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Das Miteinander funktioniert

27.06.2012 | 18:41 Uhr
Das Miteinander funktioniert
Die kleine Helene wirft die Kugel, Kiga-Leiterin Claudia Pieron und die Senioren schauen zu. Foto: Jennifer Rüdinger/WAZ FotoPool

Holsterhausen.   Die Senioren der Nova-Vita-Residenz wollen den Kontakt zum Kindergarten St. Ignatius ausbauen. Ein erstes gemeinsames Kegeln machte allen Spaß.

Ein Lächeln huscht über das Gesicht von Ursula Peters-Biebler (88). Interessiert schaut sie zur Mitte des Sitzkreises. Dort fixiert die kleine Helene die Kegel, wirft die Kugel. Drei Kegel fallen, die alte Dame klatscht begeistert. Für die Bewohner der Nova-Vita-Seniorenresidenz an der Goethe-straße, die teils im Rollstuhl, teils mit Rollator in den verspiegelten Gymnastikraum gekommen sind, ist es eine Premiere: Zum ersten Mal kegeln sie gemeinsam mit Mädchen und Jungen des Kindergartens St. Ignatius.

Und Spaß haben offensichtlich alle, die Alten und die Jungen. Auch wenn ein bisschen getrickst wird: Erfolgserlebnisse sind wichtig. Deshalb geben die Mitarbeiter des Seniorenzentrums den Bewohnern, die nicht mehr so viel Kraft haben, einfach ein Stück Dachrinne in die Hand. Damit die Kugel mehr Schwung bekommt. Belohnt werden auch die Kleinen: Für die zehn Kinder zwischen drei und sechs Jahren gibt es am Ende kleine Pokale.

Der Kontakt zum Kindergarten St. Ignatius besteht schon einige Jahre, soll allerdings noch intensiviert werden. „Wir gehören ja zu der Gemeinde“, sagt Silvia Haefs, seit einem Jahr in der Nova-Vita-Residenz zuständig für die soziale Betreuung der 56 Bewohner des Pflegebereichs.

Die Generationen zusammenzubringen sei heute wichtiger denn je. Nicht ohne Grund entstünden immer häufiger Mehrgenerationen-Projekte. „Als ich klein war, lebten noch beide Großeltern mit uns im Haus und das war normal. Heute leben die Großeltern oft in einer anderen Stadt, in einem anderen Land und die Kinder haben kaum Kontakt zu älteren Menschen“, erklärt Silvia Haefs.

Zu St. Martin, Nikolaus oder Karneval habe man sich sowieso schon getroffen, auch gemeinsames Singen und Basteln sei beliebt. „Neulich waren wir mit vier Bewohnern beim Spieletag im Kindergarten, als es um ,Spiele früher und heute’ ging. Da konnten die Senioren natürlich einiges beitragen. Sie alle kennen noch Gummitwist oder Hinkelkästchen“, berichtet Haefs von der gelungenen Aktion. „Aber einfacher ist es für uns, wenn die Kinder zu uns kommen. Die können einfach besser laufen als unsere Senioren.“

Von den Besuchen profitieren beide Seiten, bestätigt Kindergarten-Leiterin Claudia Pieron. „Unsere Kinder erfahren eine große Wertschätzung, ihre Leistungen werden gewürdigt. Sie merken, wie sehr sich die Senioren über die Besuche freuen und das wiederum motiviert die Kinder“, weiß die Leiterin aus Erfahrung. Wichtig sei, dass die Kinder mit den Besonderheiten und Gebrechen der Senioren umzugehen lernten. „Anfangs haben die Kinder irritiert reagiert, wenn die Senioren sehr langsam reagierten oder etwas nicht richtig verstanden haben. Inzwischen ist der Kontakt ganz unbefangen. Die Kinder akzeptieren die alten Leute, wie sie sind“, weiß Silvia Haefs.

Gerade bei dementen Bewohnern seien Kinder - und auch Tiere - eine Art Türöffner, riefen Erinnerungen wach. „Sogar sehr verschlossene Menschen tauen dann auf“, sagt Silvia Haefs, die deshalb auch gern den Kontakt mit Jugendlichen verstärken möchte. Der Anfang ist auch hier bereits gemacht: Eine 14-jährige Schülerin der Gesamtschule Holsterhausen las kürzlich den Senioren im Rahmen eines Verantwortungsprojekts Märchen vor.

Von Elli Schulz


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