das 70 Jahre verheiratet war. Ansonsten liegt die Quote bei ein bis drei Paaren pro Jahr. „Ausreißer war 2005 mit sieben Paaren“, erklärt Stadtsprecher Stefan Schulze.

„Nein, ein Geheimrezept für eine lange Ehe gibt es nicht“, sagt Helmut Gelhorn. „Man nimmt sich das ja nicht vor.“ Dass es so gekommen sei, mache sie dankbar und zufrieden. Die Gebrechen des Alters schrecken das Paar nicht: „Hauptsache, wir sind noch zusammen.“