Das aktuelle Wetter Essen 9°C
Gesichter des Südviertels

Bei Familie Doitridier laufen alle Fäden zusammen

25.10.2012 | 06:00 Uhr
Bei Familie Doitridier laufen alle Fäden zusammen
Vassiliki (links) und Georgious Doitsidis an ihren Nähmaschinen.Foto: Klaus Micke

Essen-Südviertel.   Seit 1982 nähen, kürzen und flicken Vassiliki und Geourgious Doitsidis in ihrem Änderungs-Atelier im Südviertel. Ihre Kunden kommen im Fünf-Minutentakt.

Es gibt Läden, die völlig unscheinbar und unspektakulär und trotzdem untrennbar mit einem Stadtteil verbunden sind: Das 50 Quadratmeter große, namenlose Änderungs-Atelier auf der Witteringstraße gehört dazu. Von der Wand lacht Essens „Schlagergott“ René Pascal in direkter Nachbarschaft zum heiligen Georg und einer zerknitterten Griechenlandkarte. Drei alte Pfaff-Nähmaschinen sind vor der Schaufensterscheibe postiert, darüber gebeugt sitzen Vassiliki und Georgious Doitsidis tagein, tagaus seit nunmehr 30 Jahren.

Beim Schneider-Ehepaar, das 1982 aus dem Norden Griechenlands nach Essen gekommen ist, hat sicherlich das gesamte Südviertel inzwischen Hosen kürzen, Reißverschlüsse wechseln oder Löcher stopfen lassen. Selbst samstags rattern die Maschinen, um die kurzfristigen Wünsche der Kunden zu erfüllen. „Handarbeit braucht Zeit, das geht nicht ratzfatz“, lacht Vassiliki Doitsidis. Zwölf bis dreizehn Stunden täglich näht, kürzt, flickt und ändert das Ehepaar nahezu alles, was die Leute ihnen im Fünf-Minutentakt bringen. Leder, Pelze, Autositze, Markisen,Taschen sogar Perücken werden unter den geschickten Händen der Schneider bearbeitet.

„Wir waren immer zusammen“

Reich geworden sind sie dabei nicht, „doch wir haben unser Auskommen“, sagt Georgious Doitsidis (62). Zwischen Knöpfen, Garnspulen, Stoffresten und Reißverschlüssen sind auch die beiden Kinder Chrisoula (32) und Paschales (31) aufgewachsen, haben im Hinterzimmer Mittagsschlaf gehalten, gespielt und ihre Hausaufgaben gemacht. „Wir waren immer zusammen, obwohl meine Eltern so viel gearbeitet haben“, sagt Paschales.

Auch die wenige Freizeit verbringt die Familie gemeinsam; einzig in die Heimat fahren Vassiliki und Geourgious getrennt, seit die Kinder groß sind. Mutter Vassiliki bekocht jeden Abend ihre Lieben: „Nur frische Sachen, nichts aus der Tiefkühltruhe“ gelangt auf ihren Tisch, „egal wann ich nach Hause komme“. Der Zusammenhalt scheint groß, Sohn und Tochter leben noch bei den Eltern. Entgegen der üblichen geschlechtsspezifischen Rollenverteilung wurde die Tochter Bauingenieurin und Sohn Paschales Schneider. Nach seinen Lehrjahren in einem Düsseldorfer Haute-Couture-Salon und einer Zusatzausbildung als Schnittdirectrice, arbeitet er seit einem Jahr im elterlichen Geschäft. „Als Kind wollte ich immer Polizist oder Feuerwehrmann werden, bis ich gesehen habe, wie mein Vater aus einem Stoffballen einen Anzug geschneidert hat.“

Das Handwerk, das bereits seine Großeltern ausübten, hat ihn seitdem fasziniert. Wenn es die Zeit zulässt schneidert er seine eigene Mode. Wann er das Änderungs-Atelier übernimmt, weiß er noch nicht: „Mein Vater kann ohne die Schneiderei nicht leben. Im Urlaub sehnt er sich nach spätestens fünf Tagen nach seiner Nähmaschine.“

Vera Eckardt

Kommentare
25.10.2012
20:58
Bei Familie Doitridier laufen alle Fäden zusammen
von kpb47 | #1

Und wie heißt die Familie nun wirklich?
Doitridier oder Doitsidis?
Wie kann man sich denn so verschreiben?

Funktionen
Aus dem Ressort
Panini-Album "Essen sammelt Essen": alle Infos für Sammler
Panini-Album
WAZ und "Juststickit" präsentieren das Panini-Album "Essen sammelt Essen". Hier steht, wo Sammler die 312 Sticker kaufen und tauschen können.
Mutter des getöteten Babys war Essener Jugendamt bekannt
Familiendrama
Nach dem tödlichen Fenstersturz eines sechs Monate alten Babys ist nun bekannt geworden, dass die Mutter die Hilfe des Jugendamtes gesucht hatte.
Grünes Licht für die Gourmetmeile, Oktoberfest wird umziehen
Veranstaltungen
Ab 29. Juli soll die fünfte Auflage von „Rü Genuss Pur“ auf dem Messeparkplatz in Essen über die Bühne gehen. Das Oktoberfest wird umziehen.
Anwohner porträtiert Straße Am Dönhof mit dem Bleistift
Kultur
Paul Weber lebt seit Jahren in der Straße Am Dönhof. Er skizzierte die Häuser, um deren Charakter, aber auch ihre Veränderung, zu zeigen.
Atomkraft-Gegner klettern an Vordach des RWE-Towers hoch
RWE-Tower
Umweltaktivisten sind am Donnerstag an einem Vordach der RWE-Zentrale in Essen hochgeklettert. Dort rollten sie ein Protestbanner aus.
Fotos und Videos
Proteste gegen RWE
Bildgalerie
Aktivisten
Panini-Heft "Essen sammelt Essen"
Bildgalerie
Sammelalbum
Rüttenscheider Musiknacht
Bildgalerie
Musik
article
7225840
Bei Familie Doitridier laufen alle Fäden zusammen
Bei Familie Doitridier laufen alle Fäden zusammen
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/essen/sued/bei-familie-doitridier-laufen-alle-faeden-zusammen-id7225840.html
2012-10-25 06:00
Süd