Am Alfredspark – einst die größte Krupp-Siedlung der Stadt

Typische Häuserzeile der alten Siedlung Alfredshof, die durch Bombenkrieg und Wiederaufbau zerstört wurde.
Typische Häuserzeile der alten Siedlung Alfredshof, die durch Bombenkrieg und Wiederaufbau zerstört wurde.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Der historische Alfredshof wird bald saniert. Nirgendwo in Essen geriet in den 1950er Jahren der Wiederaufbau derart hypermodern – und brutal.

Essen-Holsterhausen.. Die alte Krupp-Siedlung „Am Alfredspark“ wird vom Eigentümer Vivawest saniert. Dass hier immerhin 5,7 Millionen Euro investiert werden, ist eine gute Nachricht für die Bewohner, aber auch für die Stadtstruktur in Essen, die bis heute stark von den Siedlungen der Kohle- und Stahlkonzerne geprägt ist und dieses Erbe weder verleugnen kann noch will. Besonders der Holsterhausener Norden an der Grenze zu Frohnhausen war ganz von „Kruppianer“-Quartieren beherrscht: Die Siedlung Alfredspark, die vor ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg Alfredshof hieß, war dafür besonders typisch.

Der Alfredshof war mit fast 1700 drei-, vier, und fünfräumigen Wohnungen lange Zeit die größte unter den Werkssiedlungen in Essen. Entstanden in den Jahren 1894 bis 1899, stark erweitert und umgestaltet ab 1907, baute Krupp hier eine jener „idyllisierten“ Siedlungen, wie sie Friedrich Alfred Krupp geradezu als eine seiner Lebensaufgaben ansah. Die Architektur-Muster lieferte die „Gartenstadt“-Bewegung, die gepaart wurde mit der patriarchalischen Vorstellung, dass einfache Arbeiter sich in einem quasi dörflichen Rahmen mit strengem Regelwerk am wohlsten fühlen.

Nähe zum Werk brachte Zerstörung

Im Zweiten Weltkrieg wurde dem Alfredshof seine Nähe zu den Werkshallen zum Verhängnis – die Siedlung wurde größtenteils zerstört. Nur wenige Gebäude, etwa der frühere Krupp’sche Konsum, heute an der Adolf-Schmidt-Straße gelegen, überlebten die Bomben und später die Abrisswut der Nachkriegsjahrzehnte. Beim Wiederaufbau in den 1950er Jahren entschloss sich Krupp zu einem radikalen, hypermodernen Neuanfang, der trotz mancher Änderungen im Detail bis heute Bestand hat.

Die Bau-Moden hatten sich völlig verändert. Das Hof-Prinzip, der geschlossene Block, die nach außen umfriedete dörfliche Siedlung mit kleinen Häuschen – all das galt nun als hoffnungslos unmodern. Die gar nicht so kleinen Reste des alten Alfredshofs wurden folglich gnadenlos abgeräumt. Stattdessen gab es nun versetzte Reihenhäuer quer in die Grünanlagen gesetzt, Riegel-Häuser in Reih und Glied mit luftigen Balkonen, kühne Punkt-Häuser entlang der damaligen Bundesstraße 1, und selbst ein großes Wohnhochhaus an der Hobeisenbrücke durfte sein. Was heute die Autobahn A 40 ist mit entsprechenden Platzbedarf, war in den Anfängen um 1910 die von Bäumen gesäumte, gepflegte Kruppstraße, die jeweils eine schmale Fahrspur besaß. Die A 40 hat Teile des Alfredshofs leider zu einem unwirtlichen Ort gemacht.

Dennoch hat das Sammelsurium an Baustilen eine eigene Qualität, schon weil Krupp auch hier aufgrund des immensen Flächenreichtums des Unternehmen so großzügig gebaut hat, wie es kein normaler Privatinvestor gekonnt oder gewollt hätte. Die Häuser des Alfredparks stehen fast alle in grünen Parklandschaften, und wenn der tosende Verkehr und das eher mäßige Image dieses Teils von Holsterhausen nicht wäre, dann würden die Qualitäten vielleicht viel breiter positiv zur Kenntnis genommen.