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Die Ego-Bar in Rüttenscheid ist sein Lebenselixier

06.11.2012 | 15:10 Uhr
Die Ego-Bar in Rüttenscheid ist sein Lebenselixier
Hannes Schmitz in der Ego-Bar.Foto: Sebastian Konopka

Essen.  Vor 25 Jahren eröffnete Hannes Schmitz, Rüttenscheider Kultgastronom, die Ego-Bar an der Rüttenscheider Straße. Noch immer steht der 74-Jährige selbst am Wochenende hinter der Theke. Am Samstag, 10. November, wird das Jubiläum mit Sekt und Frühstückbüfett gefeiert.

„Eigentlich“, sagt Hannes Schmitz, „würde ich mich jetzt noch mal kurz hinlegen und erst gegen 1 Uhr hier vorbeischauen.“ Es ist 22 Uhr, die Thekenmannschaft der Ego-Bar rüstet sich für die Nacht. Im Hintergrund laufen Klassiker wie „Like a Virgin“ von Madonna und „Step by Step“ von den New Kids On The Block. Zeitlose Hits, denen Trends ebenso wenig anhaben können wie dem Kult-Club an der Rüttenscheider Straße.

Ausnahmsweise kreuzt der Chef heute schon früher auf. Um die vergangenen 25 Jahre Revue passieren zu lassen, reicht diese Nacht aber vermutlich nicht aus. „Mittlerweile werde ich schon von jungen Menschen angesprochen, die mir sagen, dass ich mit ein Grund ihrer Existenz sei“, sagt Schmitz und lacht. Unzählige Paare haben sich in seinen Räumen kennen und schließlich lieben gelernt, all die Hochzeitseinladungen kann Schmitz vermutlich nicht mehr zählen.

Ego-Bar hieß damals noch Nacht-Café

Dabei war die erste Nacht im Herbst 1987, die Ego-Bar hieß damals noch Nacht-Café, für Hannes Schmitz eine tragische. Seine Mutter lag im Sterben, schlief schließlich friedlich ein. Schmitz musste danach noch in den Club, der aus allen Nähten zu platzen drohte. „Das Gefühl dieser Nacht kann ich gar nicht in Worte fassen. Seitdem habe ich keine Angst mehr vor dem Tod“, sagt der 74-Jährige, dessen Lebenselixier seine Läden sind. Warum er sich die Nächte in seinem Alter noch gerne um die Ohren schlägt? „Ich möchte nicht mit Einkaufstüten über die Rü schlendern und mich über jede rote Ampel freuen, an der ich Pause machen kann“, sagt Schmitz, der täglich mindestens anderthalb Stunden Sport treibt, um sich fit zu halten.

1989 wurde der Club auf den Namen „Ego-Bar“ getauft. Die Idee dazu hatte Klaus Koch, ein langjähriger Freund von Hannes Schmitz und heute Betreiber von Musikpalette und Gregor’s. „Wir sind beide ein Stück weit egoman, sonst könnten wir den Job nicht machen. Da passte der Name gut“, sagt Schmitz, der sich an viele Sternstunden erinnert. Etwa die Nacht, in der er das Tusem-Team nach einer Niederlage mit Weizenbier und vielen Schulterklopfern wieder für den Europapokal aufbaute.

DJ steht nicht im Vordergrund

Die Ego-Bar wurde in den Neunzigern zur Techno freien Zone erklärt, überdauerte alle Szene-Clubs und Lounges, die da kamen und gingen. Den Erfolg begründet Schmitz auch mit Faktoren wie einer „harten Tür“ und der Tatsache, dass die Musik, nicht der DJ im Vordergrund steht. Dabei schlägt Schmitz’ Herz eigentlich für Jazz: „Ich bin ursprünglich Gastronom geworden, weil ich einen Jazz-Keller eröffnen wollte“, sagt Schmitz. Diesen Traum verwirklicht er am Mittwoch, 7. November, 20 Uhr, ein Stück weit in der Ego-Bar: Der durch die Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ bekannt gewordene Mike Leon Grosch und Riccardo Doppio spielen dann zum Clubabend in der Kultlocation an der Rü 143 auf (Karten kosten zehn Euro). Ausnahmsweise - denn am Konzept der Ego-Bar soll sich auch in den nächsten 25 Jahren nichts ändern.

Die Gastronomie-Karriere von Hannes Schmitz begann 1967 mit der Pumpe, seinem ersten Laden an der Steeler Straße. Den Standort hatte er den Würfeln zu verdanken: Sein Onkel Heinrich Beckmann vom gleichnamigen Spirituosen-Geschäft hatte damals zwei freie Grundstücke zu vergeben - eines an der Rü, das andere eben an der Steeler Straße.

„Die Würfel haben meinen Weg nach Rüttenscheid etwas verzögert“, erinnert sich Schmitz. Die Pumpe lief bis 1982, danach öffnete das Gastronomie-Urgestein eine ganze Reihe von Läden, darunter das TC (heute Frida) und das Jagdhaus Schellenberg. Am Wehmenkamp führte Schmitz lange Zeit das Portrait, die heutige Menehune-Bar. Der Laden lief für den Geschmack der Nachbarn allerdings zu gut - Schmitz musste wegen Lärmbelästigung schließen und fand gegenüber der Siechenkapelle ein neues Zuhause für seine Läden. Das „Schmitz, wohin sonst“ wird zurzeit renoviert und soll als Restaurant neu eröffnen.

Jennifer Schumacher



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