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Interview

„Die Zusammenarbeit ist ausbaufähig“

31.07.2012 | 15:40 Uhr
„Die Zusammenarbeit ist ausbaufähig“
Der IGH-Vorsitzende Kai Strathmann auf der Gemarkenstraße. Foto: Lena Hedermann

Holsterhausen.   Kai Strathmann, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Holsterhausen, wünscht sich eine bessere Zusammenarbeit der Verbände im Stadtteil. Er appelliert zudem an die Hausbesitzer, größere Wohnungen für Familien zu schaffen und die Mieten für die Ladenlokale zu senken.

Auch wenn die Zeiten längst vorbei sind, in denen die Gemarkenstraße nach der Kettwiger Straße zu den wichtigsten Einkaufsmeilen der Stadt gehörte - die meisten Holsterhauser leben gern in ihrem Stadtteil. Probleme gibt es dort - wie vielerorts - mit Leerständen und brachliegenden Grundstücken. Elli Schulz sprach mit Kai Strathmann, dem Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Holsterhausen (IGH), zu der sich Kaufleute und interessierte Bürger zusammengeschlossen haben, über den Stadtteil, seine Gegenwart und Zukunft. Der 39-Jährige besitzt Friseurgeschäfte in Holsterhausen und Rellinghausen.
Sie haben seit sechs Jahren ein Friseurgeschäft in Holsterhausen, sind im vierten Jahr Vorsitzender der IGH, kennen den Stadtteil inzwischen gut. Was sind die Stärken Holsterhausens? Die Kaufmannschaft ist sehr gut aufgestellt, hier kann man fast alles für den täglichen Bedarf erstehen. Natürlich hätten wir gern ein noch größeres Angebot. Die Bevölkerung hier ist bodenständig und altersmäßig gemischt. In Holsterhausen wohnen zwar viele ältere Menschen, aber das Zusammenleben mit den jungen Leuten klappt gut.

Und die Schwächen? Holsterhausen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ruckzuck wieder aufgebaut. Damals gab es Bedarf an vielen kleinen Wohnungen. Und die gibt es halt immer noch. Das erschwert natürlich den Zuzug von Familien. Ich würde an die Vermieter appellieren, dass sie kleinere zu größeren Wohnungen zusammenlegen. Leerstände sind nie schön. Vielleicht müssen die Hausbesitzer, die Ladenlokale zu vermieten haben, einfach einsehen, dass man derzeit nicht mehr die Mieten nehmen kann wie früher.

Woran liegt es, dass der östliche Teil Holsterhausens Richtung Rüttenscheid gut funktioniert und es im westlichen Teil Richtung Frohnhausen viele Leerstände, aber auch Wettbüros oder andere wenig attraktive Läden gibt? Darauf habe ich auch keine befriedigende Antwort. Fest steht, dass die Gemarkenstraße im Bereich der „roten Meile“ an der Kirche St. Mariä Empfängnis gut funktioniert.

Gibt es derzeit mehr Leerstände als vor einigen Jahren?Nein. Vor etwa acht Jahren gab es eine Art Tiefpunkt. Jetzt hat sich die Situation wieder verbessert, was auch daran liegen kann, dass die Vermieter mit ihren Forderungen etwas herunter gegangen sind, so dass die Räumlichkeiten für Geschäftsleute wieder attraktiver werden. Ein Problem sind die vielen Erbengemeinschaften, die oft über ganz Deutschland verstreut sind und denen es teils egal ist, ob die Räume leerstehen. Das gilt sogar für sehr attraktive Gebäude, um die es wirklich schade ist.
Stichwort Berufskolleggelände . . . Das Thema spaltet den Stadtteil seit Jahren. Ich bin der Meinung, dass die Ansiedlung eines großen Lebensmittelmarktes der Untergang der Gemarkenstraße wäre, da die Kaufkraft hier abgezogen würde. Ich würde es daher begrüßen, wenn die andere angedachte Variante, ein Verwaltungsgebäude für das Klinikum, oder vielleicht ein Ärztehaus mit Wohnungen realisiert würde. Auf jeden Fall müsste die Gemarkenstraße stärker einbezogen werden.

Und das Gelände des ehemaligen Jugendzentrums an der Papestraße?

Die Idee, dort eine internationale Schule einzurichten, fand ich gut, aber das ist ja leider nicht realisiert worden. Für eine Schule wäre das ein optimaler Standort. Gibt es genug Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche? Was die Arbeit in den Sportvereinen und Gemeinden angeht, sind wir sicher gut aufgestellt.

