Das Konzert ihres Lebens – Doku erinnert an Beatles in Essen

Schwelgen gerne in Erinnerungen: Dagmar und Peter Rüb, mittlerweile seit 48 Jahren verheiratet, waren frisch verlobt, als sie 1966 gemeinsam die Beatles in der Grugahalle sahen.
Schwelgen gerne in Erinnerungen: Dagmar und Peter Rüb, mittlerweile seit 48 Jahren verheiratet, waren frisch verlobt, als sie 1966 gemeinsam die Beatles in der Grugahalle sahen.
Foto: FUNKE Foto Services
In der Fernseh-Doku „Die Beatles kommen“ erinnern sich am Dienstagabend Zeitzeugen aus Essen an den legendären Auftritt der Beatles im Juni 1966.

Essen.. Allein die Erinnerung an diesen sonnigen 25. Juni 1966 macht aus Peter und Dagmar Rüb wieder zwei verliebte Teenager. Das zeigt auch die einfühlsame Dokumentation „Die Beatles kommen“ die Dienstag, 17. Februar, (21 Uhr, Phoenix) die Geschichte jener Fans erzählt, die bei der einmaligen und ersten Tour der Pilzköpfe dabei waren – und auch das Ehepaar Rüb aus Fulerum zu Wort kommen lässt.

„Ich hatte einen roten Rippenpullover mit Stehkragen und einen dunkelblauen Rock an, das trug man damals so“, erinnert sich die 66-Jährige noch gut. Eigentlich hatte sie mit ihrem Frisch-Verlobten Peter „nur mal kurz gucken wollen“, was vor der Grugahalle los ist.

Mit den Beatles hatten sich schließlich die Jugend-Ikonen ihrer Zeit für ein Konzert im Rahmen der Bravo-Blitztournee angekündigt. „Wir hatten keine Eintrittskarten, obwohl es noch welche gab: für zwölf Mark das Stück“, weiß Peter Rüb noch. Er ist damals in der Lehre als Verlagskaufmann, verdient 60 Mark. „Uns fehlte genau eine Mark, ich weiß bis heute, wie verzweifelt wir waren“, sagt Dagmar Rüb. In der riesigen Menschenmenge entdeckt Peter Rüb einen Bekannten, der sich erbarmt und dem jungen Pärchen die Differenz leiht. „Wir konnten es kaum fassen, als wir wirklich drin waren“, sagt Peter Rüb, „und dann haben noch die Rattles als Vorband gespielt.“

Ein Beatles-Zimmer besteht bis heute

Auch seine frühere Verlobte, mit der er seit mittlerweile 48 Jahren verheiratet ist, kann sich noch gut in ihre Gemütslage zurückfühlen: „Ich war so euphorisch, fast wie benebelt“, sagt Dagmar Rüb. Nicht zuletzt auch, weil diesem Konzertbesuch etwas Verruchtes anhaftete. „Für unsere Eltern waren die Beatles ein Graus, schon allein ihrer langen Haare wegen. Die dachten, dass man abrutscht, wenn man sie hört“, sagt Peter Rüb, der sich damals noch jeden Morgen die Haaren nass nach vorn kämmte, „damit sie länger aussehen“. Ein Kumpel hatte ihn mit dem neuen Rock’n’Roll aus Großbritannien infiziert. „Der hatte einen tragbaren Plattenspieler, wo man die Scheiben noch an der Seite einschob. Als ich ,She loves you’ zum ersten Mal hörte, war ich Feuer und Flamme“, erzählt Rüb, der ein eigenes Beatles-Zimmer in der Wohnung eingerichtet hat – auch als Erinnerung an jenen Tag, der ihn bis heute nicht los lässt.

Kurz bevor die Beatles die Bühne betreten, ist es in der Grugahalle stockfinster, weiß Dagmar Rüb noch: „Dann wurden die ersten Akkorde gespielt und die Hölle brach los.“ Dass die Musiklegenden aus Liverpool gerade mal vier Songs spielten und nur gut 30 Minuten auf der Bühne standen, all das war den beiden damals egal. „Wir sind danach wie auf Wolken nach Hause“, sagt Dagmar Rüb. Es soll ihr einziges Beatles-Konzert bleiben, „mit der späteren Musik der Beatles konnten wir nicht mehr so viel anfangen“, gibt sie zu. Vor einigen Jahren aber war das Gefühl von damals plötzlich wieder da: „Ich hatte zwei Karten für Paul McCartney in Oberhausen zum Geburtstag geschenkt bekommen“, sagt Dagmar Rüb und ihr Mann ergänzt: „Da haben wir Hey Jude bis zum Abwinken mitgesungen.“