Dank Essener Projekt leben vom Aussterben bedrohte Töne im Internet weiter

Jan Derksen mit einem alten Telefon. Das Geräusch der Wählscheibe steht auf seiner roten Liste der bedrohten Geräusche.
Jan Derksen mit einem alten Telefon. Das Geräusch der Wählscheibe steht auf seiner roten Liste der bedrohten Geräusche.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Das Projekt „Conserve the Sound“ des Rüttenscheiders Jan Derksen und seines Kompagnons Daniel Chun rettet Geräusche, die vom Aussterben bedroht sind. Die Medienstiftung NRW förderte ihr Online-Museum mit 30.000 Euro.

Essen.. Als alle anderen schon lautlos mit den Fingern auf Smartphone-Bildschirmen herumwischten, hatte Jan Derksen immer noch ein Handy mit Tastatur. Wenn er mit diesem Gerät eine SMS schrieb, klackte es bei jedem Tastendruck. Klack. Klack. Klack. In solch einem Moment dachte er: „Dieses Geräusch wird bald ausgestorben sein.“

Dagegen wollte der Rüttenscheider etwas unternehmen. Die Idee für „Conserve the Sound“ war geboren. Das war im Sommer 2012. Mit der Zeit wurde die Idee konkret. Und jetzt, am 23. März, ging die Online-Datenbank für vom Aussterben bedrohte Geräusche ans Netz. Mittlerweile hat die Website rund 600 Besucher pro Tag.

Etwa einhundert Klänge liegen schon auf den Servern von „Conserve the Sound“. Das Rattern der Wählscheibe eines Telefons, das die Deutsche Bundespost noch „Fernsprechtischapparat“ genannt hat. Das Klappern der kolossalen Schreibmaschine „Urania“. Oder das monotone Surren des kultigen 60er-Jahre-Rasierapparats „Sixtant“ von Braun. Das Tamagotchi- Piepen und der nervtötende Nokia-Klingelton fehlen - „Copyright-Probleme“, bedauert Derksen. Diese Töne seien urheberrechtlich geschützt, ebenso die Musik von Videospielen, die Derksen gerne in die Datenbank aufnehmen würde.

Menschen erzählen von ihren Lieblingsgeräuschen

Related content „Damit kein falscher Eindruck entsteht: Ich bin kein Sound-Nerd“, sagt Derksen. „Ich hab’ auch noch einen ganz normalen Beruf.“ Derksen ist gelernter Kommunikationsdesigner. Mit seinem Kompagnon Daniel Chun hat er sich nach dem Studium selbstständig gemacht. Das war 2009, während der Hochphase der Finanzkrise. „Das war eine schwierige Zeit, aber wird dachten: Wir ziehen das jetzt einfach mal durch“, sagt Derksen. Heute dreht ihre Agentur Werbefilme und Image-Clips, sie fotografieren, und sie designen Postkarten, Flyer, Poster. Und von jetzt an begleitet sie auch „Conserve the Sound“.

„Das Projekt zu realisieren, war aufwendiger, als wir anfangs angenommen hatten“, sagt Derksen. Sie suchten nach „Tonlieferanten“ in Museen und im Bekanntenkreis. Dann nahmen sie die Töne auf und bearbeiteten sie nach. Sie entwarfen ihre Homepage und ließen sie programmieren. Sie machten Fotos von den Gegenständen, deren Geräusche sie aufgezeichnet haben. Außerdem haben sie Video-Interviews für die Website aufgezeichnet: Menschen erzählen darin von ihren Lieblingsgeräuschen.

„Museums-Charakter soll erhalten bleiben“

Gefördert wird das Online-Museum von der Film- und Medienstiftung NRW mit 30.000 Euro. Das Geld ist eine Art zinsloses Darlehen, bedingt rückzahlbar. Daher fragen sich die Macher auch, wie sie künftig mit ihrem Projekt Geld verdienen können. Denkbar wäre, dass Unternehmen ihre Produkte in der Datenbank platzieren. „Das ist aber auch ein schwieriger Spagat, schließlich soll der Museums-Charakter erhalten bleiben“, sagt Derksen.

Ideen für die Zukunft haben die beiden viele. Sie überlegen, auch atmosphärische Geräusche zu konservieren: „Wir denken da zum Beispiel an Klänge aus dem Opel-Werk in Bochum.“ Und auch der Nutzer soll künftig mit eingebunden werden. An einer Upload-Funktion für Töne arbeiten die Macher zur Zeit.