Was fehlt in Holsterhausen? Wir könnten mehr Gastronomie, vielleicht ein Szenelokal, gebrauchen. Für eine Disco oder einen Club gibt es hier eher keinen Bedarf. Die Leute, die tanzen wollen, können ja nach Rüttenscheid gehen.

Halten Sie Anwohnerparken für notwendig? Ich bin gegen eine Anwohnerparkregelung, weil die das Parken für die Kunden erschweren würde. Wer hier einkauft, will möglichst nah an die Geschäfte heranfahren. Viele sind deswegen schon ins Rhein-Ruhr-Zentrum oder zum Limbecker Platz abgewandert. An der Gemarkenstraße funktioniert es mit dem Parken so ganz gut. Probleme gibt es erst abends, wenn die Anwohner zu Hause sind, aber da würde eine solche Regelung ja auch nicht helfen. Wenn überhaupt, müsste man im Bereich des Klinikums über Anwohnerparken nachdenken.

Sie führen gerade eine Kundenbefragung durch. Gemeinsam mit der Sparkasse schickt die IGH Interviewer zu verschiedenen Zeiten, zum Beispiel an Markttagen, auf die Straße, um Bürger zu ihrem Kaufverhalten und zu ihren Bedürfnissen zu befragen. An drei Tagen waren die Interviewer schon unterwegs, zwei weitere Aktionen sind geplant. Wir wollen so den Bedarf ermitteln. Die Ergebnisse wollen wir im Herbst vorstellen.

Die Geschäftsleute an der Holsterhauser Straße fühlen sich offenbar vernachlässigt, weil die Gemarkenstraße immer im Mittelpunkt steht. Ich weiß. Wir versuchen, unsere Mitglieder in die Aktionen einzubinden und ihnen auch in Sachen Werbung zu helfen.

Wie läuft die Zusammenarbeit der Vereine und Institutionen? Das Miteinander ist noch verbesserungswürdig, zum Beispiel in Bezug auf unser Herbstfest. Anstatt mitten in der Woche ein Fest wie „Kindsein in Holsterhausen“ zu organisieren, könnten sich die Veranstalter auch mit für unser Fest engagieren, das immerhin rund 35 000 Menschen anlockt. Sehr gut läuft die Kooperation mit dem Bürgerbund, der sich ja eher in kultureller Hinsicht betätigt. Wir präsentieren uns auch gemeinsam auf der Internetseite www.holsterhausen.com und tauschen uns alle drei, vier Monate aus.

Welche Aktionen plant die IGH noch in diesem Jahr? Am Samstag, 8. September, findet „Holsterhausen feiert“ zum fünften Mal in dieser Form mit Bühnenprogramm und Ständen statt. Wir wollen uns da weder mit dem Vorgänger Bunter Herbst noch mit dem Rü-Fest vergleichen. Unser Fest ist eher klein und fein. Am 2. Dezember planen wir einen verkaufsoffenen Sonntag mit Weihnachtsmarkt vor der Kirche. Auch dabei wäre eine engere Zusammenarbeit mit der Gemeinde wünschenswert.

Gibt es eine Kooperation mit anderen Stadtteilen? Zu den Rüttenscheidern mit Rolf Krane und Frank Schikfelder haben wir regelmäßig Kontakt und wollen in Zukunft auch die Termine abstimmen, um uns nicht gegenseitig die Besucher wegzunehmen. Der Kontakt zu den Rellinghausern läuft eher über meine Person, da ich dort zweiter Vorsitzender der Werbeinitiative bin. Zu den Frohnhausern gibt es keinen Kontakt.

Wen sollte man in die Pflicht nehmen, um Holsterhausen nach vorn zu bringen? Es wäre schön, wenn sich alle, denen Holsterhausen am Herzen liegt, mehr einbringen würden. Wichtig wäre, dass die Hausbesitzer ihr Verhalten überdenken. Unser Verhältnis zur Politik ist übrigens sehr gut, bei der Bezirksvertretung III finden wir immer Unterstützung für unsere Anliegen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Dass Holsterhausen weiter an seinen Stärken arbeitet, um den Standort zu festigen, und dass wir alle hier besser zusammenarbeiten. Einen Anfang haben wir ja mit der Säuberung des Kirchvorplatzes von St. Mariä Empfängnis und die gemeinsame Teilnahme an der Pico-Bello-Aktion schon gemacht.

Elli Schulz



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