Die Verbundenheit zur Girardet-Druckerei bleibt

Heinz Nellissen stellte für die Ausstellung im DRK-Heim Erinnerungsstücke zur Verfügung.
Heinz Nellissen stellte für die Ausstellung im DRK-Heim Erinnerungsstücke zur Verfügung.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Heinz Nellissen arbeitete früher im Druckerei-Zentrum in Rüttenscheid. Seine Erinnerungsstücke sind jetzt Teil einer Ausstellung.

Essen-Rüttenscheid..  Die berufliche Karriere von Heinz Nellissen (78) ist untrennbar mit der Druckerei Girardet verbunden, an die noch bis zum 26. Mai die Ausstellung „Girardet – eine Spurensuche“ im DRK-Seniorenzentrum an der Henri-Dunant-Straße 86 erinnert. Heinz Nellissen lebt bis heute in Rüttenscheid. Insgesamt dreimal arbeitete er während seines Berufslebens im Druckereizentrum an der Rüttenscheider Straße. „Aber nicht als Drucker“, wie Nellissen betont. Er sei für die Qualitäts- und Farbkontrolle der Bilder zuständig gewesen. „Mit Texten hatte ich nichts am Hut“, sagt er und lacht.

Das Girardet-Haus, in dem zu Hochzeiten rund 2700 Menschen arbeiteten, prägt noch heute das Stadtbild und erinnert Nellissen an seine Berufsjahre, die sehr abwechslungsreich waren und ihn über Hamburg und München bis nach Amerika führten.

Bei Girardet hatte Nellissen viel mit Zeitschriften zu tun, denn neben Mickey Mouse und Reader’s Digest wurden dort auch Quick, Neue Revue und vor allem das Männermagazin Playboy gedruckt. „Den Playboy gab es erst seit 1972 als deutsche Ausgabe“, erinnert sich Nellissen, der damals unter anderem darauf achten musste, „dass bei den nackten Mädchen nicht zu viel zu sehen war“. „Dass ich ständig mit Bildern nackter Mädchen zu tun hatte, sah meine Frau zum Glück ganz locker“, sagt er. Und so ist der Vater zweier erwachsener Töchter auch nach 51 Jahren noch glücklich verheiratet.

„Wir haben ohne Ende retuschiert“, erinnert sich Nellissen. Hier ein Pickel weg, da eine Zahnlücke aufgefüllt – auch ein Playmate sieht halt von Natur aus nicht perfekt aus. Häufig wollten seine Bekannten, dass er eines der begehrten Hochglanz-Hefte mitbringe. Aber nicht überall kamen die freizügigen Aufnahmen gut an. Der damalige Bischof von Regensburg habe einmal eine einstweilige Verfügung erwirkt, weil ihm das ausklappbare Poster in der Mitte des Heftes zu viel zeigte. Daraufhin seien die Kollegen in Regensburg durch die Läden gelaufen und hätten das Poster aus jedem Exemplar einzeln herausgerissen.

Auch Nellissen selbst kann sich an sehr stressige Situationen erinnern, die aber auch viel Spaß machten. „Als Kennedy ermordet wurde, gab es einen Sonderdruck. Da wurde ich samstags zum Dienst beordert und kam erst nach dem Wochenende wieder nach Hause.“

„Ich würde es heute wieder so machen“, sagt Nellissen. 1954 hatte er eine kaufmännische Lehre in der Druckerei Girardet begonnen. Später kümmerte er sich um die technischen Seiten von Buch-, Offset- und Tiefdruck. „Irgendwann ging mir alles zu langsam mit dem beruflichen Fortkommen und ich wechselte nach Hamburg“, erinnert er sich. Später kam er nach Essen zurück, absolvierte bei Girardet eine weitere Ausbildung als Tiefdruck-Volontär. In München hielt er es später nur ein halbes Jahr aus: „Ich spreche kein Bayerisch, und das Bier dort schmeckt mir auch nicht.“

In New York verbrachte Nellissen die interessanteste Zeit seines Berufslebens, nur die Familie fehlte ihm in den drei Jahren sehr. Als er dann 1986 das letzte Mal bei Girardet anheuerte, ahnte er schon, dass das Unternehmen nicht mehr lange bestehen würde. „Die Druckkapazitäten waren riesig und wurden nicht mehr abgerufen.“ 1988 kam das Aus. „Irgendwie war Girardet mein berufliches Zuhause, an das ich immer noch gern zurückdenke. Ich habe dort viel Wissen erworben“, sagt Heinz Nellissen, der etliche Erinnerungsstücke, darunter einen alten Setzkasten, für die aktuelle Ausstellung zur Verfügung stellte.