Altes Holsterhauser Berufskolleg wird derzeit entkernt

Das ehemalige Berufskolleg am Holsterhauser Platz wird erst entkernt und dann abgerissen.
Das ehemalige Berufskolleg am Holsterhauser Platz wird erst entkernt und dann abgerissen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Erst danach erfolgt der Abriss der Gebäude am Holsterhauser Platz und der Neubau der Cranachhöfe mit Wohnungen und Geschäften.

Essen-Holsterhausen.. Das Bauschild für die Cranachhöfe steht am Holsterhauser Platz, Container für die Arbeiter und Bauzäune sind da, 25 Bäume bereits gefallen: Auf dem 14 000 Quadratmeter großen Gelände des ehemaligen Berufskollegs zwischen Holsterhauser, Rubens- und Cranachstraße wird die städtische Wohnungsgesellschaft Allbau Wohnungen, einen Kindergarten und Ladenlokale errichten. Mitte Dezember 2014 hat der Rückbau des seit 2007 leerstehenden Schulgebäudes aus den 1960er-Jahren begonnen.

Und dabei kommt keineswegs – wie der Laie vielleicht vermutet – sofort die Abrissbirne zum Einsatz. „Der Rückbau läuft in zwei Phasen ab. Derzeit ist die Entkernung an der Reihe, die ungefähr bis Ostern dauern wird. Dann folgt bis Sommer der eigentliche Abbruch der Gebäude. Beide Phasen sind ungefähr gleich lang“, erklärt Jörg Angst, Projektentwickler beim Allbau. Aktuell wird das Gebäude entrümpelt, Reste des Mobiliars werden herausgeschafft und entsorgt. Fenster, Böden, Decken und Wandverkleidungen werden entfernt. „Wir machen das, um die Rohstoffe zu trennen und gegebenenfalls weiter zu verwerten“, sagt Frank Friesen, zuständig für den Rückbau. Teile des Mauerwerks würden zum Beispiel beim Straßen- oder Parkplatzbau oder für Lärmschutz wieder verwendet.

Diese Baustoff-Trennung werde einige Monate dauern. „Da der Erlös aus den Rohstoffen bei den Kosten des Gesamtprojektes gegengerechnet wird, macht es sich schon bemerkbar, dass hier nicht nur Fensterscheiben eingeschlagen wurden, sondern auch Kupferleitungen abhanden gekommen sind“, ärgert sich Friesen.

Die Verantwortlichen rechnen mit insgesamt rund 46 000 Kubikmetern Material, das entsorgt werden muss. Die Abfuhr werde per Lkw über die Holsterhauser und Rubensstraße erfolgen. Die Grube, die nach dem Abriss des Berufskollegs einschließlich des Kellers entsteht, werde nicht verfüllt, da für den Neubau noch weiter ausgeschachtet werden müsse. Aktuell arbeiten etwa 20 Leute auf der Baustelle, später werden es an die 40 sein. Mit dem Neubau könne möglicherweise in der zweiten Jahreshälfte begonnen werden, will sich Jörg Angst nicht genau festlegen, da noch Genehmigungen ausstehen. Zudem wolle man den Neubau lieber sorgfältig statt schnell realisieren und die künftigen Nutzer, wie das Klinikum, weiter einbeziehen. „Es bringt nichts, möglichst schnell fertig zu werden und dann die Gebäude nicht vermietet zu bekommen“, so Angst. Allbau-Sprecher Dieter Remy geht aktuell davon aus, dass die Cranachhöfe Ende 2017 fertig sein könnten.

Bevor neu gebaut werde, müsse die Steag die Fernwärmeleitungen anpassen. Friesen kann verstehen, dass einige Anwohner skeptisch sind. „Den Schulbetrieb kannten sie, was jetzt kommt, ist erst mal ungewiss. Deshalb ist es wichtig, die Nachbarn mitzunehmen, denn natürlich wird der eigentliche Abriss nicht ohne Lärm und Dreck vor sich gehen“, so Friesen. Alle Anwohner seien schriftlich informiert worden. Bei Problemen hilft Frank Feldhaus von der Firma Moß unter 0591/96 399 340.

Weiterhin einen Dialog mit dem Allbau über die Neugestaltung des ehemaligen Berufskolleg-Geländes strebt der Bürgerplanungstisch an. Der traf sich unter der Moderation von Peter Wehr vor einigen Tagen erneut in der Melanchthonkirche. Nach Angaben des Veranstalters nahmen über 50 Bürger teil. Ein Thema war dabei die Situation der Geschäftsleute an der Gemarkenstraße. Einige von ihnen fürchten um ihre Existenz, wenn im Bereich der Cranachhöfe neue Verkaufsflächen von 2500 Quadratmetern entstehen, die teils auch von kleineren Geschäften genutzt werden sollen.

Es sei Aufgabe der Politiker, negativen Entwicklungen entgegenzutreten und die an der Gemarkenstraße ansässigen Geschäfte zu schützen. Zudem hätten die Politiker den Allbau als Investor deutlicher auffordern müssen, die Ergebnisse des Bürgerplanungstisches zu berücksichtigen, auch wenn die wirtschaftliche Machbarkeit eine der Planungsgrundlagen sein müsse, so ein Teilnehmer.

Die Organisatoren wollen erneut auf die Verantwortlichen beim Allbau zugehen, um den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen. Der Planungstisch begrüßt das Engagement der Bürger und wünscht sich ähnliches Interesse für kommende Projekte, etwa bei der Planung für das Gelände des ehemaligen Jugendzentrums Papestraße.